Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Rufil Russia Consulting

Simon SchüttVon

Der Düsseldorfer Persil-Hersteller Henkel investiert im großen Stil in Russland. Am 31. Mai weihte das Unternehmen sein erweitertes Produktions- und Logistikzentrum für Wasch- und Reinigungsmittel im russischen Perm ein. Das teilte das Unternehmen am 2. Juni in einer Presseaussendung mit

Die Investitionen dafür belaufen sich demnach auf 30 Millionen Euro. Das Werk in Perm, das nun erweitert wird, sei einer der größten Produzenten von Waschmitteln in Russland – es bediene nicht nur Städte im ganzen Land, sondern auch einen Großteil der GUS-Staaten. Dort werden Produkte der Henkel-Marken Persil, Laska, Vernel, DENI, Pemolux, Losk, Pril, Pemos, Bref und Е hergestellt. Nun sind die Produktions- und Logistikflächen der Anlage mit einem neuen Gebäude um 16.000 Quadratmeter gewachsen.

„Damit hat Henkel die erforderlichen Vorkehrungen getroffen, um mit einer erhöhten Produktionskapazität von Flüssigprodukten und der Vergrößerung des vollautomatischen Hochregallagers den Anforderungen des Marktes für das nächste Jahrzehnt gerecht zu werden“, heißt es in der Mitteilung.

Das technologische Upgrade werde die produzierten Mengen von Flüssigprodukten in Perm verdoppeln und die Lagerkapazitäten um 30 Prozent erhöhen.

„Henkel bekennt sich langfristig zu Russland“

Henkel investiert in sein Werk in Perm

V.l.n.r: Stefan Friedrich Keil (Generalkonsul der Bundesrepublik Deutschland in Jekaterinburg), Sergey Bykovskih (Präsident Henkel Russland), Viktor Basargin (Gouverneur der Region Perm), Günter Thumser (Präsident Henkel CEE), Dirk Holbach (Corporate Senior Vice President International Supply Chain Laundry & Home Care bei Henkel) und Sergey Yakushkin (Leiter des Henkel-Werks in Perm) drücken symbolisch den Startknopf für die Inbetriebnahme. © Henkel (+Titelbild)

Günter Thumser (4. von links auf dem Bild), Präsident von Henkel für Zentral- und Osteuropa (CEE) sagte: „Durch die Eröffnung unseres erweiterten automatisierten Logistikzentrums und der neuen Produktionsanlage in Perm – einer der wichtigsten Regionen für uns – sind wir näher an unseren Kunden und Konsumenten und können unsere Aktivitäten und Produkte besser auf ihre Bedürfnisse und Marktanforderungen anpassen. Russland ist ein sehr wichtiger Markt für Henkel und unsere kontinuierlichen Investitionen sind ein Zeichen für unser langfristiges und klares Bekenntnis zu Russland.“

Henkel ist seit 25 Jahren in Russland vertreten. Seit 1990 eröffnete Henkel Russland neun Werke im Land. In 15 Büros arbeiten rund 2.800 Mitarbeiter. In den letzten 10 Jahren hat Henkel mehr als 290 Millionen Euro in Russland investiert.

Henkels Russlandgeschäft verlief aber nicht immer reibungslos

Das Bekenntnis zu Russland ist auch vor dem Hintergrund der Schwierigkeiten zu sehen, die das Unternehmen im Sommer 2015 mit russischen Behörden hatte (Ostexperte.de berichtete).

Die russische Verbraucherschutzbehörde Rospotrebnadsor stellte damals bei Laboruntersuchungen einiger Produkte Verstöße gegen die Schadstoffbestimmungen fest. Einige große russische Händler nahmen daraufhin die Artikel des deutschen Haushaltschemie-Herstellers Ende August vorsorglich aus dem Sortiment.

Neben Waschmittel-Produkten von Henkel waren auch Produkte des deutschen Unternehmens Werner & Mertz sowie Procter & Gamble, Colgate-Palmolive und weitere ausländische Marken betroffen.

Henkel erklärte damals, alle angebotenen Wasch- und Reinigungsmittel in Russland hätten das staatliche Registrierungszertifikat erhalten. Man suche den Kontakt zu den Behörden, um den Hintergrund des Verkaufsstopps zu verstehen.

Die Behörde reagierte allerdings lange nicht auf die Kontaktaufnahme des Unternehmens. Aus Kreisen der deutschen Wirtschaft wurde das als sehr problematisch gesehen. So sei Henkel zunächst nicht die Möglichkeit gegeben worden, auf die Vorwürfe zu reagieren und etwaige Maßnahmen zu ergreifen.

Die Deutsch-Russische Auslandhandelskammer bezeichnete das Vorgehen in einer Pressemitteilung sogar als „Protektionismus“. „Es erscheint wenig glaubwürdig, dass Unternehmen, die in einigen hundert Ländern der Welt handeln, nur in Russland die Anforderungen an Qualitäts- und Verbraucherschutz nicht erfüllen“, sagte Rainer Seele, der Präsident der AHK Moskau.

Auf Anfrage von Ostexperte.de hieß es bei Henkel im Oktober 2015 dann aber: „Wir stehen in Kontakt mit den Behörden vor Ort.“ Betroffen seien nur vier Produkte:

  • „Vernel Fresh Spring” (Weichspüler)
  • „Persil Expert Sensitive“ (Waschmittel)
  • „Persil Expert Colour“ (Waschmittel)
  • „Pemos Kids“ (Reiniger).

Die Auswirkungen des Verkaufsstopps seien daher gering, hieß es: „Wir erwarten keine nennenswerte Auswirkungen auf den Umsatz unseres Russlandgeschäfts. Auch die Produktion in Russland läuft normal“, sagte eine Sprecherin des Unternehmens gegenüber Ostexperte.de.

Mit der Erweiterung seines Werks in Perm setzt Henkel nun ein Zeichen dafür, dass diese Episode keine Auswirkungen auf sein Russlandgeschäft hat.

Fotoquelle

Quelle:

Bilder: Pressebilder von Henkel

Simon Schütt
Über den Autor

war von September 2015 bis September 2016 Chefredakteur bei Ostexperte.de.

Derzeit arbeitet er bei der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer. Bevor er zu Ostexperte.de kam, war er Redakteur der Moskauer Deutschen Zeitung. Dort schrieb er vor allem für das Wirtschafts-, das Digital- und das Moskau-Ressort.

Der Berliner hat in Wien Publizistik- und Kommunikationswissenschaft studiert und dort bei der Österreich-Ausgabe des Werbe-, Marketing- und Medien-Fachmagazins Horizont gearbeitet.