Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Rufil Russia Consulting

Thorsten GutmannVon

Alibaba und Mail.Ru planen Joint-Venture in Russland

Der chinesische E-Commerce-Gigant Alibaba Group, der russische Internetkonzern Mail.Ru Group und der Russische Fonds für Direktinvestitionen (RDIF) wollen ein Joint-Venture in Russland gründen. Die Verhandlungen seien in einem „fortgeschrittenen Stadium“, berichtet die Wirtschaftszeitung Wedomosti unter Berufung auf Insider.

Bereits Ende 2017 hatte RDIF-Chef Kirill Dmitrijew über eine mögliche Zusammenarbeit zwischen Alibaba und Mail.Ru gesprochen. Man wolle gemeinsam in die IT-Infrastruktur investieren. Zudem seien weitere Projekte mit internationalen Partnern geplant: „Wir haben führende Experten aus China, Japan, Singapur, Europa und den Arabischen Emiraten eingeladen.“ Gemeinsam wolle man die staatliche Initiative zur Förderung der Digitalwirtschaft vorantreiben, so Dmitrijew. Laut Medienberichten führe Alibaba auch Gespräche mit anderen russischen Unternehmen wie der staatlichen VTB-Bank.

Zur Alibaba Group zählen mehrere Handelsplattformen wie die B2B-Plattform Alibaba.com und das Online-Auktionshaus Taobao. In Russland dagegen ist der Konzern mit der Online-Einzelhandelsplattform AliExpress vertreten. Auf dem russischen Markt gilt AliExpress als eine der wichtigsten E-Commerce-Portale. Nach Angaben des russischen Verbandes der Internethändler (AKIT) entfallen 52% aller Auslandsbestellungen auf China, davon 60% auf AliExpress. Kürzlich hat Alibaba zudem die Handelsplattform Tmall in Russland gestartet. Auch ein Pilotprojekt von Taobao wird durchgeführt.

Digitale Seidenstraße

Das geplante Joint-Venture sei eine „wichtige Investition“ und Teil der von China angestrebten „digitalen Seidenstraße“, zitiert die Financial Times einen russischen Gesprächspartner. Alibaba-Manager Jack Ma hatte Russland in den vergangenen Jahren mehrfach besucht und mit Präsident Wladimir Putin über den Digitalsektor gesprochen. Der chinesische Konzern wolle sich an der Entwicklung des Landes beteiligen, hieß es damals. Die Investitionshöhe ist nicht bisher bekannt, aber Experten gehen von „ambitionierten“ Plänen aus.

Seit Einführung der westlichen Russland-Sanktionen im Jahr 2014 hat Moskau seine wirtschaftlichen Beziehungen zu China verstärkt. Auch Alibaba sieht Russland als Wachstumsmarkt, weil US-Konkurrenten wie Amazon dort kaum präsent sind. Chinas Wirtschaft erhält Rückendeckung von der Regierung in Peking, die an Investitionen in die IT-Infrastruktur im Ausland interessiert ist. Vor allem in Südostasien, zum Beispiel in Indonesien, investiert China massiv in den Digitalsektor.

Titelbild

Quelle: testing | Shutterstock.com

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Thorsten Gutmann
Über den Autor

Thorsten Gutmann war von September 2016 bis Dezember 2018 Chefredakteur der unabhängigen Nachrichtenseite Ostexperte.de in Moskau. Derzeit arbeitet er als Nachrichtenchef bei der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK). Bevor er zu Ostexperte.de kam, war er u. a. für die Moskauer Deutsche Zeitung und die Berliner Zeitung tätig. Im Jahr 2017 gründete er die RUSummit – Fachkonferenz zur Digitalwirtschaft in Russland mit dem Ziel, den deutsch-russischen Wirtschaftsdialog zu fördern.