Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Dominik KalusVon

Hoffnung auf beiden Seiten Ukraine als „Elefant“ im Raum

Die meisten Teilnehmer und Beobachter sind sich einig: das deutsch-russische Gesprächsforum „Petersburger Dialog“ war ein Erfolg. Es darf auf bessere Beziehungen gehofft werden – trotz bleibender Differenzen.

„Es wird wärmer zwischen Deutschland und Russland“, beschreibt die Deutsche Welle die Beziehung zwischen den beiden Ländern. Autor Roman Goncharenko bezeichnet die Atmosphäre auf dem Petersburger Dialog als „freundlich, sachlich und konstruktiv“. 300 Vertreter aus Deutschland und Russland waren in Bonn und Königswinter zusammengekommen, darunter die jeweiligen Außenminister Heiko Maas und Sergej Lawrow. „Wir haben unser gegenseitiges Engagement für eine verstärkte Zusammenarbeit in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung, Kultur und humanitäre Hilfe bekräftigt“, ließ das russische Außenministerium in einer Twitter-Meldung verlauten.

Russland.News zufolge war auch die Wortwahl der beiden Chef-Diplomaten wohlwollend: Als „lieber Sergej“ und „Freund Heiko“ sollen sich die Außenminister bezeichnet haben. Das Portal zitiert außerdem den außenpolitischer Sprecher der Partei DIE LINKE, der die „von Anfang an konstruktive Atmosphäre“ und „das Bemühen um gegenseitiges Verstehen“ lobte.

In russischen Medien stößt die im Vorfeld formulierte Idee der Visa-Erleichterungen für junge Russen und Deutsche auf Anklang. „Je weiter die Visa-Bestimmungen gelockert werden, desto mehr Personen aus beiden Ländern werden sich näherkommen können”, zitiert die Nachrichtenagentur TASS das auf der Konferenz veröffentlichte Memorandum.

Konzentrieren auf Gemeinsamkeiten

Mehrfach hervorgehoben wird in den Medien die Eröffnungsrede von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet. Der CDU-Politiker hatte sich für die „Hand zur Versöhnung“ bedankt, die Russland den Deutschen trotz den Schrecken des Zweiten Weltkriegs gereicht habe, und dafür zustimmenden Beifall erhalten. „Man darf Probleme nicht überdecken“, sagte Laschet im Anschluss der Deutschen Welle, „aber man muss neben aktuellen Diskussionen, die da sind, die Gemeinsamkeiten versuchen mit Leben zu erfüllen“.

Die Probleme ganz zu überdecken ist ohnehin schwer möglich, wie DW-Autor Goncharenko nahelegt: Im Artikel ist von einem „weißen Elefanten im Raum“ die Rede  die Ukraine. Die im Zuge der Krise gegen Russland verhängten Sanktionen belasten das Verhältnis, woran russische Medien im Anschluss des Treffens erinnerten. Verschiedene Politiker hatten sich im Vorfeld deutlich für die Sanktionen positioniert, darunter die jüngst zur EU-Kommissionspräsidentin ernannte Ursula von der Leyen. Auf die Frage, wie Russland deren Ernennung bewerte, antwortete Lawrow: „Zeigen Sie mir jemanden, der nicht kritisch Russland gegenübersteht“.

Dennoch waren beide Außenminister auf Kooperationskurs. Der russische Kommersant zitiert zwei wohlmeinende Aussagen: „Auf der Welt gibt es keine zwei Länder, die in jedem Punkt miteinander übereinstimmen“, sagte Lawrow. Und Maas schloss sich an: „Es ist besser, sich auf Bereiche zu fokussieren, in welchen Fortschritt möglich ist“.

Fotoquelle

Titelbild: Der russische Außenminister Sergej Lawrow Foto: Alexandros Michailidis / Shutterstock.com (Bearbeitet durch Ostexperte.de)

Dominik Kalus
Über den Autor

hat in Passau und Breslau Internationale Politik und Journalismus studiert. Nach einem Praktikum bei der Süddeutschen Zeitung verschlug es ihn nach Moskau, wo er für die Nachrichtenplattform Ostexperte.de und die Moskauer Deutsche Zeitung schrieb. Seit Oktober 2019 ist er redaktioneller Leiter von Ostexperte.de.