Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Rufil Russia Consulting

Klaus DormannVon

Wirtschaftsdaten nach unten korrigiert

Die russische Statistikbehörde Rosstat machte in der letzten Woche erneut negative Schlagzeilen. Der von ihr am Mittwoch veröffentlichte Anstieg der Industrieproduktion um fast 5 Prozent wurde bezweifelt. Rosstat stellte Fehler fest und musste die Angaben zur Erdgas- und Erdölförderung stark korrigieren.

Am vergangenen Mittwoch (22. Mai) hatte das Statistikamt seinen monatlichen Bericht zur Entwicklung der Industrieproduktion veröffentlicht. 4,9 Prozent habe das Wachstum der Industrie im April im Vergleich zum Vorjahresmonat betragen, teilte es mit. Von Reuters befragte Analysten hatten nur mit einem Anstieg von 1,5 Prozent gerechnet.

Noch am gleichen Tag veröffentlichte das russische Wirtschaftsministerium auf der Basis der Rosstat-Daten seine monatliche Analyse zur Produktionsentwicklung in der Industrie. Mit einer Abbildung demonstrierte das Ministerium, dass nicht nur das Wachstum der gesamten Industrie im April mit 4,9 Prozent erheblich stärker war als im ersten Quartal (+ 2,1 Prozent). Die Grafik zeigt auch, dass sich das Wachstum in allen Hauptbereichen der Industrie, darunter auch im „Verarbeitenden Gewerbe“, im April stark beschleunigte.

Der kräftige Anstieg der Industrieproduktion war auch uns einen Bericht wert. Er erschien am Freitag. Zur Erinnerung an die von Monat zu Monat stark schwankenden Wachstumsraten der Industrieproduktion überschrieben wir ihn „Russlands Wachstumshoffnung auf der Achterbahn der Statistik“.

Rasche Revision der Industrieproduktion nach Presse-Kritik

Entgangen war uns allerdings, dass Rosstat am Donnerstag wichtige Angaben in seinem Bericht kräftig nach unten revidieren musste. Laut den neuen Berechnungen der Statistiker erreichte das Wachstum der gesamten Industrieproduktion im April aber immer noch 4,6 Prozent.

Russische Journalisten hatten die erste Rosstat-Veröffentlichung am Mittwoch unter die Lupe genommen. Dabei war der Kommersant-Redaktion vor allem aufgefallen, dass die Erdgasförderung im April laut Rosstat im Vergleich zum Vorjahresmonat um 16,0 Prozent gestiegen sein sollte. Vom „Central Dispatching Office of the Fuel and Energy Complex“ war zuvor hingegen berichtet worden, sie sei nur 3,5 Prozent höher gewesen.

Rosstat meldete falsche Zahlen zur Erdgas- und Erdölförderung

Rosstat ging den kritischen Fragen nach und erklärte noch am Donnerstag, eine Fördergesellschaft auf der Jamal-Halbinsel habe falsche Angaben zur Erdgasförderung gemacht. Das Statistikamt veröffentlichte dazu auf seiner Nachrichten-Seite im Internet folgende Erklärung (automatische Google-Übersetzung; Auszug):

„An internal investigation revealed that one of the mining companies in the Yamalo-Nenets Autonomous District provided inaccurate data to the territorial body of state statistics. This led to the fact that the data on the dynamics and volumes of natural gas production, as well as the index of industrial production indicated in the publication were calculated incorrectly.

In connection with this situation, an internal investigation is being conducted, and the reasons for which it became possible will be eliminated.“

Rosstat entschuldigte sich für die Fehler. Die Behörde ersetzte ihren ersten Bericht zur Industrieproduktion vom Vortag durch einen neuen Bericht.

Auf der „Statistik-Achterbahn“ ging es am Donnerstag runter

Im neuen Bericht zeigt sich, dass nicht nur die Angaben zur Erdgasförderung, sondern auch die Daten zur Erdölförderung, die auch die Produktion von Erdgaskondensat umfassen, sehr stark revidiert wurden.

  • Den Anstieg der Erdgasförderung im April wies Rosstat nicht mehr mit 16,0 Prozent, sondern nur noch mit 2,6 Prozent aus. Für die ersten vier Monate errechnete Rosstat jetzt eine Steigerung um 3,6 Prozent statt bisher 6,9 Prozent.
  • Die Produktion von Erdöl und Erdgaskondensat ist im April nicht wie zunächst angegeben um 7,4 Prozent gestiegen, sondern nur um 2,5 Prozent. In den ersten vier Monaten war sie 3,5 Prozent höher, nicht 4,5 Prozent.

Für den gesamten Branchen-Bereich „Bergbau, Förderung fossiler Rohstoffe“ ergab sich damit auch eine beträchtliche Änderung. Seine Produktion stieg im April nicht wie zunächst angegeben um 6,0 Prozent, sondern nur um 4,2 Prozent. Und in den ersten vier Monaten war sie nicht 5,1 Prozent höher, sondern nur 4,6 Prozent.

Betrachtet man die Zahlen zur Entwicklung der gesamten Industrieproduktion in den ersten vier Monaten, schlugen diese Revisionen aber nicht durch. Rosstat blieb dabei, dass die Produktion der Industrie insgesamt im Zeitraum Januar bis April 2,8 Prozent höher war als vor einem Jahr.

Das Wirtschaftsministerium beließ (bisher) seinen Bericht vom Mittwoch zu den ersten von Rosstat veröffentlichten Daten zur Industrieproduktion unverändert auf seiner Internet-Seite. Am Freitag berichtete das Ministerium jedoch in seinem monatlichen Bericht „Bild der Wirtschaftsaktivität“ auch über die Revision der Industrieproduktion.

Dmitry Dolgin, Chef-Volkswirt Russland der ING, veröffentlichte in einem Kommentar zu dem von Rosstat am Freitag veröffentlichten Bericht „Sozio-ökonomische Lage in Russland“ die folgende Abbildung, die auch die kräftigen Schwankungen der monatlichen Wachstumsraten der Industrieproduktion zeigt.

Industrieproduktion, Bauproduktion und Kreditaufnahme von Unternehmen

Chart-Adresse: https://think.ing.com/uploads/charts/_w800/Producer_trends_April_2019.png Quelle: Dmitry Dolgin (ING): Russia: consumption growth continues to decelerate in April; 24.05.2019

Über die Revision der Industrieproduktion berichtete auch der Fernsehsender Rossija 24. Ein Video (mit Stellungnahmen von Wirtschaftsminister Oreschkin und Rosstat-Chef Malkov) stellte Vestifinance.ru bereit.

Fotoquelle

Titelbild: AnemStyle / Shutterstock.com

Quellen und Lesetipps:

Nach der Revision:

Vor der Revision:

Klaus Dormann
Über den Autor

war von 1980 bis 2015 Mitarbeiter der volkswirtschaftlichen Abteilung der Ruhrgas AG und der E.ON SE.