Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Rufil Russia Consulting

Klaus DormannVon

Neues zur Wachstumsentwicklung in Russland

Wie entwickelt sich die gesamtwirtschaftliche Produktion in Russland? Am Jahresende gab es neue Einschätzungen, wie stark sich die Rezession im Jahr 2016 abgeschwächt hat. Es wurden auch neue Prognosen für die erwartete langsame Erholung bis 2018 veröffentlicht. Außerdem revidierte das Statistikamt seine bisherigen Berechnungen für 2015 kräftig.

2016 sank das Bruttoinlandsprodukt wohl um 0,5 bis 0,6 Prozent

Nachdem die Ergebnisse wichtiger Branchen für die ersten elf Monate vorlagen, hob das Wirtschaftsministerium seine Schätzung für den Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Produktion im Jahr 2016 Ende Dezember von 0,6 auf 0,5 Prozent an. Analysten-Umfragen lassen ebenfalls eine Abschwächung der Rezession auf 0,6 Prozent bis 0,5 Prozent erwarten. Auch der IWF, die Weltbank und die EBRD rechneten in ihren jüngsten Prognosen im November nur noch mit einem Produktionsrückgang um 0,6 Prozent.

In Deutschland haben Mitte Dezember das ifo Institut, das IfW Kiel, das DIW Berlin und das IWH Halle neue Einschätzungen der russischen Konjunktur veröffentlicht. Während die Ende September vorgelegte „Gemeinschaftsdiagnose“ der Institute für 2016 noch einen Rückgang um 0,8 Prozent erwartete, rechnen die Institute jetzt alle 2016 mit einem schwächeren Rückgang (- 0,4 Prozent bis – 0,7 Prozent).

Das Statistikamt Rosstat wird am 02. oder 03. Februar seine erste Schätzung für die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2016 veröffentlichen.

Wachstumsprognosen bis 2018: meist nur langsame Erholung erwartet

Ihre Prognosen für 2017 hoben DIW, IfW, und IWH an. Sie halten jetzt einen Anstieg um 1,2 bis 1,5 Prozent für wahrscheinlich. Nur das ifo Institut rechnet lediglich mit einer Erholung um 0,8 Prozent.

Analysten-Umfragen lassen für 2017 ebenfalls eine langsame Erholung der gesamtwirtschaftlichen Produktion um 1,1 bis 1,2 Prozent erwarten. Die im November veröffentlichten Prognosen internationaler Wirtschaftsorganisationen reichen von 0,6 Prozent (EU-Kommission) bis 1,5 Prozent (Weltbank).

Das Ende Oktober von der Regierung verabschiedete und der Haushaltsplanung zugrunde gelegte Basisszenario der Regierung veranschlagt das Wachstum im Jahr 2017 nur auf 0,6 Prozent. Angenommen wird dabei ein Ölpreis von lediglich 40 Dollar/Barrel. Nachdem der Ölpreis inzwischen aber über 50 Dollar gestiegen ist, haben Regierungsmitglieder erkennen lassen, dass sie mit stärkerem Wachstum rechnen. Finanzminister Siluanov sagte in einem Interview, die Regierung erwarte, dass die Wachstumsrate mit 1,0 bis 1,2 Prozent fast doppelt so hoch sein dürfte wie im Basisszenario angenommen werde. Der neue Wirtschaftsminister Oreshkin meinte in einem Interview mit der Zeitung Kommersant sogar, dass er im zweiten Halbjahr 2017 ein Wachstum von 2 Prozent erwarte.

Erste Prognosen für 2018 gehen meist nur von einer leichten Beschleunigung des Wachstums aus. Laut Umfrage von FocusEconomics sind 1,6 Prozent zu erwarten. Höhere Wachstumsraten halten unter anderem die Commerzbank (+ 2,0 Prozent) und die Berenberg Bank (+ 2,5 Prozent) 2018 für möglich.

Prognosen gesamtwirtschaftliche Produktion in Russland

Schätzung des Bruttoinlandsprodukts, real gegenüber dem Vorjahr, angegeben in Prozent (Stand: 10. Januar 2017).
InstitutDatum201620172018
Reuters-Umfrage (laut EconMin)2016/01/10-0,51,2
Commerzbank, Frankfurt2017/01/06-0,61,32,0
Berenberg Bank, Hamburg2017/01/05-0,51,62,5
FocusEconomics Consensus Forecast2016/12/30-0,61,21,6
Wirtschaftsministerium2016/12/27-0,5
Zentralbank,
Basis-Szenario
2016/12/22- 0,5 bis -0,7 (41 $/b)0,5 bis 1,0 (40 $/b)1,5 bis 2,0 (40 $/b)
Raiffeisen Bank International, Wien2016/12/21-0,51,01,5
Consensus laut RBI2016/12/21-0,61,21,5
Danske Bank, Kopenhagen2016/12/19-0,61,21,4
Ifo Institut München2016/12/16-0,50,81,5
DIW Berlin2016/12/15-0,71,21,9
IfW Kiel2016/12/15-0,61,21,7
IWH Halle2016/12/14-0,41,52,0
OPEC2016/12/14-0,60,8
Economist Intelligence Unit, London2016/12/14-0,60,81,2
Economist-Umfrage2016/12/10-0,51,2
Deka Bank, Frankfurt2016/12/07-0,81,1
IWF2016/11/29-0,61,1
OECD, Paris2016/11/28-0,80,81,0
SEB, Stockholm2016/11/22-0,61,01,5
WIIW, Wien2016/11/10-0,80,81,8
EU-Kommission2016/11/09-1,00,60,8
Weltbank2016/11/09-0,61,51,7
EBRD, London2016/11/03-0,61,2
Wirtschaftsministerium,
Basis Plus-Szenario
; Duma-Vorlage
2016/10/28-0,6 (41$/b)1,1 (48$/b)1,8 (52$/b)
Wirtschaftsministerium,
Basis-Szenario
; Duma-Vorlage
2016/10/28-0,6 (41$/b)0,6 (40$/b)1,7 (40$/b)

http://www.factosphere.com bietet ständig aktualisierte Hinweise auf Prognosen

Revision für 2015: Wirtschaft schrumpfte nur um 3,0 Prozent

Am 30. Dezember hat das russische Statistikamt Rosstat seine dritte Schätzung für das Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2015 veröffentlicht. Der Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Produktion war danach mit – 3,0 Prozent deutlich schwächer als bisher berechnet (-3,7 Prozent).

BOFIT, das Forschungsinstitut der finnischen Zentralbank, gibt zur Senkung der russischen „Rezessionsrate“ folgende Hinweise: Von der Verwendungsseite des Bruttoinlandsprodukts betrachtet dürfte die Hauptursache für die Revision sein, dass der private Verbrauch 2015 nicht um 9,5 Prozent, sondern wohl etwas weniger als 9 Prozent gesunken ist. Außerdem gab es auf der Verwendungsseite Veränderungen bei den „statistischen Differenzen“. Auf der Entstehungsseite war insbesondere die Produktionsentwicklung in den Sektoren „Handel“, „Bauwirtschaft“ und „Öffentliche Verwaltung“ dafür maßgeblich, dass die Rezession 2015 schwächer ausfiel als bisher berechnet wurde.

Vedomosti berichtete laut Pressemeldungen, dass bei der Revision jetzt die Wachstumsbeiträge der öffentlichen Verwaltung und des Militärsektors höher veranschlagt wurden. Hintergrund dafür sei höchstwahrscheinlich eine Steigerung der Produktion für die Beteiligung Russlands am Krieg in Syrien gewesen. Factosphere.com wies uns darauf hin und teilte uns mit, Factosphere.com werde darüber voraussichtlich noch in dieser Woche ausführlicher berichten.

Auch wenn der Produktionsrückgang in den Jahren 2015 und 2016 nicht so scharf war wie bisher angenommen – er wird sich bis zur Präsidentenwahl im Jahr 2018 nach überwiegender Meinung kaum wettmachen lassen. Und gemessen an den vor der Weltfinanzkrise in Russland erreichten Wachstumsraten sind die Perspektiven schwach.

Wachstumsprognosen 2017 und 2018 kaum niedriger als für Deutschland

Andererseits sind die jetzt für Russland erwarteten Wachstumsraten von 1,2 Prozent (2017) und 1,5 Prozent (2018) nicht wesentlich niedriger als die voraussichtlichen Wachstumsraten der deutschen Wirtschaft. Die in der Tabelle aufgeführten deutschen Forschungsinstitute rechnen im Durchschnitt in ihren im Dezember vorgelegten Prognosen 2017 mit einer Abschwächung des Wachstums in Deutschland auf 1,3 Prozent. 2018 erwarten sie auch in Deutschland eine leichte Belebung auf 1,7 Prozent.

Wachstumsprognosen für die deutsche Wirtschaft

Bruttoinlandsprodukt, real; Veränderung gegenüber dem Vorjahr in Prozent
InstitutDatum201620172018
Durchschnitt1,851,31,7
RWI Essen2016/12/151,81,21,6
ifo Institut, München2016/12/161,91,51,7
IfW Kiel2016/12/151,91,72,0
DIW, Berlin2016/12/141,81,21,6
IWH, Halle2016/12/141,91,31,5
HWWI Hamburg2016/12/061,81,11,6

Dow Jones: Prognose-Übersicht: BIP-Entwicklung Deutschland; 20.12.2016
BDA: Prognosen des Bruttoinlandsprodukts 2017 und 2018; 20.12.2016

Quellen

Russisches Wirtschaftsministerium: Macro: Economic Monitoring; Wochen- und Monatsberichte

Kommersant: Interview mit Wirtschaftsminister Maxim Oreshkin zu Aufgaben des Ministerium: „You can make a big step forward to increase the proportion of the white economy“; 08.01.2017

BOFIT Weekly: New data show distinctly milder recession in Russia than earlier reported; 05.01.2017

Ricardo Aceves: Economy continues to show signs of emerging from downturn; FocusEconomics, 30.12.16

TASS: Russia’s GDP growth in 2017 may be two times above formal outlook Siluanov said; 28.12.16

Russische Zentralbank: Wirtschaftsbericht Dezember 2016; russisch; 27.12.2016

Wirtschaftsministerium: Wochenbericht; 26.12.2016 (mit BIP-Schätzung Januar-November)

Kenneth Rapoza: Russia’s Economy Goes Out With A ‚Bang‘; Forbes, 26.12.2016

World News: Between recession and growth: Russian economy 2016; 26.12.2016

Marina Karpova (RBTH): Real income in Russia falls by over 12% in 2 years; 23.12.2016

Sergei Aleksachenko: The Worst Is Yet To Come for Russia’s Economy; IMR, 23.12.2016

Raiffeisen Bank International: Central & Eastern European Strategy; 21.12.2016

Berenberg Bank: Wirtschaft und Finanzmärkte – Ausblick 2017; 19.12.2016

Rosstat-Monatsbericht November: Sozio-ökonomische Lage in Russland, 19.12.2016

World Bank: Russia Monthly Economic Developments; 16.12.2016

Andreas Schwabe (RBI Wien): Wirtschaftsprognose 2017: Verhalten positiv; MDZ, 08.12.2016

Nikola Stephan (DekaBank): Russland: Wirtschaft auf Erholungskurs – OPEC hilft; 07.12.2016

Titelbild

Quelle: kremlin.ru

Klaus Dormann
Über den Autor

war von 1980 bis 2015 Mitarbeiter der volkswirtschaftlichen Abteilung der Ruhrgas AG und der E.ON SE.