Patrick VolknantVon

Investitionen aus China: IG Metall mahnt zur Vorsicht

Die Gewerkschaft IG Metall hat vor Übernahmen deutscher Hightech-Firmen durch chinesische Investoren gewarnt. Sie fürchtet vor allem um deutsche Schlüsseltechnologien und Arbeitsrechte. Dies berichtet Heise.de.

Vor mittlerweile zwei Jahren wurde das Augsburger Unternehmen Kuka von einem chinesischen Investor, dem Midea-Konzern, übernommen. Der Großaktionär hält seitdem 95 Prozent an der deutschen Firma, die ihr Geld mit dem Bau von Robotern verdient. Auch weil Kukas Robotik-Anlagen von großer Bedeutung für den Industriestandort Deutschland sind, wurde der Einstieg des Geldgebers mit Sorge betrachtet.

Kuka-Boss Reuter ohne Bedenken

Anleger sehen die Aktie des Roboterbauers derzeit unter Druck. Im Gespräch mit dem Bayrischen Rundfunk, das die Midea-Manager verweigerten, freut sich Kuka-Chef Till Reuter dennoch über den chinesischen Partner: „Kuka ist zu 50 Prozent beteiligt und hat den Vorsitz im Directors Board. China ist schon heute der größte Markt für Industrieroboter. Wir werden über das Joint Venture bis 2024 und 75000 Roboter produzieren.“ Im März hatten beide Unternehmen beschlossen, den chinesischen Markt durch drei gemeinsame Joint Ventures noch weiter zu erschließen. Man befinde sich auf dem Weg, die Nummer eins in China zu werden, so Reuter.

Für die IG Metall ist der Fall Kuka vor allem ein Beispiel dafür, wie von China aus deutsche Schlüsseltechnologien weggekauft werden. „Dahinter steckt eine strategische Ausrichtung Chinas“, meint Wolfgang Lemb, das geschäftsführende Vorstandsmitglied der Gewerkschaft. Chinesische Investoren befänden sich auf Einkaufstour und bisher lasse die Politik eine nötige Gegenstrategie vermissen.

IG Metall sieht Politik unter Zugzwang

Ein wünschenswerter Schritt wäre es beispielsweise, die bisherige Schwelle für ein mögliches Investitions-Veto des Wirtschaftsministeriums von 25 Prozent auf 10 Prozent zu senken, so Lemb. Anders als vor zwei oder drei Jahren habe die IG Metall laut Lemb inzwischen erkannt, dass chinesische Investoren die Zusammenarbeit mit den Betrieben erschweren. So habe die Gewerkschaft immer wieder beobachtet, wie in entsprechenden Unternehmen mitunter die Tarifbildung zusätzlich erschwert und das Mitspracherecht eingeschränkt worden sei.

Auch Michael Leppek, erster Bevollmächtigter der IG Metall Augsburg und zugleich stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats bei Kuka, sieht Handlungsbedarf: „Ich glaube, die Politik muss handeln, muss sich überlegen, was sie will. Was schlecht funktioniert ist, wenn man das den einzelnen Firmen, Gewerkschaften oder Betriebsräten überlässt, da etwas zu tun.“ Klar sei: „Wenn wir unser Knowhow nicht schützen, dann werden wir langfristig Arbeitsplätze verlieren. Das darf nicht passieren.“

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Quelle: plavevski / Shutterstock.com

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Patrick Volknant
Über den Autor

ist Autor bei Ostexperte.de.

Der freie Journalist studierte Germanistik und Philosophie in Freiburg und Leipzig.