Bildungsurlaub in Russland – Ziele und Möglichkeiten

Wie geht Bildungsurlaub in Russland?

Bildungsurlaub ist kein Urlaub im klassischen Sinne. Er dient vielmehr der allgemeinen, beruflichen und politischen Weiterbildung. Als weitere Bezeichnungen sind Bildungsfreistellung und Bildungszeit gebräuchlich. Der Staat fördert mit der Bildungszeit die Initiative von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zum lebenslangen Lernen. Ein Bildungsurlaub in Russland ist für Menschen interessant, die das Land kennenlernen und die Sprache erlernen möchten.

Was ist ein Bildungsurlaub?

Der Bildungsurlaub ermöglicht es Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, sich an fünf Tagen im Jahr in einem beliebigen Bereich weiterzubilden. Er steht ihnen zusätzlich zu den tariflich vereinbarten Urlaubstagen zu. Die Bildungszeit kann bei Bedarf auch in zwei aufeinanderfolgenden Jahren zu zehn Tagen zusammengefasst werden.

Die Kosten für den Bildungsurlaub teilen sich Arbeitgeber (Lohnfortzahlung) und Arbeitnehmer/-in (Seminarkosten). Anders als bei der betrieblichen Weiterbildung können Arbeitnehmer/-innen die Inhalte beim Bildungsurlaub selbst wählen.

Der Bildungsurlaub wird in Gesetzen der Bundesländer geregelt. In Bremen gilt beispielsweise das Bremische Bildungszeitgesetz (BremBZG), in Berlin das Berliner Bildungszeitgesetz (BiZeitG) und in Niedersachsen das Niedersächsische Bildungsurlaubsgesetz (NbildUG).

Je nach Bundesland weichen die Voraussetzungen für die Anerkennung der Kurse, der zeitliche Umfang und der Personenkreis der Anspruchsberechtigten voneinander ab. Mit Ausnahme von Sachsen und Bayern hat jedes Bundesland ein eigenes Gesetz für die Bildungszeit. Welches Gesetz für Arbeitnehmer/-innen gilt, hängt davon ab, in welchem Bundesland sich ihre Arbeitsstelle befindet.

Wer hat Anspruch auf Bildungsurlaub?

Bildungszeit bedeutet auch: Arbeitnehmer-Weiterbildung. Der Bildungsurlaub richtet sich also an Arbeitnehmer/-innen. Diese werden von ihrem Arbeitgeber zum Zwecke der Weiterbildung von der Arbeit freigestellt. Damit hebt sich der Bildungsurlaub von der klassischen beruflichen Weiterbildung ab. Hier gibt es ebenfalls zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten für Arbeitnehmer/-innen. Die Weiterbildungsseminare laufen zumeist aber parallel zum Job, zum Beispiel online oder über Abendkurse.

Können auch Hausfrauen und -männer, Rentner/-innen oder Student/-innen Bildungsurlaub nehmen? Theoretisch können sie das. Auch wenn diesen Personengruppen eine Freistellung natürlich nichts bringt, sind auch sie fast immer als Seminarteilnehmer/-innen willkommen. Dies haben alle Ländergesetze gemeinsam. Schwieriger wird es bei Auszubildenden. Diese dürfen zwar ebenfalls Bildungsurlaub nehmen. Zum einen sind die zeitlichen Umfänge je nach Bundesland aber verschieden, zum anderen beschränkt sich die Bildungszeit in diesem Fall auf politische Bildung.

In einigen Bundesländern haben zudem Landes- und Kommunalbeamte Anspruch auf Bildungszeit. Dies trifft aber längst nicht auf alle Länder zu. In diesem Zusammenhang verweisen Bund und Länder auf eigene Regelungen im Bereich Weiterbildung für die Beamten.

Wie wird der Bildungsurlaub in Russland beantragt?

Die Mindestdauer eines Sprachkurses, der als Bildungsurlaub anerkannt wird, beträgt 30 Stunden. Diese teilen sich auf fünf Tage auf, an denen der/die Arbeitnehmer/-in also jeweils sechs Unterrichtsstunden nehmen muss. Alternativ kann er/sie, wie erwähnt, den Anspruch aus zwei Jahren zusammenfassen und somit auch einen zweiwöchigen Kurs besuchen.

1. Sprachkurs auswählen

Zunächst gilt es, einen Russisch-Sprachkurs zu wählen, der im eigenen Bundesland anerkannt ist. Im Zweifelsfall hilft eine Nachfrage beim Anbieter. Wichtig ist außerdem, den Kurs frühzeitig auszuwählen, um sich einerseits einen Platz zu sichern und den Bildungsurlaub andererseits beim Arbeitgeber beantragen zu können.

2. Antrag auf Bildungszeit stellen

Der Antrag beim Arbeitgeber sollte mindestens einen Monat vor Antritt der Bildungszeit gestellt werden. Dieser darf den Antrag des Mitarbeiters/der Mitarbeiterin nicht aus allgemeinen wirtschaftlichen oder betrieblichen Gründen ablehnen. Lehnt der Arbeitgeber den Antrag auf Bildungsurlaub ab, so muss er dies nachvollziehbar und konkret begründen. Gründe können zum Beispiel gleichzeitige Urlaubsansprüche oder Erkrankungen von Kolleginnen und Kollegen sein, die den Betriebsablauf negativ beeinflussen würden.

3. Bildungszeit nutzen

Wurde der Antrag vom Arbeitgeber genehmigt, steht dem Bildungsurlaub nichts mehr im Wege. Die notwendigen Unterlagen zur Reise und zum Programm erhalten die Arbeitnehmer/-innen vom Kursanbieter ihrer Wahl. Am Ende des Sprachkurses erhalten die Teilnehmer/-innen eine Teilnahmebestätigung. Diese ist nach dem Bildungsurlaub beim Arbeiter einzureichen.

4. Weitere Formalitäten beachten

Wer eine Sprachreise nach Russland unternehmen möchte, sollte beachten, dass sich die Einreisebestimmungen kurzfristig ändern können. Deshalb ist es wichtig, sich frühzeitig bei den konsularischen Vertretungen zu informieren. Grundsätzlich sind folgende Formalitäten bei einer Reise in ein großes, geschichtsträchtiges Land wie Russland zu beachten:

  • Für Reisen und Sprachreisen nach Russland besteht für Deutsche die Krankenversicherungspflicht.
  • Der Reisepass muss bei der Einreise mindestens drei Monate gültig sein.
  • Alle Ausländer müssen sich vor der Einreise mit einer Migrationskarte registrieren lassen. Diese wird bei der Einreisepasskontrolle abgestempelt. Sie verbleibt während des Aufenthalts im Pass und muss bei der Abreise wieder abgegeben werden.
  • Ein Sprachreisender, der sich länger als drei Tage in Russland aufhält, muss sein Visum durch sein Hotel oder seinen Bürgen (zum Beispiel die Gastfamilie) bei der örtlichen Polizei registrieren lassen.

Sind alle Formalitäten geklärt, können die Bildungsurlauber ihre Sprachreise nach Russland genießen. Auf dieser gibt es neben dem Erlernen der russischen Sprache unter anderem viel Kultur zu entdecken. Ob in der Architektur, Literatur oder der Komposition – Russland brachte in vielen Bereichen bekannte Künstler hervor, darunter die Komponisten Strawinsky, Rachmaninow und Tschaikowsky oder die Schriftsteller Tolstoi, Puschkin und Gogol. Auch darf ein Besuch der Hauptstadt Moskau, Krönungsstätte des russischen Zaren, auf der Bildungsreise nicht fehlen.

Fazit: Bildungsurlaub in Russland ist für Arbeitnehmer/-innen empfehlenswert

Fünf Tage lernen und neue Kenntnisse erwerben, zu einem selbst gewählten Thema – freigestellt vom Job und unter Weiterzahlung des Gehalts: Das ist Bildungsurlaub beziehungsweise Bildungszeit, und diese steht per Gesetz jeder Arbeitnehmerin und jedem Arbeitnehmer in Deutschland zu. Bei Bedarf lassen sich die fünf Tage auf zehn Tage (Anspruch aus zwei Jahren) erhöhen.

Die Kosten teilen sich Arbeitnehmer/-in und Arbeitgeber. Ein weiterer Vorteil: Bei der Bildungszeit können Arbeitnehmer/-innen die inhaltlichen Schwerpunkte ihrer Fortbildung selbst festlegen. Damit unterscheidet sich die Bildungszeit von klassischen Weiterbildungen. Sprachen-Bildungsurlaube im Ausland gehören zu den beliebtesten Seminaren. Sprachen lernen, wo die Menschen sie sprechen, ist besonders effektiv.

Bildungsurlaube in Russland sind branchenübergreifend gefragt. Dies hat mehrere gute Gründe: Die russische Förderation ist mit 17 Millionen Quadratkilometern immerhin das größte Land der Erde. Allein in Moskau leben rund 13 Millionen Menschen. Auf ihrer Reise entdecken die Sprachreisenden die russische Kultur, lernen das alltägliche Leben kennen und sind in der Lage, innerhalb kurzer Zeit Gespräche auf Russisch zu führen.

Dies ist nicht nur für die eigene Bildung gut, auch der Arbeitgeber profitiert im besten Falle davon. Die russische Sprache gewinnt angesichts der wachsenden wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Russland und Deutschland wieder an Bedeutung. Der Arbeitsmarkt verlangt zunehmend nach Arbeitskräften, die die russische Sprache sprechen. Arbeitnehmer/-innen können ihre Karrierechancen mit einer Bildungszeit in Russland somit deutlich verbessern.

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