Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Dr. Daria Boll-PalievskayaVon

Auf den ersten Blick können Russen für Deutsche unfreundlich und verschlossen wirken. Das liegt unter anderem daran, dass es in Russland nicht üblich ist, fremde Menschen anzulächeln. Einen kurzen Blickkontakt aufnehmen und ein Lächeln andeuten – so geht man in Europa miteinander um. Doch in Russland ist das unverbindliche Lächeln so gut wie unbekannt.

Warum fällt es einem Russen so schwer, einfach nett zu sein, möchte man fragen? Doch seien Sie nicht zu schnell mit Ihrem Urteil. Die Russen sind nicht unfreundlicher oder unhöflicher als die Deutschen. Sie legen nur den Schwerpunkt anders. Und zwar auf die persönliche Ebene.

Wer in Russland fremde Menschen ohne besonderen Grund anlächelt, kann sogar für geistig behindert gehalten werden. „Warum grinst Du wie ein Idiot?“, heißt es im Volksmund. Denn ein Lachen muss vom Herzen kommen, und nicht nur „vorgetäuscht“ oder unverbindlich sein.

Die Russen lieben eben keine Zwischentöne: „Wenn schon lieben, dann von Herzen, wenn schon drohen, dann nicht zum Scherzen,(…) Wenn schon strafen, dann gerecht, Wenn schon feiern, dann bezecht!“, schrieb der Dichter Alexej Tolstoi über den russischen Charakter.

Dazu kommt natürlich, dass viele Menschen in Russland tatsächlich nicht viel zu Lachen haben. Fast jeder hat mit schwerem Alltag und irgendwelcher Willkür zu kämpfen. Und dabei soll man nett lächeln? Die Russen sehen darin keinen Sinn. In modernen Nobelboutiquen wird zwar immer wieder versucht, den Kunden auf „westlicher“ Art zu begrüßen, doch das Lächeln der Verkäufer, wirkt meist sehr künstlich.

Erst sobald sich ein Russe Ihnen öffnet, ändert sich das fundamental. Er kann dann eben von Herzen lachen. Überhaupt wird der Begriff „Erzogenheit“ in Russland anders verstanden und hat wenig mit dem westlichen „guten Ton“ oder der offiziellen Etikette zu tun. Höfliches Benehmen in öffentlichen Verkehrsmitteln, Galanterie den Frauen gegenüber, sowie das Bemühen, für einen „Kulturmenschen“ gehalten zu werden, werden in Russland ganz groß geschrieben.

Dr. Daria Boll-Palievskaya
Über den Autor

studierte in Moskau und Köln neben Philologie und Germanistik auch die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der deutschen und der russischen Kultur.

Heute unterstützt sie als freiberufliche Trainerin und Beraterin für interkulturelle Kommunikation deutsche Unternehmen beim Russlandgeschäft. Gleichzeitig veröffentlicht sie Fachbücher zu diesem Thema. Ihr aktuelles Buch heißt „Russische Frauen: Innen- und Außenansichten“ (Partner-Link).

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