Dr. Daria Boll-PalievskayaVon

Benimmregeln für Russland: Der Umgang mit den russischen Frauen

Bei einem meiner interkulturellen Seminare ist mir ein Teilnehmer durch seine höfliche Art besonders positiv aufgefallen. Er achtete immer darauf, mir Wasser einzuschenken, half mir in den Mantel, machte die Tür für mich auf usw. „Alte Schule, Herr Meyer“, sagte ich anerkennend zu ihm. „Nee“, zwinkerte er mir zu, „russische Freundin.“

Ich will damit nicht sagen, dass alle russischen Männer perfekt erzogen sind. Ganz im Gegenteil, es gibt auch mehr als genug Grobiane in Russland. Doch auch sie sind wie ausgewechselt, wenn es darum geht, eine Frau zu erobern. Galantes Benehmen einer Frau gegenüber ist ein wesentliches Merkmal für Mr. Perfect in Russland. Ein Mann, der eine Dame vorbeilässt oder ihr eine schwere Tasche abnimmt, macht immer Pluspunkte.

Komplimente

Auch eine knallharte russische Geschäftsfrau freut sich von Herzen, wenn ein Geschäftspartner ihr signalisiert, dass er sie anziehend findet. Aber warum freuen sich die russischen Frauen so sehr über Komplimente? „In allen Gesellschaften und Epochen wird vor allem das hochgeschätzt, was rar ist“, meint die Geschlechtsforscherin Swetlana Aivazova. „Die Geschichte Russlands mit seinen unzähligen Kriegen und Revolutionen habe aus Frauen nach den Worten der Dichterin Zwetajewa „verlassene Soldatenfrauen“ gemacht.“ Mehr oder weniger zu allen Zeiten mussten die Russinnen sich über ihre Kräfte anstrengen. So bietet ihnen dieses harmlose Spiel der Galanterie ein Ventil, eine Möglichkeit ihr schweres Los zu vergessen. Angeblich bekommt eine Russin im Laufe ihres Lebens mindestens zehnmal so oft Blumen, wie eine Westeuropäerin. Männer mit Blumensträußen, die auf die Uhr guckend auf die Dame ihres Herzens warten, sieht man in Moskau an fast jeder Ecke.

Der 8. März

Wehe, Sie haben vergessen, Ihren russischen Mitarbeiterinnen, Geschäftspartnerinnen, Freundinnen oder Bekannten zum Internationalen Frauentag zu gratulieren! Das Fest, das eigentlich als der internationale Frauentag für die Rechte der Frau und den Weltfrieden begangen wird und in der Zeit um den Ersten Weltkrieg im Kampf um das Wahlrechtentstand, war schon immer ein offizieller Feiertag in der Sowjetunion. Inzwischen ist der 8. März zu einem kommerzialisierten Feiertag geworden, auf den sich vor allem die Blumenhändler freuen. Doch auch im postsowjetischen Russland wollen viele Frauen nicht auf dieses Fest verzichten. Zumindest an diesem Tag können sie sich mal ganz als Frau fühlen, Komplimente, Gratulationen und Geschenke entgegennehmen.

Weitere Tipps:

  • Nach einem Rendezvous muss die Frau nach Hause bis vor die Haustür begleitet werden. Sollte das nicht möglich sein, wird ein Taxi gerufen und vor den Augen des Fahrers das Nummernschild notiert. Anschließend sollte man die Dame des Herzens zu Hause anrufen und sich erkundigen, ob sie gut angekommen ist.
  • Wenn Sie für eine Frau im Restaurant bezahlen, bedeutet das für Sie als Mann überhaupt nichts und verschafft Ihnen keine Sonderrechte. Denn für Restaurantbesuche gilt die simple Faustregel: Der Mann bezahlt immer.
  • Beim Aussteigen aus öffentlichen Verkehrsmitteln geht der Mann vor und bietet der Frau die Hand an.

Tabus

  • Russinnen mögen es im Allgemeinen nicht, wenn man Ihnen die Hand zur Begrüßung oder zum Abschied reicht. Händeschütteln ist in Russland reine Männersache. Im Geschäftsleben ändert sich dies allerdings langsam. Übrigens, auch laut internationalem Knigge ist es die Dame, die als erste die Hand reicht und nicht der Herr.
  • Ein Mann sollte eine Frau nicht nach dem Weg zur Toilette fragen. Die plumpe Frage „Wo ist denn hier das Klo?“ würde eine russische Dame in Verlegenheit bringen.
  • Man fragt eine Frau nie direkt nach ihrem Alter.
  • Man schenkt nur eine ungerade Zahl an Blumen. Sträuße mit gerader Anzahl von Blumen bringt man nur auf Beerdigungen mit!
  • In der Öffentlichkeit am Tisch ist lautes Naseschnauben absolut tabu.
  • Über persönliche gesundheitliche Probleme, vor allem wenn es um Verdauung, Zähne oder Magen geht, spricht man nicht wenn Frauen anwesend sind.

Daria Boll-Palievskaya: Russische Frauen

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Lesetipp: „Russische Frauen: Innen- und Außenansichten“

Alle Russinnen heißen Natascha und sind per Internet leicht zu haben. Nein, nein, sie sind dick, haben Goldzähne, heißen Babuschka und kommen als KGB Offiziere zur Welt. Über keine anderen Frauen gibt es so widersprüchliche und falsche Vorstellungen wie über russische. Dieses Buch verfolgt das Bild der russischen Frau in der Religion, in der klassischen russischen Literatur bis hin zur kommunistischen Zeit und im modernen Russland.

Warum ist eine russische Geschäftsfrau erfolgreich, eine Oligarchengattin unglücklich und eine Familienmutter berufstätig? Und warum würden sie alle ihr letztes Geld für schöne Kleider ausgeben und schätzen ihre Weiblichkeit höher als ihre Unabhängigkeit? „Russische Frauen. Innen- und Außenansichten“ sucht und findet das wahre Gesicht der russischen Frau im Labyrinth der ewigen Stereotypen und Fremdbilder und räumt mit gängigen Klischees auf.

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Dr. Daria Boll-Palievskaya
Über den Autor

studierte in Moskau und Köln neben Philologie und Germanistik auch die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der deutschen und der russischen Kultur.

Heute unterstützt sie als freiberufliche Trainerin und Beraterin für interkulturelle Kommunikation deutsche Unternehmen beim Russlandgeschäft. Gleichzeitig veröffentlicht sie Fachbücher zu diesem Thema. Ihr aktuelles Buch heißt „Russische Frauen: Innen- und Außenansichten“ (Partner-Link).

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