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Thorsten GutmannVon

Österreich plädiert für Transsib-Verlängerung nach Wien

Der österreichische Verkehrsminister Jörg Leichtfried drängt auf den Ausbau der Transsibirischen Bahn bis Wien. Dies berichten ORF und Standard

Zuletzt ist es still geworden um die Verlängerung der Transsib-Breitspurbahn für Güterverkehr von Košice nach Wien. Jörg Leichtfried (SPÖ) nutzt die mutmaßlich letzten Wochen als Verkehrsminister, um das Thema auf die Agenda zu setzen. Ihm zufolge müsse die Entscheidung für das Bahnprojekt „jetzt“ getroffen werden. Dazu sagte der Politiker:

„Österreich ist das logische Land, wo die Transsib enden soll. Hier kann die Transsib an das hochrangige europäische Eisenbahnnetz, die Schifffahrt und auch den Flughafen Wien angebunden werden.“

Am Freitag hat er in Wien eine Machbarkeitsstudie zur Auslotung wirtschaftlicher Möglichkeiten vorgestellt. Anwesend waren auch ÖBB-Infrastrukturvorstand Franz Bauer und der Deloitte-Partner sowie Studienautor Alexander Kainer.

Das Ergebnis: Die Breitspurverlängerung wäre eine große Chance für die lokale Wirtschaft. Es könnten jährlich rund 20.000 Züge mit 67 Waggons, auf die jeweils zwei Container passen, in Österreich ankommen.

Finanzierung der Transsib-Breitspurbahn

Die Kosten der 400 Kilometer langen einspurigen Bahnstrecke vom ostslowakischen Košice in das Wiener Umland werden auf 6,5 Milliarden Euro beziffert. Davon entfallen eine Milliarde Euro auf Kapazitätserweiterungen im österreichischen Schienennetz. Weitere 850 Millionen Euro soll ein Güterterminal kosten, in dem chinesische Waren auf eine Normalspurbahn verladen werden.

Derzeit sei es „noch zu früh“, um Aussagen über einen möglichen Standort des Containerterminals zu treffen. Den Baustart der Bahnstrecke schätzt Leichtfried auf das Jahr 2023. „Ich will Österreich zur Logistikdrehscheibe in Europa machen“, erklärte der Verkehrsminister. Ihm zufolge sei Wien der ideale Ort für eine Transsib-Anbindung.

Dabei verwies er auf den Zugang zur Donau, den Flughafen in Wien und Verbindungen zum europäischen Eisenbahnnetz. „Die Warenströme sind jedenfalls vorhanden und die Eisenbahn ist schneller und ökologischer als die Schifffahrt zwischen Ostasien und Europa“, so Leichtfried.

Unterstützung von Slowakei und Russland

Bisher ist unklar, ob die Slowakei den Ausbau der Transsib-Breitspurbahn unterstützen wird. Immerhin soll das Land rund fünf Milliarden Euro der Kosten übernehmen. Der 30 km lange Streckenabschnitt auf österreichischem Boden kostet lediglich 85 Millionen Euro. Auch die staatliche russische Eisenbahngesellschaft RZhD, damals eine treibende Kraft, hatte infolge der Wirtschaftskrise mit finanziellen Engpässen zu kämpfen.

Tatsächlich gebe es derzeit kaum Investoren, bestätigte Leichtfried gegenüber dem Standard: „Die Förderkulisse ist derzeit eher schütter.“ Dennoch biete das Projekt großes Potenzial, um Arbeitsplätze zu schaffen und das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Innerhalb von 47 Jahren könnte die Breitspurbahn laut Deloitte für 127.000 neue Jobs sorgen.

Die Gesamtwertschöpfung innerhalb des 30-jährigen Bahnbetriebs von 2024 bis 2054 schätzt der Wirtschaftsprüfer auf 30 Milliarden Euro. Davon entfielen 15 Milliarden Euro auf Österreich. Man müsse sich „entscheiden“, erklärte Leichtfried.

Wirtschaft unterstützt Bahnprojekt

Rückendeckung erhält die geplante Zugstrecke von der nationalen Wirtschaftskammer. Der für Transportfragen verantwortliche Obmann Davor Sertic sagte dazu: „Doch jetzt darf nicht mehr nur geredet werden, jetzt muss eine Entscheidung fallen.“ Ansonsten bestehe die Gefahr, dass das Bahnprojekt in einer „endlosen Warteschleife“ lande.

Laut ÖBB-Infrastrukturvorstand Bauer bestehe eine „gute und intensive Kooperation“ zwischen den Partnerländern. Die Russland-Sanktionen seien kein Problem für das Projekt. Die EU habe bereits positive Signale gegeben. Auch der Österreichische Wirtschaftsbund (ÖWB) hatte sich in der Vergangenheit mehrfach für das Projekt ausgesprochen.

Fotoquelle

Vladimir, 5529_transsib_ Ingoda, Size changed to 1040×585 px. CC BY-SA 2.0

Thorsten Gutmann
Über den Autor

Thorsten Gutmann war von September 2016 bis Dezember 2018 Chefredakteur der unabhängigen Nachrichtenseite Ostexperte.de in Moskau. Derzeit arbeitet er als Nachrichtenchef bei der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK). Bevor er zu Ostexperte.de kam, war er u. a. für die Moskauer Deutsche Zeitung und die Berliner Zeitung tätig. Im Jahr 2017 gründete er die RUSummit – Fachkonferenz zur Digitalwirtschaft in Russland mit dem Ziel, den deutsch-russischen Wirtschaftsdialog zu fördern.