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Perspektiven des Tourismus in Kasachstan

Vom Massentourismus bisher unentdeckt, lockt Kasachstan langsam Besucher aus aller Welt. Unser Autor Urs Unkauf erlebte Kultur, Natur und imposante Städte zwischen High-Tech und Tradition. 

Als neuntgrößtes Flächenland der Welt, jedoch mit einer Bevölkerungsanzahl von circa 18 Millionen, die etwa derjenigen der Niederlande entspricht, verfügt Kasachstan über besondere Bedingungen für die Entwicklung touristischer Potentiale. Bisher vom Massentourismus unentdeckt, verfügt das Land im Herzen Eurasiens doch über die notwendige Infrastruktur und die Regierung hat in den letzten Jahren viel unternommen, um die regionalen Besonderheiten Kasachstans für den internationalen Tourismus angemessen zu präsentieren. Die drei größten Städte und die sie umgebenden Regionen veranschaulichen die Vielfalt der Republik zwischen Kaspischem Meer und Altai-Gebirge, die sowohl durch Traditionen und historische Elemente, als auch durch moderne Infrastruktur und vielfältige Angebote immer mehr Touristen aus aller Welt anzieht.

Almaty – Größte Stadt und Zentrum des kulturellen Lebens

Am Fuß des Tian-Shan-Gebirges gelegen, wird Almaty mit seinen zahlreichen Parks und Gärten zurecht als die grünste Stadt Kasachstans bezeichnet. Mit Blick auf die Architektur verbindet sich hier die sowjetische Vergangenheit mit einer Moderne, die zugleich für die ethnische Vielfalt des Landes steht. Dieses friedliche Nebeneinander verschiedener Kulturen wird durch die Nähe zur Natur ergänzt, auf die man wenige Kilometer außerhalb der Stadt bereits trifft. Almaty ist ebenfalls die Ursprungsregion der Kultivierung des Apfelbaumes, der von hier aus die ganze Welt eroberte.

Der Almaty-See in den Bergen südlich der Stadt.

Ein Besuch des Grünen Basars mit seinen vielseitigen Möglichkeiten zur Verkostung und regionalen Produkten ist sehr zu empfehlen. Daneben bieten viele Restaurants die Gelegenheit, nationale Gerichte wie Beshbarmak (gekochtes Pferdefleisch auf Teigfladen, dazu Kartoffeln und Zwiebeln) oder Plov (zentralasiatisches Reisgericht, meist mit Lamm zubereitet) in authentischer Atmosphäre zu genießen. Im Zentrum befindet sich mit dem Park der 28 Panfilov-Gardisten eine der beliebtesten Grünanlagen der Stadt, wo auch die Denkmäler aus der Sowjetzeit zu Ehren des Sieges der Roten Armee über den Faschismus zum Betrachten einladen. In diesem Park befindet sich auch die repräsentative Voznesensky-Kathedrale. Kunstfreunden ist der Besuch im Staatlichen Kasteev-Kunstmuseum, dem größten des Landes, sehr zu empfehlen. Die Sammlungen zeigen anhand authentischer Objekte die künstlerischen Traditionen Kasachstans und ebenso ihre internationalen Einflüsse.

Auch die Umgebung von Almaty wartet mit zahlreichen Naturattraktionen auf Erkundungsfreudige. So bieten sich der Große See von Almaty und der drei Kilometer lange Canyon inmitten des Sharyn-Nationalparks hervorragend für Tagesausflüge an. Auch das nahegelegene Skiressort Shymbulak zieht eine große Zahl von Wintersportbegeisterten aus Nah und Fern an. Eine ebenfalls hervorragende Möglichkeit für einen Ausflug bietet der Besuch des Arba-Weingutes im Assa-Tal nahe Almaty.

Charyn-Canyon Region Almaty

Shymkent und Turkestan – Zentren des Südens

Wer nach Shymkent reist, das über einen kleinen, aber gut funktionierenden Flughafen verfügt, erlebt ein anderes Kasachstan als in den beiden größten Städten. Shymkent liegt unweit der Grenze zum Nachbarland Usbekistan und der Übergang zwischen den Kulturen ist dort fließend erfahrbar. Gelegen in einer Wüstenregion, wirkt die Stadt, deren Symbol die Tulpe ist, wie eine große Oase inmitten dieser Landschaft. Die Lebensweise der Bevölkerung hier ist traditionsverbundener geprägt und die spirituelle Glaubensrichtung des sunnitisch-hanafitischen Islam wird hier stärker gelebt als in den nördlicheren Teilen des Landes.

Die umliegende Region Turkestan ist gekennzeichnet von den nomadischen Traditionen der großen Steppe Kasachstans. Die 160 Kilometer nordwestlich von Shymkent entfernt gelegene Stadt Turkestan war nach schriftlichen Quellen aus dem zehnten Jahrhundert der Sitz des Khanats, einer Vorform der modernen Staatlichkeit, und zählt damit zu den ältesten Städten Kasachstans. Die Ruinen der Festungsstadt Otrar bieten, die archäologisch restauriert und aufbereitet wurde, bietet heute einen Eindruck von der Blüte der Region im Mittelalter und der Frühen Neuzeit. Turkestan ist ein historisch und kulturell höchst bedeutsamer Ort für alle turksprachigen Völker.

Hazrat Sultan-Moschee Nur-Sultan

Auch spirituelle Stätten von überregionaler Bedeutung finden sich in Turkestan. Die Mausoleen der islamischen Lehrer und Mystiker Arystan-Bab und Khoja Ahmed Yasawi ziehen Pilger und Religionsinteressierte aus ganz Zentralasien und weit darüber hinaus an. Das Mausoleum des Letzteren, heute Bestandteil des UNESCO-Weltkulturerbes, wurde im Zeitraum von 1385 bis 1405 erbaut und repräsentiert eines der imposantesten historischen Bauwerke Kasachstans.

Nur-Sultan – Imposante Hauptstadt in der Steppe

Als Hauptstadt seit dem Jahr 1997, die bis vor wenigen Monaten noch Astana hieß, hat sich Nur-Sultan mittlerweile zu einer Metropole von Weltrang entwickelt. Der 97 Meter hohe Baiterek entwickelte sich zum Symbol der Stadt und steht zugleich für die Stärke des modernen und unabhängigen Kasachstan. Nicht nur für Technikbegeisterte empfiehlt sich hier ein Besuch des Nur-Alem-Pavillions der Weltausstellung „Expo“ von 2017, die unter dem Motto „Energien der Zukunft“ hier stattfand.

Die Hazret Sultan-Moschee bietet als größter religiöser Komplex in Zentralasien einen Einblick in die Praxis eines Islam, der sich auf eine besondere Weise mit den Errungenschaften eines modernen Staatswesens vereinbaren lässt. Auch Menschen christlichen und jüdischen Glaubens werden in Kasachstan die spirituellen Stätten ihrer Religionen vorfinden. Religionsfreiheit ist hier in der Praxis garantiert, wobei Extremismus in jeder Form von staatlicher Seite und ebenso aus der Zivilgesellschaft bereits von Grunde auf der Nährboden entzogen wird.

Mausoleum von Khoja Ahmed Yasawi (UNESCO-Weltkulturerbe) Turkestan

Einen Überblick von der Antike bis zur heutigen modernen Staatlichkeit kann sich der Besucher im Nationalmuseum der Republik Kasachstan verschaffen. In beeindruckender Kulisse präsentiert das Land seine Geschichte bis in die Gegenwart, wobei zahlreiche Fundstücke und Dokumente zu besichtigen sind. Wenngleich russische Sprachkenntnisse immer von Vorteil sind, so werden sich internationale Touristen an allen wesentlichen Sehenswürdigkeiten der großen Städte auch mit englischer Sprache zurecht finden.

Insgesamt betrachtet verfügt Kasachstan über erhebliche Potentiale, das Interesse unterschiedlichster Besucher aus aller Welt weiter zu steigern. Das internationale Ansehen Kasachstans, basierend auf innenpolitischer Stabilität und der Vermeidung auswärtiger Konflikte, trägt wesentlich dazu bei, diese Möglichkeiten in der Zukunft weiterhin schrittweise zu realisieren.

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Fotos: Urs Unkauf

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Über den Autor

(geb. 1994) studierte von 2013-2016 Geschichte und Soziologie an den Universitäten Tübingen und Aix-en-Provence (B.A., Licence d’Histoire). Derzeit Masterstudium der Zeitgeschichte und Geschichte Osteuropas an der Humboldt-Universität zu Berlin. Akademische Projekte führten ihn u. a. nach Israel, Belarus, in die Russische Föderation und die Ukraine. Seine thematischen Schwerpunkte sind internationale Beziehungen, Diplomatie und die Entwicklung der Beziehungen Deutschlands zu Russland, Osteuropa, Südkaukasien und Zentralasien. Berufliche Erfahrungen in den Bereichen Politikberatung (Energiepolitik, Außenwirtschaft, internationale Wirtschaftsbeziehungen) und Aufbau von internationalen Kontakten.