Klaus DormannVon

Russlands Wirtschaft wurde 2018 wieder energielastiger;
Ölpreis trieb Export-Anteil von Energie auf fast zwei Drittel

Seit langem will die russische Regierung den hohen Anteil von Energie und Rohstoffen am Export der russischen Wirtschaft verringern. Russland soll mehr Industrieerzeugnisse auf den Weltmärkten absetzen, um unabhängiger von den stark schwankenden Energie- und Rohstoffpreisen zu sein.

Dieses Ziel gehört auch zu den 2018 zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der russischen Wirtschaft beschlossenen 12 nationalen Projekte. Mit ihnen sollen die sogenannten „Mai-Dekrete“ von Präsident Putin verwirklicht werden. Die Regierung will die Ausfuhren fördern und die internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit verstärken.

In Industrie, Landwirtschaft und Dienstleistungen sollen außerhalb der Energie- und Rohstoffwirtschaft global wettbewerbsfähige Wirtschaftsbereiche geschaffen werden. Ihre Ausfuhr von Waren und Dienstleistungen soll bis 2024 einen Wert von jährlich 250 Milliarden US-Dollar erreichen und nicht weniger als 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts stellen.

Energie-Anteil am Warenexport stieg 2018

Die russische Zentralbank hat Mitte Januar eine erste Schätzung zur Entwicklung der Leistungsbilanz im Jahr 2018 veröffentlicht. Sie weist neben der Summe aller Ausfuhren auch die Ausfuhrwerte von Rohöl, Mineralölprodukten und Erdgas aus.

Der Wert der Exporte von Erdöl, Mineralölprodukten und Erdgas war um rund 35 Prozent höher als 2017. Der Wert der sonstigen Exporte wuchs weniger als halb so stark um rund 14 Prozent.

Anteil der Öl und Gasausfuhren erhöhte sich auf 59 Prozent

Der Anteil von Erdöl, Mineralölprodukten und Erdgas an den gesamten Exporten erhöhte sich 2018 um gut 4 Prozentpunkte auf 59,0 Prozent. Trotz dieses merklichen Anstiegs war dieser Anteil aber noch deutlich niedriger als 2014 mit 66,4 Prozent.

 20172018
Mrd. $Mrd. $% ggü. 2017
Erdöl93,4128,3+37,4
Mineralölprodukte58,278,3+34,5
Erdgas insgesamt41,954,9+31,0
- Pipeline-Exporte38,749,5+27,9
- LNG-Exporte3,25,4+68,8
Erdöl, Produkte, Erdgas insgesamt193,5261,5+35,1
Sonstige Exporte160,1181,8+13,6
Export insgesamt
353,5443,4+25,4
Anteil von Öl und Gas am Export in %
54,759,0

Quelle: Russische Zentralbank: External Sector Statistics; Balance of Payments of the Russian Federation estimation 2018, Analytical Presentation, 17.01.2019

Alle Energieträger stellten 64 Prozent der Ausfuhrerlöse

Daten über den Export weiterer Energieträger, wie insbesondere Kohle, bietet die Zollstatistik, die bisher die ersten 11 Monate erfasste. Laut Zollstatistik stellten Energieträger und Brennstoffe in den ersten 11 Monaten 64,3 Prozent der Ausfuhren. Das waren 4 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

Russland konnte zwar gleichzeitig den Export von Maschinen und Ausrüstungen wertmäßig um 5,9 Prozent steigern. Der Anteil dieser Warengruppe an den gesamten Ausfuhren verringerte sich jedoch auf 6,2 Prozent (Jan. bis Nov. 2017: 7,4 Prozent).

Hauptursache für die höhere Energielastigkeit war der Preisanstieg

Im letzten Jahr gelang die angestrebte Diversifizierung der Exporte also nicht. Hauptursache war der Preisanstieg der Energieexporte.

Der Urals-Ölpreis fiel im Verlauf des letzten Quartals zwar von rund 82 auf rund 60 Dollar/Barrel zurück. Im Jahresdurchschnitt stieg er jedoch um 32 Prozent von 50 auf 70 Dollar/Barrel.

Laut Zollstatistik wuchsen aber auch die Mengen einiger ausgeführter Energieträger (Erdgas: + 5,9 %; Kohle: + 10,2 %; Kerosin: + 18,9 %).

Diversifikation kam seit 2013 nur wenig voran

Martin Russell, Mitarbeiter der Forschungsabteilung des EU-Parlaments, zog Mitte 2018 für den Zeitraum 2013 bis 2017 eine unbefriedigende Bilanz der bisherigen Bemühungen, die russischen Exporte stärker zu diversifizieren.

Quelle: Martin Russell (Research-Abteilung EU-Parlament): Seven economic challenges for Russia – Breaking out of stagnation? July 2018

Der Anteil fossiler Energieträger an der russischen Ausfuhr sank nach Russells Angaben zwar von 2013 bis 2017 von 71 Prozent auf 63 Prozent.

Dieser Rückgang ergab sich aber nicht aus einem Anstieg der Erlöse von Branchen außerhalb der Öl- und Gaswirtschaft, sondern aus einem preisbedingten Rückgang der Öl- und Gasexporte um rund 39 Prozent.

Die Exporterlöse von Branchen außerhalb des Energiebereichs verminderten sich von 2013 bis 2017 mit einem Rückgang um insgesamt14 Prozent lediglich nicht so stark wie die Energieexporterlöse, obwohl gleichzeitig der Rubel um rund die Hälfte abwertete und so die preisliche Wettbewerbsfähigkeit russischer Erzeugnisse verbesserte.

Besonders stark sanken von 2013 bis 2017 die Erlöse bei der Ausfuhr von Kraftfahrzeugen (- 29 Prozent). Bei Eisen- und Stahlexporten nahmen die Ausfuhrerlöse um 7 Prozent ab, bei Maschinen um 4 Prozent. Kräftige Zuwächse gab es bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen (+ 58 Prozent) und bei Fischen (+ 24 Prozent).

Was die russische Wirtschaft tun kann, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, wird Thema einer Tagung von DIHK und AHK am 21. Februar in Berlin sein: „Markt, Modernisierung, Mittelstand – Thema 2019: Russische Wettbewerbsfähigkeit – neue Wege

Quellen und Lesetipps:

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Titelbild: shutterstock.com/ Leonid Ikan

Klaus Dormann
Über den Autor

war von 1980 bis 2015 Mitarbeiter der volkswirtschaftlichen Abteilung der Ruhrgas AG und der E.ON SE.