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Deutschland für Gaslieferungen aus Aserbaidschan

Am 25. August reist Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Aserbaidschan. In der Hauptstadt Baku will sie über den Ausbau einer Gaspipeline nach Europa sprechen.

Die Bundesregierung will Alternativen zu Gaslieferungen aus Russland. Deutschland habe „großes Interesse“ an der Entwicklung des Südkorridors, erklärte ein Regierungsvertreter am Dienstag. Merkel trifft am Samstag auf Aserbaidschans Staatschef Ilham Alijew.

Die rund 690 Kilometer lange Südkaukasus-Pipeline (SCP) führt von Baku über Tiflis in Georgien nach Erzurum in der Türkei. Von dort wird das Gas über die rund 1.850 Kilometer lange Transanatolische Pipeline (TANAP) quer durch die Türkei gepumpt.

Ab dem Jahr 2020 soll TANAP an der griechisch-türkischen Grenze an die Trans-Adria-Pipeline (TAP) angeschlossen werden. Das Gas soll von Griechenland über Albanien und das Adriatische Meer in Süditalien nach Westeuropa fließen. „Das ist Teil der Diversifizierungsstrategie der EU, Gas aus anderen Regionen, nicht nur aus Russland, nach Europa zu bekommen“, so der Regierungsvertreter.

Transkaspische Pipeline aus Turkmenistan

Möglich wäre auch die Lieferung von Gas aus Turkmenistan, Iran und Irak nach Westeuropa. Dazu müsste eine Transkaspische Pipeline (TCP) gebaut werden, die Turkmenistan mit Aserbaidschan verknüpft. Allerdings erfordert das Projekt die Zustimmung aller fünf Anrainer des Kaspischen Meeres, darunter Russland. Immerhin einigten sich die beteiligten Länder im August nach mehr als 20 Jahren über den rechtlichen Status des weltgrößten Binnengewässers.

Im Vergleich zur Gasverbindung aus Russland fällt das Volumen von TAP und TANAP mit insgesamt 16 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr eher niedrig aus. Auch die Bundesregierung bezeichnet den Südkorridor als „ausbaufähig“ – zumal 6 Milliarden für die Türkei und 10 Milliarden Kubikmeter für EU-Länder vorgesehen seien.

Kritik an Nord Stream 2

Die im Jahr 2011 eröffnete Ostseepipeline Nord Stream, die Gas von Russland nach Deutschland pumpt, kommt auf ein Volumen von rund 55 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr. Nach Fertigstellung der parallel verlaufenden Nord Stream 2 steigt das Gesamtvolumen auf etwa 110 Milliarden Kubikmeter.

Vor allem die USA kritisieren die geplante Ostseeverbindung. Sie sehen die Pipeline als Konkurrenz zu eigenen Flüssiggas-Lieferungen. „Washington versteht, dass der europäische Markt näher und interessanter ist, als zum Beispiel der asiatische Markt“, erklärte Wintershall-Russlandchef Torsten Murin im Ostexperte.de-Interview.

Bundeskanzlerin Merkel plant bei ihrer Südkaukasus-Reise auch einen Besuch in Armenien und Georgien. In der georgischen Hauptstadt Tiflis will sie unter anderem über einen möglichen EU- und NATO-Beitritt des Landes sprechen.

Titelbild

Quelle: Official website of President of Azerbaijan, Ilham Heydar oglu Aliyev – President of the Republic of Azerbaijan, Zuschnitt auf 1040×585, CC BY 4.0

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