Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Patrick VolknantVon

Siemens auf dem SPIEF 2017: Ein Überblick

Auf dem St. Petersburger Wirtschaftsforum (SPIEF) 2017 haben sich internationale Firmen die Klinke in die Hand gegeben. Auch der deutsche Technologie-Riese Siemens hat die Zeit genutzt, um mit einigen russischen Unternehmen anzubandeln. Eine Übersicht. 

Die russische Siemens-Tochter hat in St. Petersburg neue Verbindungen gesponnen. Damit setzt der Konzern seine laut Präsident Dr. Dietrich Möller lange Geschichte in Russland fort. Wie Ostexperte.de berichtete, hat Siemens auf dem SPIEF eine Kooperation mit dem Stromversorger Rosseti geschlossen, um das Stromnetz in Jaroslawl zu modernisieren.

Doch auch am russischen Verkehrsnetz zeigte sich Siemens interessiert: Gemeinsam mit VNIIR hat Siemens ein Abkommen unterzeichnet, demzufolge die Zusammenarbeit intensiviert werden soll. Es unterschrieben der Präsident des VNIIR-Mutterkonzerns ABS Electro, Nenad Popović, und der Geschäftsführer der Abteilung für Mobilität bei Siemens, Jochen Eickholt.

Effiziente Ladestationen für elektronische Busse

Die Vereinbarung bezieht sich auf die Verbesserung der Infrastruktur für E-Busse in Russland. Gemeinsam mit Siemens will VNIIR, ein russischer Dienstleister mit Spezialisierung auf Wasserkraftwerke, Ladestationen mit hoher Leistungsfähigkeit entwickeln. Angestoßen wurde das Projekt auch vom Moskauer Verkehrsministerium.

Eickholt blickt zuversichtlich auf die bevorstehende Zusammenarbeit. Er habe bereits in Städten wie Montreal, Stockholm, Hamburg und Wien an Lösungen für elektronische Bus-Ladestationen gearbeitet. „Wir sehen großes Potenzial im Ausbau des elektronischen Transports und sind erfreut, dass das Interesse am Thema in Russland wächst“, erklärte er.

Neue Lastotschka-Generation für Russland

Ein zweites Infrastruktur-Projekt betrifft wiederum nicht den Straßenverkehr, sondern das russische Schienennetz: Siemens möchte gemeinsam mit der staatlichen Eisenbahngesellschaft RŽD und dem Investment-Unternehmen Sinara Group eine neue Generation des Zugs „Lastotschka“ auf die Gleise bringen. Das neue Modell soll für Langstrecken ausgelegt sein.

Die RŽD ist die staatliche Bahngesellschaft der Russischen Föderation, die als Aktiengesellschaft notiert ist. Nach dem Ende der Sowjetunion übernahm das Unternehmen die meisten Netze der Sowjetischen Eisenbahnen und ist heute der größte Eisenbahnbetrieb Russlands. Die russische Sinara Group mit Sitz in Ekaterinburg ist hingegen ein Investitionsunternehmen, das sich auf Immobilienentwicklung, Schienentransport und Finanzdienstleistung spezialisiert hat.

Der Elektrozug „Lastoschka“ wurde von der Siemens-Division Rail Systems entwickelt. 2013 wurde er in St. Petersburg und Sotschi eingeführt, später auch in Moskau (siehe: „In Moskau eröffnet eine Ring-S-Bahn“). Den Namen hat die „Lastotschka“ (wörtlich: „Schwalbe“) vom gleichnamigen Vogel, der sich durch seine Schnelligkeit auszeichnet. Der Zug wurde konzipiert, um auch bei schwersten Wetterbedingungen Höchstgeschwindigkeiten zu erreichen.

Technologische Lösungen für Gazprom Neft

Neben dem Infrastruktur-Bereich hat es Siemens nicht versäumt, sich am russischen Kerngeschäft der Energieversorgung zu beteiligen. Im Rahmen des SPIEF 2017 einigte sich der Konzern auf eine Kooperation mit dem Mineralölunternehmen Gazprom Neft. Der Vorstandsvorsitzende von Gazprom Neft, Alexander Djukow, sowie der Vorstandsvorsitzende der Siemens AG, Joe Kaeser, unterzeichneten einen entsprechenden Vertrag.

Beide Unternehmen kooperieren in den Bereichen Energie, Bergbau und Transport sowie bei der Verarbeitung von Kohlenwasserstoffen. Ebenfalls wird erwogen, technische Lösungen von Siemens für die Anlagen von Gazprom Neft bereitzustellen. Hauptsächlich soll es sich dabei um Bohrausrüstung handeln. Auch der Transport von Kohlenwasserstoffen und dazugehörige Überwachungs- und Diagnostiksysteme seien im Gespräch.

„Wir sind davon überzeugt, dass die Verwendung moderner Siemens-Technologie in den Anlagen von Gazprom Neft die Effektivität individueller Projekte steigern und zur Modernisierung der gesamten Industrie beitragen wird“, erklärte Siemens-Chef Kaeser. Er sieht in der Einigung mit Gazprom Neft einen bedeutenden Schritt zur Erschließung des russischen Öl- und Gassektors.

Siemens und KRSK nehmen sich medizinisches Cluster vor

Auch im russischen Gesundheitssektor wurden neue Fäden gesponnen. Siemens Healthineers hat eine Zusammenarbeit mit KRSK („Korporation zur Entwicklung des Nordkaukasus“) in die Wege geleitet. In der Vereinbarung wird auf die Modernisierung medizinischer Cluster und die Anwendung innovativer Datenerhebungs-Technologien eingegangen.

Modernisierte Verwaltungssysteme für KAMAZ

Einen weiteren Deal hat Siemens in der russischen Automobilbranche schließen können. So haben sich die Siemens AG und der Fahrzeugbauer KAMAZ auf eine strategische Partnerschaft geeinigt. Geplant ist unter anderem die Einrichtung eines einheitlichen Monitoring– und Verwaltungsprogramms, das in den Werken von KAMAZ zum Einsatz kommen soll.

Siemens-Vorstandsmitglied Roland Busch erklärte nach der Unterzeichnung mit KAMAZ-Generaldirektor Sergej Kogogin: „Die Thematik der Digitalisierung ist eine der wichtigsten für die moderne Wirtschaft. Wir sind glücklich darüber, dass ein führendes russisches Maschinenbau-Unternehmen wie KAMAZ dieser Angelegenheit seine Aufmerksamkeit schenkt.“

Bildquelle

 Quelle: Mos.ru, Headquarters of Siemens in Russia, Size changed to 1040x585px., CC BY 3.0 

Patrick Volknant
Über den Autor

ist Autor bei Ostexperte.de.

Der freie Journalist studierte Germanistik und Philosophie in Freiburg und Leipzig.