Russlands Casino-Zonen

Russlands Beziehung zum Glücksspiel

Russland blickt auf eine seit langem problematische Beziehung zum Glücksspiel zurück. Schon in den 1920er Jahren wurde Glücksspiel in allen Formen gesetzlich verboten. Die kommunistische Regierung betrachtete Roulette, Wetten und dergleichen als Freizeitbeschäftigung der Bourgeoisie und damit als nicht mit kommunistischen Werten vereinbar. Dieses Verbot blieb bis zum Jahr 1989 und damit bis zum Ende der Sowjetunion bestehen. Erst im selben Jahr eröffneten die ersten Casinos in Russland.

Diese konnten nur für 20 Jahre operieren, denn 2009 folgte erneut ein schwerer Schlag für alle Spieler: Die russische Regierung unter Putin verbot kurzfristig die meisten Formen des Glücksspiels. Insbesondere Spielbanken und Spielhallen mussten praktisch über Nacht zum 1. Juli schließen.

Illegales Glücksspiel auch online

Auch Online Casinos waren betroffen. Heutzutage können russische Gambler nur in illegalen Casinos spielen, denn Online-Spielbanken sind in Russland gesetzlich verboten. Obwohl zahlreiche Webseiten auf einer Schwarzen Liste stehen und damit nicht aufrufbar sind, umgehen viele Leute dieses Verbot, indem sie sich in anderen Online Casinos anmelden und dort spielen. Das sind meistens Casinos ohne Lizenz aus Deutschland oder generell der EU, beispielsweise mit einer Lizenz aus Curaçao. Dort können die Russen in sicherer Umgebung trotz aller Verbote spielen.

Besondere Casino-Zonen seit 2009

Die Spieler müssen wie bei den Online Casinos nicht vollständig auf die landbasierten Spielbanken verzichten. Im Zuge der gesetzlichen Änderungen wurden nämlich designierte Gebiete eingerichtet, in denen Casinos legal betrieben werden dürfen. Diese waren zu Beginn auf vier Stück festgelegt, wobei seitdem neue Zonen eingerichtet oder geplant sowie eine ursprüngliche Zone geschlossen worden sind. Derzeit oder geplant erlaubt ist das Glücksspiel in den folgenden fünf Gebieten:

  • Kaliningrad: In der Oblast Kaliningrad steht eine der größten Spielbanken Europas. Sie nahm 2017 ihren Betrieb auf und erfreut sich seitdem großer Beliebtheit. Im Vergleich zu den anderen Casino-Zonen ist Kaliningrad von Moskau und St. Petersburg relativ leicht zu erreichen.
  • Sibirische Münze: Seit 2014 können russische und ausländische Spieler ihr Glück im Altai versuchen. In der Nähe von Barnaul gibt es Spieltische, Spielautomaten, einen Pokerclub, ein Hotel und mehr.
  • Primorje: Weit entfernt von Moskau und St. Petersburg gibt es im Fernen Osten, in der Nähe von Wladiwostok, das größte Casino Russlands. Wegen der Nähe zu China und des dort ebenfalls herrschenden weitgehenden Glücksspielverbots spielen hier besonders viele Chinesen.
  • Sotschi: Nachdem die Gaming-Zone in Asow geschlossen worden war, ging der Betrieb in Sotschi weiter. Sotschi ist die von allen Zonen touristisch am besten erschlossene, was sich in den hohen Besucherzahlen widerspiegelt.
  • Krim: Die Krim ist die neueste Casino-Zone in Russland. Nachdem die Vorbereitungen seit dem Jahr 2014 gelaufen waren, gab die Regierung im Herbst 2019 ihre Zustimmung für den Bau der „Goldküste“-Zone in der Stadt Jalta.

Ein Problem für die meisten der Casino-Zonen ist die mangelhafte Infrastruktur. Die Orte sind oft sehr abgelegen und für den Durchschnittsrussen nur mit großer Mühe erreichbar. Es kam regelmäßig zu jahrelangen Verzögerungen, bis die Casinos eröffnet haben. Insbesondere mit der neuen Zone in Sotschi ergibt sich für die russischen Spieler jedoch eine neue Chance.

Ausblick: Wenig Hoffnung für landesweites erlaubtes Glücksspiel

Die Gründe, warum die russische Regierung das Glücksspiel weitestgehend verboten hatte, lagen schwer: Allein in Moskau gab es über 500 Glücksspielbetriebe und bis zu 1,5 Millionen Menschen hatten in der Hauptstadt regelmäßig Glücksspiel in verschiedenen Formen betrieben. Putin wollte die Jugend schützen und verglich Gambling mit Alkoholismus, einem weiteren großen Problem in der russischen Gesellschaft, das hauptsächlich Männer betrifft. Außerdem wurden die Casinos und Spielhallen als Quelle von Geldwäsche ausgemacht. Angesichts dessen ist zumindest unter Putin nicht von einer Lockerung des Glücksspielverbots auszugehen, zumal es bislang auch keine großen Proteste oder Bewegungen zur Legalisierung des Glücksspiels gegeben hat.

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Titelbild: Pixabay.com
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