Eva LennartzVon

Afghanistan: Russland liefert angeblich Diesel an Taliban

Laut eines Berichts der britischen Tageszeitung “Times” soll Russland angeblich die radikalislamischen Taliban in Afghanistan mit Diesel im Wert von monatlich 2,5 Millionen Dollar (etwa 2,1 Millionen Euro) beliefern.

Laut eines anonymen Taliban-Schatzmeisters sollen russische Geheimdienstmitarbeiter seit 18 Monaten Tankwagen über die Grenze mit Usbekistan nach Afghanistan schicken. Der Schatzmeister soll unter Erlaubnis eines leitenden Beraters der in Pakistan ansässigen Organisation Quetta Shura einem Interview zugestimmt haben.

Zuerst seien es nur einzelne Tanklaster gewesen, um „das System zu testen“. Anschließend sei die Zahl eintreffender Tanklaster auf Dutzende monatlich angestiegen.

Laut der anonymen Quelle erhielten die Taliban die Diesellieferungen kostenlos von den Russen. Lediglich für die Importsteuern müssten sie bezahlen. Der Treibstoff werde an Unternehmen geliefert, die ihn „an Geschäftsleute in Kabul“ verkauften. Der Profit gehe an die Taliban.

Das Geld würde dann durch das „Hawala-System“ verteilt, eine rein auf Vertrauen basierende Art der Geldübermittlung, die von Terroristen und Aufständischen in der ganzen islamischen Welt genutzt werde.

Der Schatzmeister kümmere sich nur um die Finanzen der Taliban-Anführer in einem Sektor in einer der afghanischen Provinzen. Es gebe aber viele weitere Personen wie ihn. Auch sei die Belieferung mit Diesel nur eine der Methoden, mit denen Russland die Organisation unterstütze.

Afghanische und amerikanische Generäle erheben ähnliche Vorwürfe gegen Russland. US-Generäle sind der Meinung, dass Russland mit einer Unterstützung der Miliz den amerikanischen Einsatz in Afghanistan torpedieren will. Sowohl die offizielle Taliban-Führung als auch russische Politiker weisen die Anschuldigungen jedoch zurück.

Russlands Interesse in Afghanistan

Russlands derzeitige Unterstützung der Taliban hat zugenommen, seitdem der Islamische Staat 2014 in Afghanistan Fuß gefasst hat.

Gemäß dem leitenden Berater der Quetta Shura befürchtet Russland einen Einflussgewinn des Islamischen Staats in Afghanistan, wenn die Taliban schwächer werden. Moskau habe das Vertrauen in die afghanische Regierung verloren und würde stattdessen auf die islamistische Miliz als Verbündete setzen.

Mit ihrem Handeln verfolgten die Russen laut “Times” drei Ziele: Die Bekämpfung des IS, die Untergrabung der US-Bemühungen in Afghanistan und die Schwächung der Nato.

Titelbild

Kabul in Afghanistan. Quelle: aka4ajax, Kabul Houses on Mountain side – panoramio, Size changed to 1040×585 px., CC BY 3.0

Eva Lennartz
Über den Autor

arbeitet seit September 2017 als Online-Redakteurin für die Nachrichtenseite Ostexperte.de in Moskau.

Bachelor-Abschluss in „European Studies“ (Maastricht University). Master of Arts in “Global Studies” – Studium in Wien, Santa Barbara (USA) und Wroclaw, Polen.

Großes Interesse an und diverse Auslandsaufenthalte in Osteuropa, unter anderem Tätigkeit als Projektassistentin in der Ostukraine und Praktikum bei der Konrad-Adenauer-Stiftung in Serbien.

 

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