Eva LennartzVon

Erster Besuch eines saudischen Königs in Russland

Der saudische König Salman ibn Abd al-Aziz traf am Donnerstag mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau zusammen. Die beiden Länder unterzeichneten dabei eine Reihe von Vereinbarungen. Darüber berichtet das Handelsblatt.

Vom 4. bis zum 7. Oktober besucht der saudische König mit einer vierstelligen Zahl an Begleitern zum ersten Mal die russische Hauptstadt. In der Vergangenheit war das Verhältnis zwischen Riad und Moskau wegen der Konkurrenz im Erdölgeschäft angespannt.

Eine Reihe von Abkommen wurden während des Treffens unterzeichnet. Dazu zählt eine Vereinbarung zwischen dem „Russian Direct Investment Fund (RDIF) und dem saudischen Staatsfond, bis zu 100 Millionen Dollar in Verkehrsprojekte in Russland zu investieren. In der russischen Hauptstadt soll u. a. die erste Maut-Autobahn entstehen, berichtet Wedomosti.

Der saudische und der russische Staatschef vereinbarten außerdem die Einrichtung eines gemeinsamen Investitionsfonds in Höhe von einer Milliarde Dollar.

Der größte russische Chemiekonzern Sibur lotete mögliche saudische Aufträge für sich aus. Im Gegenzug wird eine saudische Beteiligung von 250 Millionen Dollar am russischen Erdöl-Dienstleister Eurasia Drilling diskutiert.

Ebenfalls wurden laut Zeit Online mehrere Absichtserklärungen im Rüstungsbereich unterzeichnet. Dabei gehe es um den Verkauf russischer Waffen nach Saudi-Arabien. Ebenfalls meldete das staatliche Unternehmen „Saudi Arabian Military Industries“ (Sami), dass Moskau dem Land beim Aufbau der Rüstungsindustrie helfen wolle.

Meinungsverschiedenheiten zwischen Riad und Moskau

Politisch gesehen liegen Saudi-Arabien und Russland nicht auf einer Linie. Russland unterstützt den schiitisch geprägten Iran, der mit dem sunnitisch dominierten Saudi-Arabien um die Vorherrschaft im Nahen Osten ringt. Auch unterstützt Moskau im Syrienkrieg den syrischen Machthaber Baschar al-Assad, während Saudi-Arabien den Regierungsgegnern zur Seite steht.

Traditionell ist Saudi-Arabien politisch und wirtschaftlich eng mit den USA verbunden. Im Mai 2017 führte die erste Auslandsreise des US-Präsidenten Donald Trump zum Waffengeschäft in dreistelliger Milliardenhöhe. Riad war bislang auf die USA als Schutzmacht und Ölimporteur angewiesen. Mit Russland ist der Handelsumsatz deutlich weniger bedeutend. Doch seit die USA die Eigenversorgung durch die Erschließung von Schieferölvorkommen gesteigert haben, blickt Saudi-Arabien nicht mehr nur auf Amerika.

Historischer Besuch

Putin bezeichnete den Besuch als „neuen Impuls“ für die bilateralen Beziehungen. Der historische Besuch sei ein „sehr gewichtiges Ereignis“. König Salman sagte, die Kontakte zwischen den Ländern sollten „im Interesse des Friedens, der Sicherheit und der Entwicklung der Weltwirtschaft verstärkt werden“. Erst zuletzt hatten sich beide Seiten angesichts fallender Ölpreise über eine Drosselung der Förderung abgestimmt.

Laut Marianna Belenkaja vom Moskauer Carnegie-Zentrum ist die Kooperation der beiden Länder fragil. Die Annäherung „resultiert vor allem aus der Überschneidung politischer Interessen. Wenn diese Interessen wieder auseinandergehen, kann sie sofort wieder beendet sein“, schreibt die Politologin. Dennoch: Der Besuch sei symbolisch. „Er hat belegt, wie stark sich die geopolitische Situation im Nahen Osten verschoben hat.“

Fotoquelle

Titelbild: kremlin.ru

Eva Lennartz
Über den Autor

arbeitet seit September 2017 als Online-Redakteurin für die Nachrichtenseite Ostexperte.de in Moskau.

Bachelor-Abschluss in „European Studies“ (Maastricht University). Master of Arts in “Global Studies” – Studium in Wien, Santa Barbara (USA) und Wroclaw, Polen.

Großes Interesse an und diverse Auslandsaufenthalte in Osteuropa, unter anderem Tätigkeit als Projektassistentin in der Ostukraine und Praktikum bei der Konrad-Adenauer-Stiftung in Serbien.

 

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