Thorsten GutmannVon

Russland: TransTelecom versorgt Nordkorea mit Internet

Bisher bezog Nordkorea sein Internet aus China. Nun stellt auch ein russisches Unternehmen eine Netzanbindung an das isolierte Regime bereit. Darüber berichtet der Österreichische Rundfunk.

Laut des Unternehmens Dyn Research, das auf Internet-Analysen spezialisiert ist, wickelt Nordkorea ab sofort rund 60 Prozent seines Internetverkehrs über den russischen Anbieter TransTelecom ab. Der restliche Datenstrom fließt über den bisher alleinigen Knotenpunkt, der von China Unicom bereitgestellt wird. Nach Angaben von TransTelecom gibt es seit 2009 ein Abkommen mit Nordkorea. Es bestehe eine „historische Verbindung zu Stammnetzen“ des russischen Nachbarlandes, erklärte das Unternehmen. Neue Verbindungen bestätigte es jedoch nicht.

Die neue Verbindung ermögliche es dem Regime unter Leitung von Kim Jong-un, Cyberangriffe besser zu koordinieren, warnte Bryce Boland, der für den Raum Asien-Pazifik zuständige Technologievorstand des Sicherheitsunternehmens FireEye. Das Land wolle zudem seine nationale Sicherheit verbessern. „Durch die Erhöhung der Anzahl von Internetverbindung in und aus dem Land wird auch die Widerstandskraft gegen Angriffe erhöht“, erklärte Boland.

Westen gibt Nordkorea Schuld an Hackerangriffen

Der Westen macht Nordkorea für eine Vielzahl von Angriffen verantwortlich, darunter auf Banken sowie das Filmproduktionsunternehmen Sony Pictures. Ebenso soll das im Mai 2017 kursierende Schadprogramm WannaCry aus Nordkorea gesteuert worden sein. Die Regierung weist die Vorwürfe jedoch zurück. Laut eines Berichts der Washington Post verordnete US-Präsident Donald Trump, sogenannte DoS-Angriffe auf Hacker durchzuführen, die in Kontakt zu nordkoreanischen Spionageeinheiten gestanden hatten.

Die Information über die neue Verbindung stammt vom US-Korea-Institut der privaten Johns-Hopkins-Universität in Baltimore. „Die neue Verbindung bedeutet, dass jetzt zwei Firmen die Geschäftsbeziehungen zu Nordkorea kappen müssten, um das Land vom Internet abzuschneiden“, sagte Martyn Williams vom dortigen Projekt 38, das auf den asiatischen Raum spezialisiert ist. Angeblich wolle das nordkoreanische Regime die Abhängigkeit von einem einzelnen Staat verringern, da es international wegen Raketen- und Atomtests unter Druck stehe.


Quelle des Titelbilds: (Stephan) at FlickrNorth Korea-Pyongyang-Computer class at a school-01, Size changed to 1040×585 px., CC BY-SA 3.0

Thorsten Gutmann
Über den Autor

ist Chefredakteur von Ostexperte.de.

Zuvor war er Autor der Moskauer Deutschen Zeitung und Online-Redakteur der Berliner Zeitung und des Berliner Kuriers.

 

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