Thorsten GutmannVon

Doing Business: Russland vor Belgien und Italien

Wie leicht ist es, in einem Land Geschäfte zu machen? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Weltbank in einem jährlichen Ranking. Im aktuellen Bericht namens Doing Business 2018 ist Russland im Vergleich zum Vorjahr um fünf Positionen nach oben geklettert. Damit liegt Russland im Ranking vor EU-Ländern wie Italien, Belgien, Griechenland und Luxemburg.

Die Weltbank vergleicht im Doing-Business-Report 190 Länder anhand von 11 Kriterien. Relevant für das Ranking sind unter anderem Themen wie Zeit und Kosten für Baugenehmigungen, Versorgung mit Elektrizität, Steuern, Export und Import, Arbeitsmarkt, Insolvenzrecht sowie Kreditversorgung. Den vollständigen Bericht zur Russischen Föderation finden Sie hier.

Hier folgt eine Auflistung der Top 10:

  1. Neuseeland
  2. Singapur
  3. Dänemark
  4. Südkorea
  5. Hongkong
  6. USA
  7. Großbritannien
  8. Norwegen
  9. Georgien
  10. Schweden

Weitere wichtige Positionen:

  • Deutschland liegt vor den Vereinigten Arabischen Emiraten und hinter Lettland auf Rang 20.
  • Russland hat sich um fünf Positionen verbessert und liegt knapp hinter Japan auf Rang 35. Somit konnte Russland an Belarus, Kasachstan, Slowenien, Slowakei und Kosovo vorbeiziehen.
  • Die Schweiz ist auf Rang 33, und Österreich befindet sich auf Rang 22.
  • Eine Vielzahl von EU-Ländern haben im Weltbank-Ranking eher schwach abgeschnitten: Italien (46), Ungarn (48), Bulgarien (50), Kroatien (51), Belgien (52), Zypern (53), Luxemburg (63), Griechenland (67) und Malta (84).

Im Vergleich zu 2016 klettert Russland nur einen Rang nach oben

Wie die russische Wirtschaftszeitung Wedomosti berichtet, steht die hohe Position Russlands mit einer 2017 eingeführten neuen Methodik der Weltbank in Verbindung. Im direkten Vergleich zum Ranking von 2016 konnte Russland im aktuellen Bericht lediglich eine Position aufrücken. Laut Wirtschaftsminister Maxim Oreschkin ist die Konkurrenz sehr stark.

Immerhin konnte Russland im Gegensatz zum Vorjahr seine Partnerländer in der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU), Kasachstan und Belarus, um einige Positionen überholen.

Stark im internationalen Handel

Besonders stark konnte Russland im internationalen Handel aufholen, schreibt die Weltbank. Dazu zählen die Verbesserung des Zollverfahrens, die Beschleunigung von Export- und Importprozessen am Hafen von St. Petersburg sowie die Ausweitung des elektronischen Austauschs von Dokumenten. Die durchschnittlichen Jahresgebühren für Exporteure seien von 765 auf 665 US-Dollar und für Importeure von 1.125 auf 587,50 US-Dollar gesunken. Auch die Bearbeitungszeiten seien drastisch zurückgegangen.

Weitere Verbesserungen erwartet die Weltbank mit dem Inkrafttreten des neuen Zollkodexes der EAWU am 1. Januar 2018. Die Einreichung von schriftlichen Zollerklärungen soll in Zukunft nur in Ausnahmefällen zulässig sein. Zudem soll die Einreichung der Zollerklärung grundsätzlich ohne die Vorlage von Begleitunterlagen erfolgen.

Darüber hinaus wird die Zollerklärung künftig Informationen über Käufer und Verkäufer, die Marke der einzuführenden Produkte, die Methode der Zollwertberechnung sowie über die Herkunft der markenrechtlich geschützten Waren enthalten.

Thorsten Gutmann
Über den Autor

Thorsten Gutmann war von September 2016 bis Dezember 2018 Chefredakteur der unabhängigen Nachrichtenseite Ostexperte.de in Moskau. Derzeit arbeitet er als Nachrichtenchef bei der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK). Bevor er zu Ostexperte.de kam, war er u. a. für die Moskauer Deutsche Zeitung und die Berliner Zeitung tätig. Im Jahr 2017 gründete er die RUSummit – Fachkonferenz zur Digitalwirtschaft in Russland mit dem Ziel, den deutsch-russischen Wirtschaftsdialog zu fördern.