Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Rufil Russia Consulting

Philipp RoweVon

Anfang Februar 2009 fand in Moskau zum dreizehnten Mal die die „Aqua-therm„, Russlands führende internationale Fachmesse für Heizung, Lüftung, Klima, Sanitär, Umwelt- und Schwimmbadtechnik statt. Zum ersten Mals seit 1997 wurde diese Ausstellung auf dem Gelände des Crocus Expo International Exhibition Center und getrennt von der gleichzeitig stattfindenden Messe „International Pool Salon“ durchgeführt. 18 deutsche Unternehmen, 14 davon auf dem deutschen Gemeinschaftsstand nahmen an dieser Messe teil und stellten den russischen Fachbesuchern ihre Marken und Produkte vor. Lesen Sie weiter, um zu erfahren, was die deutschen Aussteller über Messe, Markt und Energieeffizienz in Russland sagen.

„In den vorigen Jahren waren wir fast 40 deutsche Aussteller. Alle Schwimmbadaussteller sind diesmal weggeblieben.“, erklärt mir Dieter C. Rangol, Geschäftsführer des Bundesverbandes Schwimmbad & Wellness e.V. die in diesem Jahr relativ geringe deutsche Beteiligung. Außerdem gebe es im ersten Halbjahr 2009 allein in Moskau vier verschieden Pool-Messen. Die Aussteller wüßten da einfach nicht, für welche Messe sie sich entscheiden sollten. Mit der Besucherzahl sei man aber zufrieden.

Durch direkte Anfragen bei neun deutschen Unternehmen der Schwimmbadbranche, wurden mir die Aussagen des Verbandsvorsitzenden bestätigt. „Gerade in Moskau sind die Messkosten gravierend. Da müsste man schon sicher sein, dass man mit so einer Aktion den größten Kundenkreis anspricht. Bei so vielen deckungsgleichen Terminen in Moskau ist das momentan schwierig.“ so Herr Weber, kaufmännischer Leiter der deutschen Reinhardt-Plast GmbH, auf meine Frage, warum sein Unternehmen dieses Jahr nicht auf der Aqua-therm vertreten sei.

Auch die Dinotec GmbH hat in diesem Jahr nicht an der Messe teilgenommen. Stattdessen veranstaltete der deutsche Hersteller und Großhändler im Bereich Schwimmbadwasseraufbereitung eine eigene Hausmesse in Moskau. „Was auf der Aqua-therm läuft, kann man vergessen. Da wird kein Schwimmbadaussteller mehr hingehen.“ äußerte sich bewusst weniger diplomatisch Herr Joachim Schüller, der Gebietsverantwortliche für Osteuropa.

Ob Heizung, Klima, Lüftung oder Sanitär, deutsche Qualitätsprodukte sind in Russland gefragt und deutsche Unternehmen machen schon seit Jahren in diesen Bereichen gute Geschäfte. 14 deutsche Aussteller habe ich zu den Neuerungen der Branche, sowie zu ihrem aktuellen Russlandgeschäft befragt.

Als wichtigste Trends, die auf der Aquatherm 09 wahrzunehmen seien, wurden mir Entwicklungen hinsichtlich Wasseraufbereitung und Energiesparen in Russland, sowie die Anwendung weiterentwickelter Kunststoffe in diesen und weiteren Zusammenhängen genannt. So stellte die Kessel GmbH beispielsweise einen Regenablauf aus dem neuen Werkstoff Eco-Guss, einem Metall-Kunststoff-Gemisch, und die russiche Tochter der Rehau AG neuartige Systeme, Fittings und Schiebehülsen unter der Bezeichnung RAUTITAN PX vor.

Meine Frage, wie sich das Russlandgeschäft in den letzten Jahren entwickelt habe, wurde ausnahmslos mit gut bis sehr gut beantwortet. In den letzten Monaten hätten jedoch fast alle einen Nachfrageeinbruch gespürt. Die Aussichten fü die nächste Zukunft schätzte die Hälfte der Befragten neutral, die andere Hälfte negativ ein. Die starkte Abwertung des Rubels, die Kreditkrise und die negative Entwicklung der russischen Baubranche werden dabei als die aktuellsten Risiken wahrgenommen. Außerdem würden bürokratische Hürden vor allem bei Buchhaltung, Steuern und der Lizenzierung von Produkten die Geschäfte weiterhin behindern. Auch die Auswahl der richtigen russischen Vertriebspartner bezeichneten mehrere Aussteller als problematisch.

„Wenn der russische Häuslebauer und die russischen Mieter beginnen, über das Einsparen von Energie nachzudenken, ist das Thema Energieeffizienz für uns der Eintritt in den russischen Markt.“, antwortete Jürgen Hald, Exportleiter der KaMo Systemtechnik auf meine Frage, wo er das größte Potenzial für sein Unternehmen in Russland sehe. Energiesparen wurde auch von der Mehrzahl der auf dieser Messe Befragten als eine der aussichtsreichen Geschäftsfelder auf dem russischen Markt genannt. Das dafür nötige Umdenken im Energieverbrauch beginne in Russland jedoch erst und sei bis jetzt noch schwach entwickelt. Steigende Energiepreise würden aber schon jetzt Investitionen in energiesparende Technologie auch in Russland lohnend machen. Konkrete Anwendungsfelder werden in den Bereichen Heizung, Wasser, Abwasser, Sanitär, Öl- und Gas gesehen.

Aufgrund der guten Besucherzahlen und der hohen Qualität der Kontakte waren alle Befragten mit der Teilnahme and der Messe zufrieden oder sehr zufrieden. Marcello Gallio, Exportmanager der Bänninger Kunststoff-Produkte GmbH, bekannte: „Wir wurden überrascht. Unsere schlechten Erwartungen wurden nicht erfüllt.“ 13 von 14 befragten Unternehmen planen die Teilnahme an der Aquatherm 2010 in Moskau bereits jetzt fest ein.

Dieser Messereport Aqua-therm 2009 wurde zweimal veröffentlicht. Er ist im Februar 2009 unter dem Titel „Gewähr bei Fuß – Deutsche Investoren im Bereich Energieeffizienz warten auf einen Bewußtseinswandel beim russischen Verbraucher“ im Februar 2009 in der Moskauer Deutschen Zeitung und im April 2009 unter dem Titel „Aqua-therm 2009 – Deutsche Aussteller sehen Ihre Chancen im Umdenken beim Energieverbrauch in Russland“ im Mitgliederjournal der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer Moskau erschienen.

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Philipp Rowe
Über den Autor

Philipp Rowe ist Herausgeber und Gründer von Ostexperte.de. Seit 2007 lebt und arbeitet er als Unternehmensberater in Moskau und seit 2017 besucht er regelmäßig Shanghai und China. Zu seinen Hobbies und Interessen zählen Reisen, Lesen, Fremdsprachen, Surfen, Filmen und Business.

Seine Kunden sind in erster Linie deutsche und internationale Unternehmen, welche in Russland Geschäfte machen.

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