Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Rufil Russia Consulting

Klaus DormannVon

Real verfügbare Einkommen 2019 noch 7,5 Prozent niedriger als 2013

Auch wenn die russische Wirtschaft stabilisiert wurde, profitieren die Bürger vom Wachstum nur wenig. Im ersten Teil des Artikels finden Sie nähere Hinweise auf die Erholung der gesamtwirtschaftlichen Produktion, die Wachstumsentwicklung wichtiger Wirtschaftszweige und neue Prognosen des Wirtschaftsministeriums für 2020 und 2021. 

Teil 2: Entwicklung von real verfügbaren Einkommen und Reallöhnen

Die real verfügbaren Einkommen der russischen Haushalte begannen schon 2014 zu sinken, also ein Jahr vor dem Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Produktion im Jahr 2015. In den 4 Jahren von 2014 bis einschließlich 2017 verringerten sich die Einkommen um insgesamt 8,4 Prozent (2014: – 1,2 Prozent; 2015: – 2,4 Prozent, 2016: – 4,5 Prozent; 2017: – 0,5 Prozent; siehe Rosstat).

Die Erholung der real verfügbaren Einkommen war bisher sehr schwach.

  • 2018 nahmen sie nur um 0,1 Prozent zu, obwohl die Inflationsrate im Jahresdurchschnitt auf 2,9 Prozent sank.
  • 2019 wuchsen sie etwas rascher um 0,8 Prozent (Rosstat-Monatsbericht vom 28.01.2020; Seite 107 f.). Gedämpft wurde ihr Anstieg durch die im Jahresdurchschnitt 2019 beschleunigt steigenden Verbraucherpreise (+ 4,5 Prozent).

Damit waren die real verfügbaren Einkommen 2019 noch 7,5 Prozent niedriger als 2013.

Den tiefen Einbruch und die langsame Erholung der Einkommen zeigt die dunkle Linie der saisonbereinigten Quartalswerte in der folgenden Abbildung des Moskauer CMASF (Zentrum für makroökonomische Analyse und kurzfristige Prognosen), die allerdings das letzte Quartal 2019 noch nicht erfasst.

Real verfügbare Einkommen
(in Prozent des durchschnittlichen Quartalswertes 2013;
tatsächliche und saisonbereigte Werte)

Center for Macroeconomic Analysis and Short-term Forecasting, CMASF: Trends in the Russian Economy, Seite 13; 26.12.2019

Die prozentualen Veränderungen der Quartalswerte gegenüber dem Vorjahresquartal sind im Monatsbericht des Wirtschaftsministeriums in der folgenden Abbildung dargestellt. Die gelbe Linie zeigt die Veränderungsraten der real verfügbaren Einkommen, die blaue Linie die Veränderungsraten der Realeinkommen.

2019 beschleunigte sich der Anstieg der real verfügbaren Einkommen

Wirtschaftsministerium: Bild der Wirtschaftsaktivität – Januar 2020; 28.01.2020

Im vierten Quartal 2019 waren die real verfügbaren Einkommen 1,1 Prozent höher als im Vorjahresquartal (Anstieg im dritten Quartal: +3,1 Prozent).

Reallöhne deutlich stärker gestiegen als verfügbare Realeinkommen

Wenn die Medien über die soziale Lage und Einkommensentwicklung der russischen privaten Haushalte berichten, wird häufig nicht zwischen den verfügbaren Realeinkommen und den Reallöhnen unterschieden, obwohl sich die Reallöhne weit besser entwickelten (siehe folgende Abbildung von TradingEconomics.com). Im Rezessionsjahr 2015 sanken die Reallöhne zwar sehr stark um 9,0 Prozent. Anders als die verfügbaren Realeinkommen begannen sich die Löhne aber schon 2016 zu erholen (+ 0,8 Prozent). Ihr Anstieg beschleunigte sich in den beiden folgenden Jahren (2017: + 2,9 Prozent; 2018: + 8,5 Prozent). Damit waren die Reallöhne bereits 2018 wieder 2,4 Prozent höher als 2014, dem Jahr vor der Rezession.

Reallohn in Russland; Veränderung gegenüber Vorjahresmonat in Prozent

Für 2019 veröffentlichte Rosstat bisher für den Zeitraum Januar bis November einen weiteren Anstieg der Reallöhne um 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjaheszeitraum. Die Reallöhne dürften damit im Jahr 2019 rund 5 Prozent höher als vor der Rezession gewesen sein. Ihr Anstieg war also etwas stärker als das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts, das im Vergleich 2019 gegenüber 2014 nur um rund 4 Prozent zunahm.

Wie unterschiedlich sich Reallöhne und real verfügbare Einkommen entwickelten wird insbesondere in folgender Abbildung aus dem Dezember-Bericht „Talking Trends“ der Zentralbank deutlich. Die Reallöhne (rote Linie) stiegen seit 2016, während die real verfügbaren Einkommen (dunkle Säulen) sanken und auch 2018 noch fast stagnierten.

Veränderung der realen Haushaltseinkommen; Prozent gegenüber Vorjahr

Zentralbank: Konjunkturbericht der volkswirtschaftlichen Abteilung: О ЧЕМ ГОВОРЯТ ТРЕНДЫ Макроэкономика и рынки (Summary; nach 2 Wochen engl. Fassung: „Talking Trends“); S. 22; Pressemeldung: Domestic demand accelerates economic growth; 19.12.2019

Quellen und Lesetipps

Verfügbare Realeinkommen und Reallöhne 2019

Preisentwicklung im Dezember und im Jahr 2019

Titelbild

Titelbild: pixabay

Klaus Dormann
Über den Autor

war von 1980 bis 2015 Mitarbeiter der volkswirtschaftlichen Abteilung der Ruhrgas AG und der E.ON SE.