Thorsten GutmannVon

Walking Moscow: Besuch auf dem Preobraschenski-Markt in der russischen Hauptstadt

Willkommen zur neuen Ostexperte.de-Serie „Walking Moscow“, in der wir Ihnen die russische Hauptstadt fernab von touristischen Pfaden vorstellen. Heute: Der „Preobraschenski-Markt“. Er ist einer der schönsten Bauernmärkte in Moskau. Seine Farbpracht entfaltet er vor allem von Mai bis Oktober.

Ein Pensionär überreicht der Obstverkäuferin einen Eimer. „Bitte auffüllen!“, ruft er, und schon greift die freundliche Dame mit Goldzahn zur Schaufel. Zuerst fünf Kilo Himbeeren, danach fünf Kilo Blaubeeren. Ich helfe ihm, den prall gefüllten Eimer auf einen klapprigen Wagen zu hieven. „Für den Winter“, sagt er mit einem Lächeln auf den Lippen. Er greift anderthalbtausend Rubel (rund 20 Euro) aus dem Portemonnaie und zieht weiter.

Große Auswahl

Es ist ein Feuerwerk der Farben und Düfte: Frisches und eingemachtes Gemüse, Obst in großen Körben, Quark und Smetana, Nüsse, Trockenfrüchte, roher und geräucherter Fisch, heißes Gebäck aus dem Ofen, Salate und Kräuter sowie gigantische Wassermelonen aus Astrachan. Seit über 85 Jahren verkaufen russische, ukrainische, georgische und weißrussische Bauern ihre frischen Waren auf einem der ältesten Märkte in Moskau.

Kernlose Tafeltrauben, saftige Pfirsiche und Aprikosen.

Täglich von 8 bis 20 Uhr tagt der „Preobraschenski Rynok“ auf dem historischen Gelände eines orthodoxen Klosters aus dem 18. Jahrhundert. Oft wird davon gesprochen, dass er einer der wenigen Märkte sei, die noch ein wenig so aussehen wie die Kolchosmärkte der UdSSR. Neben dem Kloster, das heute wieder in Betrieb ist, liegt ein romantischer Friedhof. Auf dem Weg zur Metro-Station, nur wenige Schritte entfernt, verkaufen Babuschkas schmutzige Textilien und Obst in Plastikbechern.

Günstige Preise

Viele ältere Menschen wandern mit Rollkoffern zum Markt, der für seine günstigen Preise berühmt ist. Schnäppchenjäger finden nicht nur Nahrungsmittel, sondern auch Bekleidung, Blumen, Sanitäranlagen, Putzmittel und Geschirr. Wer in der Nähe lebt oder am Wochenende Zeit für einen Ausflug findet, erlebt eine wunderbare Abwechslung zu den künstlichen Auchan-Hypermärkten und den Shopping-Malls im Stadtzentrum.

Es gibt eine große Halle, in der Molkereiprodukte wie handgemachter Käse, Butter und Quark verkauft werden.

Moskauer Gastronomen schätzen den Bauernmarkt für seine üppige Auswahl. „Alles, was draußen verkauft wird, löst bei mir Begeisterung aus“, erklärte Narina Minasjan, Miteigentümerin des Cafés „Au Lait“, gegenüber dem Stadtmagazin Afisha. „Jedes Mal nehme ich mit, was ich tragen kann.“ Viele Händler seien auf ein bestimmtes Produkt spezialisiert. „Es gibt einen Kerl, der unglaublich leckere Maiskolben verkauft. Bei ihm steht immer eine Schlange.“

Gemüse wie auf der Datscha

Dies bestätigt Kristina Schipowa, Managerin einer Café-Kette in Moskau. Da sie unzählige Sommermonate bei ihrer Oma auf der Datscha verbracht habe, könne sie die Qualität der Waren bestätigen. „Auf dem Markt gibt es einen Vater mit seinem Sohn, die nur Tomaten verkaufen. Sie haben immer vier bis fünf interessante Sorten. Im August kommt Onkel Sascha mit Wassermelonen und Honigmelonen. Er ist vor Ort eine Berühmtheit – ein Garant für Qualität.“

Es gibt eine große Auswahl an rohen und geräucherten Fischen. Ebenfalls können dort Muscheln und Kaviar gekauft werden.

„Typisch Moskau“

Auch Alexander Jendowin, Miteigentümer des Bierrestaurants Brasserie Belge 0,33, kauft sein Gemüse auf dem „Preobraschenski Rynok“ im Osten der russischen Hauptstadt. „Das Gemüse wird auf einem riesigen Territorium verkauft. Dies ist stets eine Garantie für ideale Produktion und niedrige Preise.“ Zudem beobachte er, wie alte Damen nach dem Gottesdienst auf den Markt strömen, um mit den Händlern zu sprechen. Für Jendowin sei dies „typisch Moskau“.

Schwarze und rote Johannisbeeren, Himbeeren und Blaubeeren werden mit einer Schaufel in Eimer und große Tüten gehievt.

Das Spezialgebiet dieses Händlers sind zuckersüße Melonen.

Diese Gurken aus der Oblast Rjasan werden direkt aus dem Container verkauft.

Mehrere Händler verkaufen Trockenfrüchte sowie rohe und gebratene Nüsse.

Eine perfekte Auswahl für Suppen und Salate.

Die Preise für Gemüse, Obst & Co. sind hier deutlich niedriger als im Supermarkt.

Das ist der Eingang zum Preobraschenski-Markt in Moskau. Auch Sonnenbrillen und Textilien gehören zum Sortiment.


Adresse:

Preobraschenski Wal 17
107061 Moskau

Metro-Station: Preobraschenskaja Ploschad

Thorsten Gutmann
Über den Autor

ist Chefredakteur von Ostexperte.de.

Zuvor war er Autor der Moskauer Deutschen Zeitung und Online-Redakteur der Berliner Zeitung und des Berliner Kuriers.

 

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