Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Rufil Russia Consulting

Simon SchüttVon

Am 15. November führt Russland die Lkw-Maut ein.

Lastkraftwagen mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 12 Tonnen müssen ab 15. November für die Nutzung von föderalen Straßen in Russland eine Mautgebühr zahlen. 

Wenn Sie in Russland ab 15. November „Platon“ begegnen, dann hat das nichts mit dem antiken Philosophen zu tun. Dennoch sollten Sie „PLATON“ kennen, denn so heißt das neue elektronische ETC-Mautsystem (Electronic Toll Collection) für schwere Lastwagen in Russland. Der Name Platon leitet sich aus dem russischen „plati sa tonnu“ (dt.: Zahle pro Tonne) ab.

Die Lkw-Maut in Russland sollen künftig erhoben werden, um für die Schäden an den Straßen aufzukommen, die durch die schweren Fahrzeuge entstünden. Der Website des Systems (Englisch) zufolge sollen rund zwei Millionen Fahrzeuge von der Abgabe betroffen sein. Laut Rosawtodor, der Agentur zur Verwaltung nationaler Verkehrsstraßen, werden bis zu 58 Prozent aller Straßenschäden von Lkw mit einem zugelassenen Gesamtgewicht von mehr als zwölf Tonnen verursacht. Die geschätzten Einnahmen von bis zu 800 Millionen Euro im Jahr sollen für Reparaturen an den Straßen verwendet werden.

Lkw-Maut in Russland mit einem Jahr Verspätung

Eigentlich sollte die Maut bereits am 1. November 2014, also vor einem Jahr in Kraft treten, wurde aber wegen ungeklärter technischer Fragen verschoben. Mit Verordnung Nr. 474 vom 18. Mai 2015 wurde die Mauthöhe auf 3,73 Rubel pro Kilometer (ca. 6 Cent) festgelegt. Vor einem Jahr waren noch 3,50 Rubel vorgesehen. Die Höhe der Gebühren bestimmt die russische Regierung.

Zahlung per OBU oder Ticket im Vorfeld

Die Maut wird in den Transportern selbst elektronisch per On-Board-Unit (OBU) erhoben oder manuell per Maut-Ticket. Die Maut muss im Vorfeld bezahlt werden. Bußgelder für Verstöße liegen zwischen 5.000 (ca. 70 Euro) und 450.000 Rubel (ca. 6500 Euro). Für Wiederholungstäter sind zusätzliche Bußen vorgesehen.

Die Bewegungen der Fahrzeuge werden per Satelliten-Navigation von GLONASS oder GLONASS/GPS verfolgt und automatisch bearbeitet. Die Zahlungen werden wie in Deutschland über Signalbrücken über der Straße oder mobile Patrouillen kontrolliert. Laut PLATON-Website gibt es bislang 481 Signalbrücken und 100 Patroullien.

Lkw-Maut in Russland

Screenshot von der Website von PLATON mit dem Countdown oben.

Betrüger nehmen Gebühr für eigentlich kostenlose Registrierung

Weitere Informationen finden Sie auf der englischsprachigen Seite des Systems „PLATON“. Es wurde auch eine 24h-Hotline für Fragen eingerichtet. Auf der Online-Präsenz befindet sich derzeit ein Countdown, der die Zeit bis zum Inkrafttreten der Maut zählt. Die Registrierung ist kostenlos. Die offizielle Website warnt vor Betrügern, die dafür eine Gebühr verlangen.

Update nach der Einführung:

18.11.2015: Mittlerweile ist die Maut seit einigen Tagen in Kraft. Im Vorfeld der Einführung war es zu Protesten der Lkw-Fahrer und der Logistik-Branche gekommen. Als Reaktion darauf senkte die russische Regierung den Koeffizienten zur Mautberechnung (hier und hier finden Sie die entsprechenden Dokumente). Bis zum 29. Februar 2016 beträgt die Gebühr nun also 1,53 Rubel pro Kilometer, vom 1. März 2016 bis zum Ende des Jahre 2018 erhöht sie sich dann auf 3,06 Rubel pro Kilometer. Erst ab 1.1.2019 wird dann die ursprüngliche Gebühr von 3,73 Rubel erhoben. 

Weitere Informationen finden Sie zudem in unserer Tagesübersicht vom 16. November, einen Tag nach der Einführung der Maut.

Quellen:

Website des Systems PLATON

Artikel auf RBTH


Was halten Sie von der Einführung der Lkw-Maut? Inwiefern betrifft sie Ihr Russlandgeschäft? Schreiben Sie uns einen Kommentar unten, auf unserer Facebook oder unserer Twitter-Seite. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Fotoquelle

Quelle:

Titelbild und Screenshot von der Website des PLATON-Systems

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Simon Schütt
Über den Autor

war von September 2015 bis September 2016 Chefredakteur bei Ostexperte.de.

Derzeit arbeitet er bei der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer. Bevor er zu Ostexperte.de kam, war er Redakteur der Moskauer Deutschen Zeitung. Dort schrieb er vor allem für das Wirtschafts-, das Digital- und das Moskau-Ressort.

Der Berliner hat in Wien Publizistik- und Kommunikationswissenschaft studiert und dort bei der Österreich-Ausgabe des Werbe-, Marketing- und Medien-Fachmagazins Horizont gearbeitet.