Boris Johnson droht mit neuen Russland-Sanktionen

Großbritannien: Boris Johnson droht mit WM-Boykott und Russland-Sanktionen

Nach der mutmaßlichen Vergiftung des russischen Ex-Spions Skripal schlagen Russland deutliche Worte aus London entgegen. Außenminister Boris Johnson droht mit einem Boykott der WM – und neuen Wirtschaftssanktionen. Dies berichtet Wedomosti.

Der britische Außenminister Boris Johnson hat am Dienstag drastische Folgen für die russische Regierung in Bezug auf den mutmaßlich vergifteten Ex-Spion Sergej Skripal angekündigt. Dieser war am vergangenen Montag zusammen mit seiner 33-jährigen Tochter Julia bewusstlos auf einer Bank in Salisbury nahe London gefunden worden. Wie Johnson vor dem Parlament erklärte, werde London „angemessen und robust antworten“, sofern sich die geäußerten Verdächtigungen gegen den Kreml als Drahtzieher der Attacke erhärteten. So könne er sich im gegebenen Falle nur schwer vorstellen, dass das Vereinigte Königreich „normal“ bei der WM repräsentiert sein werde. Laut des 54-Jährigen ist es gut möglich, dass sich die Regierungsvertreter dazu entschließen werden, dem Wettbewerb fernzubleiben.

Johnson: Allein Großbritannien trotzt Russland

Neben eines möglichen Boykotts der kommenden Fußball-Weltmeisterschaft in Russland stellte Johnson neue Wirtschaftssanktionen in Aussicht. Auch wenn sich London hierfür selbst schade, so hoffe er doch, dass die Parlamentsmitglieder den Vorschlag der Regierung unterstützen werden. Mit den bisherigen Sanktionen habe man „der russischen Wirtschaft erheblichen Schaden zugefügt“. Man müsse alle nötigen Maßnahmen ergreifen, um dafür zu sorgen, dass die Bürger Großbritanniens geschützt und die eigenen Werte und Freiheiten verteidigt würden.

„Wir wissen nicht genau, was in Salisbury stattgefunden hat, aber wenn es so schlimm ist, wie es aussieht, handelt es sich um ein weiteres Verbrechen in der Litanei von Verbrechen, deren wir Russland beschuldigen können“, erklärte Johnson weiter vor dem britischen Parlament. Bisher sei das Vereinigte Königreich die weltweit führende Kraft bei dem Versuch, der „in vielerlei Hinsicht bösartigen und störenden Kraft“ Russlands etwas entgegenzusetzen. Eine Sprecherin des russischen Außenministeriums bezeichnete Johnsons Aussagen als „Unverschämtheit“. Ein Kreml-Sprecher signalisierte Bereitschaft, mit den britischen Behörden zusammenzuarbeiten.

Mögliche Parallelen zum Mord an Litwinenko

In seiner Rede nahm Johnson auch Bezug auf den einst in London attackierten russischen Agenten Alexander Litwinenko. Dieser war 2006 mit radioaktivem Polonium vergiftet und ermordet worden. In einem anschließenden Gerichtsverfahren wurde festgestellt, dass russische Geheimdienste Litwinenkos Tod herbeigeführt hätten. Im Fall von Skripal hat inzwischen die britische Anti-Terroreinheit übernommen. Laut Medienberichten von der Insel soll die Familie Skripals bereits mehrfach vor russischen Agenten gewarnt worden sein.

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