Patrick VolknantVon

Higher School of Economics: Wirtschaft tritt auf der Stelle

Die Moskauer Higher School of Economics (HSE) prognostiziert in einer neuen Analyse eine Stagnation der russischen Wirtschaft in den kommenden Monaten. Dies berichtet die Tageszeitung Wedomosti.

In einem kürzlich veröffentlichen Bericht mit dem Titel “Kommentare zu Staat und Wirtschaft” hat die HSE eine anhaltende Wirtschaftsstagnation für Russland prognostiziert. Vor kurzem hatte auch das russische Parlament in seiner Haushaltsplanung für 2018 bis 2020 durchblicken lassen, dass man für die nächsten Jahre keinen starken Aufschwung erwartet.

“Mit Blick auf die aktuellen Trends scheint das Szenario einer sich in den kommenden Monaten fortsetzenden Stagnation wahrscheinlicher als ein erneutes Wiederaufleben”, heißt es in dem neuen Report. So erwarte man unter anderem anhaltenden Stillstand in der russischen Industrie. Seit dem Wachstumshöhepunkt der Industrie im Mai von 5,8% seien die Zahlen stetig gefallen. Im vergangenen Oktober habe man schließlich nur noch einen kleinen Anstieg von 0,8% im Vergleich zum Vorjahr verzeichnen können.

Zwischenzeitige Erholung der Wirtschaft ist vorbei

Die kurzfristige Erholung der Gesamtwirtschaft hält der Bericht für erschöpft. Dies lasse sich auch daran erkennen, dass die Produktion von Grundstoffindustrien Mitte 2017 auf das Niveau von Mitte 2014 gefallen sei. Auch bei den Nicht-Treibstoff-Exporten könne man eine problematische Situation feststellen. Diese hatten sich im Herbst dieses Jahres auf den Stand von Mitte 2014 erholt, dann aber an Schwung eingebüßt. Verantwortlich seien vor allem auf Schwierigkeiten im Maschinenbau sowie der Metall- und Chemieindustrie zurückzuführen. Unter den nicht-primären Rohstoffen stelle allein der landwirtschaftliche Güterexport, der seit Mitte 2011 zunimmt und auch 2017 eine steigende Tendenz aufweisen konnte, eine Ausnahme dar.

Die Wachstumsprobleme der russischen Wirtschaft spiegeln sich, so die HSE, auch in der Nachfrage durch inländische Haushalte wider. Diese sei Mitte 2016 an einem Tiefpunkt angelangt, von dem sie – trotz zwischenzeitigem Aufwärtstrend – vorerst nicht loskomme. Die negative Entwicklung im real verfügbaren Einkommen der russischen Bevölkerung führe dazu, dass die saisonalen Einzelhandelstarife weiterhin nahe der Null stünden.

Niedrige Einkommen halten Nachfrage am Boden

Auch die kürzlich von der Regierung angekündigten Sozialunterstützungen für einkommensschwache Familien werden laut der Experten wohl keinen merklichen Einfluss auf die Nachfrage nehmen. Dafür seien zu wenige Menschen mit niedrigem Einkommen von den Reformen betroffen. Wie in dem Report der HSE außerdem bemängelt, fließen zu viele Gelder des Haushaltes in unproduktive Ausgaben wie die Verteidigung oder andere volkswirtschaftliche Kapitalaufwände.

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Titelbild: Simon Schütt

Patrick Volknant
Über den Autor

ist Autor bei Ostexperte.de.

Der freie Journalist studierte Germanistik und Philosophie in Freiburg und Leipzig.

 

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