Eva LennartzVon

Fast 70% mehr legal vermietete Wohnungen in Moskau

Die Anzahl legal vermieteter Wohnungen in Moskau ist seit 2012 um 68 Prozent gestiegen. Dies sagte Wladimir Efimow, Leiter der Abteilung für Wirtschaftspolitik und Entwicklung der Stadt Moskau, gegenüber der russischen Wirtschaftszeitung Wedomosti.

Wladimir Efimow zufolge sind in den ersten neun Monaten dieses Jahres 27.329 Wohnungen in Moskau legal vermietet worden. Das seien 5% mehr als im gleichen Zeitraum im Vorjahr.

Die Anzahl der legal vermieteten Wohnungen sei aus Steuererklärungen oder Patentkäufen ersichtlich. Wer in Moskau eine Wohnung vermietet, sei dazu verpflichtet, die Mieteinnahmen unter der Einkommenssteuer anzugeben oder ein Patent zu kaufen.

Der Einkommenssteuersatz liege für Privatpersonen bei 13% und für Einzelunternehmer bei 6% plus Versicherungsbeiträge. Die Kosten für ein Patent seien von der Lage und Fläche der Immobilie abhängig. Laut Efimow betragen die Kosten für ein Patent derzeit 6% der möglichen Mieteinnahmen.

Als Berechnungsgrundlage der Mieteinnahmen dient die Marktmiete von Wohnungen in verschiedenen Moskauer Bezirken. Für eine Wohnung von 50 Quadratmetern im zentralen Moskauer Verwaltungsbezirk kostet das Patent monatlich 2.250 Rubel (ca. 33 Euro). Die Patentgebühr für eine vergleichbare Wohnung im nordöstlichen Moskauer Verwaltungsbezirk beträgt 1.500 Rubel (ca. 22 Euro).

2017 haben laut Efimow Eigentümer von 25.418 Wohnungen Steuern für vermieteten Wohnraum entrichtet. Der Rest soll Patente gekauft haben.

Steuereinnahmen nicht Hauptziel der Regierung

Seit Anfang des Jahres habe die Stadt Moskau mehr als 1,3 Mrd. Rubel (rund 18,8 Mio. Euro) Steuern aus Wohnungsvermietungen eingenommen. 2016 lagen die Steuereinnahmen bei 1,116 Mrd. Rubel (rund 16,2 Mio. Euro). Damit übertreffen die Steuereinnahmen der ersten neun Monate 2017 die Einnahmen des Vorjahres um 15%. Dennoch sei es nicht Hauptziel der Moskauer Stadtregierung, den Haushalt zu füllen, sondern man sei darum bemüht, die Legalisierung des Wohnungsmarktes voranzutreiben.

Seit mehr als fünf Jahren verfolge die Moskauer Regierung gemeinsam mit Justiz und Steuerbehörden eine Legalisierung des Mietmarktes, erklärte Efimow. Die Stadtverwaltung wolle mit Bezirksgerichten, Verwaltungsgesellschaften und Wohnungseigentümergemeinschaften zusammenarbeiten, um Informationen über vermietete Wohnungen zu sammeln und sie an die Finanzbehörde zu übermitteln.

Die Anwältin Margarita Sacharowa von der Rechtskanzlei „Jukow & Partner“ ist der Meinung, dass es oft schwierig genug sei, überhaupt zu beweisen, dass eine Wohnung vermietet werde.

Einschätzung des Moskauer Wohnungsmarktes schwierig

Eine Einschätzung des Volumens des Moskauer Mietmarktes ist fast unmöglich. Selbst große Portale, wie „Cian.ru“, „Avito“ oder „Yandex.Realty“ würden nicht das ganze Bild abbilden, erklärte Maria Schukowka, Geschäftsführerin der russischen Immobilienagentur „MIEL“.

Oksana Poljakowa, stellvertretende Leiterin der Abteilung Mietwohnungen bei der Immobiliengesellschaft „Incom“, schätzt, dass der reguläre Mietmarkt in Moskau 32.000 Wohnungen und 3.500 Zimmer umfasst. Dies seien jene Wohnungen, die von Datenbanken (ohne private Anzeigen) erfasst würden. Laut Poljakowa werden für diese Wohnungen jedoch nicht immer Steuern bezahlt. Insgesamt gebe es in Moskau 4,5 Millionen Wohnungen.

Auf dem Moskauer Mietmarkt würden Durchschnittswohnungen etwa 80-83% der Nachfrage und des Angebots ausmachen. Die beliebtesten und am häufigsten zur Miete angebotenen Wohnungen seien Ein- bis Zweizimmerwohnungen für einen Mietpreis zwischen 25.000 (rund 360€) und 40.000 Rubel (rund 580€). Dem Immobilienunternehmen „Incom“ zufolge ist der durchschnittliche Mietpreis in vier Jahren in der Durchschnittsklasse gesunken: Für Einzimmerwohnungen um 3,5% (29.850 Rubel/433€),  für Zweizimmerwohnungen um 13% (37.000 Rubel/537€) und für Dreizimmerwohnungen um 20% (45.677 Rubel/663€).

Eva Lennartz
Über den Autor

arbeitet seit September 2017 als Online-Redakteurin für die Nachrichtenseite Ostexperte.de in Moskau.

Bachelor-Abschluss in „European Studies“ (Maastricht University). Master of Arts in “Global Studies” – Studium in Wien, Santa Barbara (USA) und Wroclaw, Polen.

Großes Interesse an und diverse Auslandsaufenthalte in Osteuropa, unter anderem Tätigkeit als Projektassistentin in der Ostukraine und Praktikum bei der Konrad-Adenauer-Stiftung in Serbien.

 

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