Kritik an Schröder wegen Rosneft-Posten

Grünen-Kritik an Altkanzler: „Schröder wird zum bezahlten Diener Putins“

Gerhard Schröder soll Mitglied im Direktorium des russischen Energiekonzerns Rosneft werden. Bei einem Grünen-Abgeordneten erntet der SPD-Altkanzler heftige Kritik.

Der Grünen-Europaabgeordnete Reinhard Bütikofer fordert eine Distanzierung der SPD vom Altkanzler. Er sagte gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe:

„Schröders Verhalten ist schamlos. Er erniedrigt sich endgültig zu einem bezahlten Diener der Politik Putins. Die SPD sollte jetzt endlich erkennen, dass sich ihre Wege und die ihres Ex-Kanzlers scheiden müssen“

Auch der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrej Melnyk, kritisierte die Nominierung Schröders für einen Rosneft-Posten scharf:

„Dass ein ehemaliger Bundeskanzler und führendes SPD-Mitglied vom Kremlchef instrumentalisiert wird, indem er einen russischen Energie-Riesen leiten soll, der sich seit der Krim-Annexion auf der EU-Sanktionsliste befindet und mit dessen Erträgen der blutige Krieg gegen die Ukraine bis heute geführt wird, ist moralisch verwerflich.“

Zuvor veröffentlichte Boris Reitschuster einen kritischen Bericht in der Huffington Post:

„Schröders neue Jobs enthalten alles, was Sozialdemokraten erschaudern lässt: einen Spitzenjob in Russlands staatsmonopolistischem Kapitalismus, eine Zusammenarbeit mit einem früheren Stasi-Offizier, einen Firmensitz in einer Steueroase in der Schweiz und die Aussicht auf fürstliche Bezüge.“

Nominierung von Gerhard Schröder

Medienberichten zufolge soll der 73-jährige Altkanzler einen Posten im Direktoriumsrat („Board of Directors“) des Ölkonzerns Rosneft erhalten. Das Gremium entspricht weitgehend dem deutschen Aufsichtsrat (vgl. Info der Anwaltskanzlei Roedl & Partner). Zuvor meldeten Medien wie Spiegel und FAZ fälschlicherweise, dass er in den Rosneft-Vorstand berufen werden soll.

dpa-AFX veröffentlichte am 14. August eine Korrekturmeldung, dass Schröder nicht – wie am Vortag gemeldet – Mitglied im Vorstand, sondern im Aufsichtsrat von Rosneft werden könnte.

Bei Bild hat man diese Meldung offenbar nicht gelesen. Am 15. August veröffentlicht die Zeitung erneut einen Bericht, dass Schröder in den Rosneft-Vorstand berufen werden soll. Und Bild rechnet gleich aus, dass Rosneft 2016 einem Vorstandsmitglied im Durchschnitt fast 6 Millionen Euro zahlte.

Zurück zu den Tatsachen: Rosneft plant, seinen Direktoriumsrat von neun auf elf Mitglieder zu erweitern. Als neue zusätzliche Mitglieder sind offenbar Gerhard Schröder und der russische Energieminister Alexander Nowak vorgesehen. Schröder kandidiert für die Position eines „unabhängigen Direktors“, Nowak wurde als Vertreter der Russischen Föderation nominiert.

Die übrigen in der Regierungsmitteilung zur Wahl genannten Kandidaten sind derzeit bereits Mitglieder des Aufsichtsrates. Sie stellen sich also zur Wiederwahl. Zu ihnen gehört auch Matthias Warnig, Geschäftsführer (Chief Executive Officer) der Nord Stream 2.

Gerhard Schröder ist Chef des Verwaltungsrates der geplanten Pipeline Nord Stream 2. Zudem ist er Vorsitzender des Aktionärsausschusses der Nord Stream AG, die für die Ostseepipeline Nord Stream 1 zuständig ist. „Die Einladung von Schröder ist durch seinen Einfluss im Westen und die engen Beziehungen zu Russland bedingt“, zitiert RBC den Osteuropa-Experten Alexander Rahr.

Lesetipps zur Wahl von Gerhard Schröder in den Rosneft-Aufsichtsrat („Direktoriumsrat“) als „Unabhängiger Direktor“:

Bild berichtet weiterhin, dass Schröder in den Vorstand soll

F. Piatov: Streit um Russland-Job: Lässt die SPD Schröder fallen? Bild, 15.08.2017

dpa-AFX korrigiert am 14.08. die Meldung vom 13.08.

dpa-AFX: KORREKTUR: Schröder Aufsichtsratskandidat für Ölkonzern Rosneft – Kritik; 14.08.2017

Erneute Berichte am 12./13. August, Schröder kandidiere für den Vorstand

Stephan Kaufmann: Politisch brisant: Gerhard Schröder soll beim größten russischen Ölkonzern einsteigen; Mitteldeutsche Zeitung, 13.08.2017

Die Presse/APA/AFP: Gerhard Schröder soll in Vorstand des russischen Ölkonzerns Rosneft; 12.08.

AFP/Donaukurier: Altkanzler Gerhard Schröder soll in Rosneft-Vorstand aufgenommen werden; 12.08.

Regierungsmitteilung zu Kandidaten für die Wahl des Direktoriumsrates und rbc-Bericht

rbc.ru: Правительство выдвинуло Герхарда Шредера в совет директоров «Роснефти»;  The government nominated Gerhard Schroeder to the board of directors of Rosneft; 11.08.2017

Russische Regierung: Mitteilung zur Wahl des Rosneft-Direktoriumsrates; 10.08.2017

Erster Ostexperte-Bericht zur Kandidatur Schröders für den Aufsichtsrat am 07.08.2017

Ostexperte.de: Gerhard Schröder als Rosneft-Direktor nominiert; 07.08.2017

Weitere Berichte zur Kandidatur Schröders

Boris Reitschuster: Die unglaubliche Causa Schröder; HuffPost, 06.08.2017

Julia Kusznir: Gnose Rosneft; Dekoder.org; 04.08.2017

Erste Berichte deutscher Medien, Schröder kandidiere für den Vorstand

BILD: Bei russischem Gas-Riesen: Schröder könnte 3 Mio. Euro verdienen; 06.08.2017

Thielko Grieß: Russischer Ölkonzern nominiert Gerhard Schröder für Vorstand; DLF, 04.08.2017

BILD: Streit um die Nord-Stream-Pipeline – Wie viel Einfluss hat Schröder noch auf die SPD – Ab September ist der Gazprom-Lobbyist auch im Vorstand von … Rosneft; 03.08.2017

Erster RBC-Bericht zur Kandidatur Schröders für den Aufsichtsrat am 03.08.

RBC.ru: Доказал полезность: зачем в «Роснефть» пригласили экс-канцлера ФРГ; Has proved useful: Why „Rosneft“ invited ex-chancellor of Germany; 03.08.2017

Titelbild
[toggle title=“Fotoquelle“ open=“yes“]Campus Symposium GmbH, Gerhard Schroeder CS, Size changed to 1040×585 px., CC BY-SA 3.0 DE