Eva LennartzVon

Volkswagen beschränkt Fahrzeugverkauf auf der Krim

Der Wirtschaftszeitung Wedomosti zufolge hat Volkswagen die Händler auf der Krim mit einem Schreiben daran erinnert, dass der Verkauf von Kraftfahrzeugen zu besonderen Zwecken und zur Beförderung von zehn oder mehr Personen auf der Krim verboten ist. Diese Beschränkungen hängen mit den EU-Sanktionen gegen Russland zusammen.

Aufgrund der EU-Sanktionen gegen Russland ist die Lieferung von Kraftfahrzeugen auf die Halbinsel Krim nur eingeschränkt möglich. Verboten ist der Export von Autos, die zur Beförderung von zehn oder mehr Personen bestimmt sind. Betroffen sind auch Nutzfahrzeuge wie Abschlepp- oder Kranwagen. Ebenso dürfen keine Ersatzteile für diese geliefert werden. Der Europäische Rat hatte die wegen der „illegalen Annexion“ der Krim verhängten Sanktionen zuletzt bis zum 23. Juni 2018 verlängert.

Nun sollen Händler auf der Krim ein Schreiben der Volkswagen Group Rus erhalten haben. Laut Wedomosti erinnert VW daran, dass der Direktverkauf von Fahrzeugen und Ersatzteilen sowie der Verkauf über Zwischenhändler auf der Krim verboten ist. Der Geschäftsführer der russischen VW-Tochter, Marcus Osegowitsch, soll das Dokument unterzeichnet haben.

Der Empfang des Schreibens wurde Wedomosti von zwei unabhängigen Autohändlern bestätigt. Ein Sprecher des Volkswagen-Konzerns in Russland kommentierte den Vorfall jedoch nicht.

Mögliche Reaktion auf Siemens-Affäre

Dass das Schreiben ausgerechnet jetzt versandt worden ist, könnte eine Folge der Affäre um sanktionswidrig auf die Krim gelieferten Siemens-Turbinen sein. Entgegen vertraglicher Vereinbarungen hatte ein russisches Unternehmen von Siemens hergestellte Gasturbinen auf die Halbinsel geliefert (Ostexperte.de berichtete).

Die Verletzung der Sanktionen könnte zu „ernsthaften wirtschaftlichen Konsequenzen“ und zur „Verweigerung der Einfuhr von Lastkraftwagen, Spezialtechnik und Bussen mit mehr als 10 Sitzen in die Russische Föderation“ führen, geht aus dem Schreiben hervor.

Volkswagen will Zusammenarbeit mit GAZ vertiefen

Volkswagen selbst fertigt keine Spezialtechnik in Russland. Laut Wladimir Bespalow, Kapitalanalyst bei der russischen VTB Bank, sei es kein Problem, Ersatzteile für Volkswagen-Lkw in Russland zu finden. In dem Bereich seien die russischern Fahrzeughersteller KAMAZ und das Gorkier Automobilwerk (GAZ) Marktführer.

Volkswagen habe die Absicht, die Zusammenarbeit mit GAZ bei der Herstellung von Großraumtransportern zu intensivieren.

VW-Fahrzeugkauf auf der Krim dennoch möglich

Spezialtechnik und VW-Busse könnten auf der Krim trotzdem gekauft werden, versicherte ein anonymer Verkaufsberater gegenüber Wedomosti. Ihm zufolge können Kunden über einen der größten Autohändler auf der Krim das gewünschte Fahrzeug bestellen. Das Fahrzeug werde zunächst in Moskau, Nowosibirsk oder Krasnodar registriert und anschließend auf die Krim geliefert. Das gleiche Verfahren gelte für Ersatzteile.

Alternativ Fahrzeuge aus China?

Der VTB-Kapitalanalyst Bespalow merkte an, dass es ebenso möglich ist, Technik und Lkw aus China zu kaufen. Der Markt für chinesische Fahrzeuge auf der Krim sei jedoch nicht groß genug, um einen Einfluss auf den gesamten Automobilmarkt in Russland zu nehmen. Schwere Lkw seien eine Nische auf dem russischen Markt – und inländische Lkw im unteren Preissegment angesiedelt.

Erste Fahrzeuge aus China gibt es bereits in Russland: Im August gab die chinesische Dongfeng Motor Group bekannt, dass sie zwei Modelle mittelschwerer Lkw und zwei Muldenkipper-Modelle verkaufen wird. Insgesamt hat das Unternehmen bereits 6.000 Fahrzeuge in Russland verkauft, darunter überwiegend Kippfahrzeuge.


Titelbild: KGC626VW Cargo models, Size changed to 1040x585px., CC BY-SA 4.0.

Eva Lennartz
Über den Autor

arbeitet seit September 2017 als Online-Redakteurin für die Nachrichtenseite Ostexperte.de in Moskau.

Bachelor-Abschluss in „European Studies“ (Maastricht University). Master of Arts in “Global Studies” – Studium in Wien, Santa Barbara (USA) und Wroclaw, Polen.

Großes Interesse an und diverse Auslandsaufenthalte in Osteuropa, unter anderem Tätigkeit als Projektassistentin in der Ostukraine und Praktikum bei der Konrad-Adenauer-Stiftung in Serbien.

 

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