Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Thorsten GutmannVon

Zentralbank plant Register für Prüfungsgesellschaften

Laut Zentralbank arbeiten zu viele Audit-Unternehmen in Russland unzuverlässig. Deshalb plant sie ein Register für Prüfungsgesellschaften und strengere Vorschriften. Dies berichtet die russische Online-Zeitung Gazeta.ru.

Es ist davon auszugehen, dass ab 2018 die Ermächtigung zur Lizenzierung von Prüfungsgesellschaften vom Finanzministerium an die Zentralbank übergeht. Denn das höchste Kreditinstitut des Landes hat festgestellt, dass eine Vielzahl von Audit-Unternehmen in Russland unzuverlässig arbeitet und fehlerhafte Bilanzen erstellt.

Die Kritik der Zentralbank bezieht sich zunächst auf 50 Unternehmen, die mit der Prüfung von bis zu 150 Banken beauftragt waren. Nun plant die Zentralbank, die Vorschriften an Rechnungsprüfer zu verschärfen. Voraussichtlich wird dies nicht nur die Kosten für die Prüfung erhöhen, sondern auch zum Marktrückzug kleiner Unternehmen führen.

Qualitätskontrollen bisher unzureichend

Die Staatsduma will im Herbst 2017 über den Gesetzesentwurf entscheiden. Zunächst sollen nur Vorschriften für Audit-Unternehmen verschärft werden, deren Kunden aus dem Bankwesen stammen. Allerdings rechnen Experten damit, dass auch andere Prüfungsgesellschaften in den nächsten Jahren von strengeren Vorschriften betroffen sein werden.

Bereits im Februar vergangenen Jahres kündigte die Zentralbank-Chefin Elwira Nabiullina neue Regulierungen an. Die selbstorganisierten Qualitätskontrollen der Prüfungsgesellschaften seien unzureichend, so Nabiullina. Nun will die Zentralbank ein obligatorisches Register für Audit-Unternehmen ins Leben rufen.

Vorschriften für Mitarbeiter und Chefs

Um im Register aufgenommen zu werden, müssen Rechnungsprüfer zahlreiche Anforderungen erfüllen. Demnach soll es ab 2018 erforderlich sein, dass mindestens 12 Auditoren mit geeigneter Qualifikation im Unternehmen angestellt sind. Ebenso darf die Glaubwürdigkeit des Unternehmens innerhalb der letzten drei Jahre nicht angezweifelt worden sein.

Auch die Führungskräfte von Audit-Unternehmen werden mit neuen Vorschriften konfrontiert. Unter anderem dürfen Chefs von Prüfungsgesellschaften in Zukunft nicht vorbestraft sein. Ebenfalls muss ein Nachweis über ausreichende Berufserfahrung vorgelegt werden. Auch darf die Chefposition nur als Haupttätigkeit ausgeführt werden.

Experten erwarten Marktveränderung

Der Geschäftsführer der russischen „Ultima-Bank“ kommentiert: „Die Initiative der Zentralbank ist eine ernsthafte Erhöhung der Anforderungen an Auditoren im Bankwesen. Die Unternehmen werden hochqualifizierte Mitarbeiter anstellen sowie mehr Zeit und Ressourcen aufbringen müssen.“ Dies könnte den Markt stark verändern, glaubt er.

„Die Gewinner sind profilierte Audit-Unternehmen sowie große Unternehmen. Doch mittlere und kleine Unternehmen müssen ernsthaft investieren, um die Anforderungen der Zentralbank zu erfüllen. Dementsprechend wird sich auch der durchschnittliche Preis für Audit-Dienstleistungen erhöhen“, erklärt der Banker gegenüber Gazeta.ru.

Titelbild

Quelle: kremlin.ru 

Thorsten Gutmann
Über den Autor

Thorsten Gutmann war von September 2016 bis Dezember 2018 Chefredakteur der unabhängigen Nachrichtenseite Ostexperte.de in Moskau. Derzeit arbeitet er als Nachrichtenchef bei der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK). Bevor er zu Ostexperte.de kam, war er u. a. für die Moskauer Deutsche Zeitung und die Berliner Zeitung tätig. Im Jahr 2017 gründete er die RUSummit – Fachkonferenz zur Digitalwirtschaft in Russland mit dem Ziel, den deutsch-russischen Wirtschaftsdialog zu fördern.