Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Rufil Russia Consulting

Dominik KalusVon

Der russische IT-Gigant im Überblick

Yandex-Suche, Yandex-Taxi, Yandex-Maps: In Russland kommt man an dem Internetriesen nicht vorbei. Womit das Unternehmen groß geworden ist – und was es vor hat.

Zum 20. Geburtstag kam sogar Präsident Putin in die Unternehmenszentrale. Er informierte sich über KI, selbstfahrende Autos und unterhielt sich als einer der ersten mit dem Sprachassistenten „Alice“ – damals vor zwei Jahren noch in der Lernphase. In dem Artikel darüber bringt es die MDZ auf den Punkt: „Yandex schafft, was Russlands Anspruch ist, aber selten gelingt: dem Westen auf Augenhöhe zu begegnen.“

Die russische Suchmaschine (registriert ist das Unternehmen in den Niederlanden) hat einen Anteil von über 56 % an den Suchanfragen in Russland. Nach Seitenaufrufen via Desktop ist Yandex die fünftgrößte Suchmaschine der Welt. Mittlerweile ist die IT-Firma das wertvollste russische Internet-Unternehmen, nachdem es im Frühjahr 2017 „Mail.ru“ vom ersten Platz verdrängt hat.

Yandex ist spezialisiert auf die russische Sprache

Der Erfolg ist dabei zunächst schnell erklärt: Yandex ist spezialisiert auf die Suche mit kyrillischen Schriftzeichen und liefert somit für das russischsprachige Netz zuverlässigere Ergebnisse als die Konkurrenz. Auch die Navigation ist besser auf russische Verhältnisse angepasst. In vielen Städten teilen sich mehrere Häuserblocks mit verschieden nummerierten Eingängen eine Adresse, was herkömmliche Kartenanbieter und Touristen gleichermaßen verwirrt.

Gegründet hat die Firma 1997 der in Kasachstan geborene Arkadi Wolosch mit seinem Jugendfreund Ilja Segalowitsch. Laut ZEIT erfolgte die Registrierung eine Woche nachdem Google an den Start ging. Yandex nur als das „russische Google“ abzutun, ist dabei nicht immer fair: Mit dem eigenen Kartendienst und der News-Plattform war der russische Anbieter früher dran als der US-amerikanische Marktführer.

Aber nicht nur das Angebot, auch die Unternehmenskultur ähnelt sich: Im Yandex-Hauptquartier gibt es keine festen Arbeitszeiten, dafür laut SPON einen schallisolierten Musikraum mit Schlagzeug und  E-Gitarre. Nachwuchskräfte rekrutiert der Konzern über eine hauseigene „Schule für Datenanalyse“ und ein gemeinsames Masterprogramm mit einer Staatsuniversität.

Lieferanten von YandexFoods in Moskau. Foto: vovidzha / Shutterstock.com

 

Heute beschäftigt Yandex nach eigenen Angaben 10.000 Mitarbeiter in neun Ländern und betreibt Russlands größtes Servernetzwerk. Profitabel ist das Unternehmen seit 2002 und Gründer Wolosch längst Milliardär. Der Großteil des Gewinns wird dabei durch suchbasierte Online-Werbung eingenommen, was nach Unternehmensauskunft der „Kern“ des Geschäftsmodells bleiben soll.

Aber abseits dieses Kerns ist Yandex längst in anderen Bereichen aktiv: 2011 ging Yandex-Taxi an den Start, das seit 2018 mit der US-amerikanischen Plattform Uber kooperiert. Das Prinzip ist dasselbe: Per Handyapp können Nutzer Fahrer in ihrer Nähe orten und sich für einen von der Strecke abhängigen Festpreis navigieren lassen. Laut SZ ist Yandex-Taxi mittlerweile der größte Taxi-Dienst in Russland.

Die Zukunft fest im Blick

Genau wie die charakteristischen gelben Taxis gehören die gelben Essenskuriere von Yandex-Foods mittlerweile zum Stadtbild in Russlands Metropolen. Der Lieferdienst ist dabei nur einer von über 20 Produkten der Marke, die Wikipedia auflistet. Es gibt einen Übersetzer, einen Cloud-Service, eine Musikplattform. Laut dem Handelsblatt arbeitet der hauseigene Videodienst eifrig daran, dem Unterhaltungsanbieter Netflix mit eigenen Serien und Filmen Konkurrenz zu machen.

Auch bei den sogenannten Technologien der Zukunft will Yandex vorne mitmischen. Vor kurzem ging die Meldung von Helikopter-Taxis des russischen IT-Konzerns durch die Medien, die ersten autonomen Fahrzeuge des Anbieters sind schon auf Moskaus Straßen unterwegs. Und auch der Sprachassistent Alice ist mittlerweile für iOS, Android und Windows verfügbar. Er ist auf die Eigenheiten der russischen Sprache spezialisiert – und damit in Russland am erfolgreichsten.

Fotoquelle

Titelbild: vovidzha / Shutterstock.com

 

Dominik Kalus
Über den Autor

hat in Passau und Breslau u.a. Internationale Politik und Politische Philosophie studiert. Nach einem Praktikum bei der Süddeutschen Zeitung und freiem Arbeiten für verschiedene Online- und Printmedien schreibt er derzeit aus Moskau für Ostexperte.de.