Johanna JaschikVon

Russland: Xenia Sobtschak kandidiert gegen Putin

Die Kreml-Kritikerin und liberale Journalistin Xenia Sobtschak will bei der kommenden Präsidentschaftswahl 2018 in Russland gegen Wladimir Putin kandidieren. Dies berichtet das Handelsblatt.

In einem Videoclip gab die Journalistin und TV-Moderatorin Xenia Sobtschak bekannt: „Ich trete für die Präsidentschaft an.“ Bereits seit Wochen kursieren Gerüchte über ihre Kandidatur. Anfang September hatte die Zeitung Wedomosti unter Berufung auf anonyme Quellen in der Präsidentenverwaltung berichtet, dass der Kreml angeblich einen weiblichen „Sparringspartner“ für Amtsinhaber Wladimir Putin sucht.

Junge Leute, die 18 Jahre alt seien und erstmalig das Wahlrecht wahrnehmen dürften, sollten eine Alternative zur bisherigen Politik haben, erklärte Sobtschak. „Ich bin dagegen. Ich möchte die Möglichkeit zurückbringen, gegen alle zu stimmen.“ Auch gab die 36-jährige Journalistin bekannt, dass sie eine Verbündete des Regierungskritikers Alexei Nawalny sei, der sich aktuell zum dritten Mal in diesem Jahr in Haft befindet.

Sobtschak erklärte, ihre Kandidatur zurückziehen zu wollen, falls Nawalny es trotz Inhaftierung schaffe, sich als Präsidentschaftskandidat aufstellen zu lassen, so der britische Guardian. Dieser hatte jedoch Sobtschak laut Spiegel Online vorgeworfen, eine „liberale Witznummer“ in „einem ziemlich widerlichen Spiel des Kreml“ zu sein.

Eine Alternative oder vom Kreml gewünscht?

Kritiker vermuten hinter Sobtschaks Kandidatur eine vom Kreml organisierte Opposition. Sie solle die jungen Liberalen Russlands vereinen und damit eine Alternative zu Nawalny stellen, heißt es im Handelsblatt. Ebenso ist sie die Tochter des im Jahre 2000 verstorbenen Politikers Anatoli Sobtschak. Dieser war bis zu seinem Tod Bürgermeister von St. Petersburg und galt als politischer Ziehvater von Wladimir Putin und Dmitri Medwedew.

Ob der aktuelle Präsident Wladimir Putin erneut kandidiere, wurde noch nicht bekanntgegeben. Allerdings erwartet die russische Öffentlichkeit seine Kandidatur. Offiziell haben die Anwärter auf das Präsidentschaftsamt bis Dezember Zeit, ihre Aufstellung zu verkünden.

Titelblatt

Quelle: Evgeniy Isaev from Moscow, Russia, Kseniya Sobchak (7174599660), Size changed to 1040×585 px., CC BY 2.0

Johanna Jaschik
Über den Autor

ist Autorin bei Ostexperte.de.

Seit September 2017 absolviert sie ein Praktikum bei der deutsch-russischen Unternehmensberatung Artax Rufil Consulting in Moskau.