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Firmengründer Philipp Rowe im Interview

Der deutsche Geschäftsmann Philipp Rowe kam 2007 nach Russland, um in Moskau eine Unternehmensberatung zu gründen. Warum er vorher eigentlich nie nach Russland wollte und wie sich daraus eine Vision entwickelte – verriet er Ostexperte.de im Interview.

Firmengründer Philipp Rowe.

Herr Rowe, wie kam es dazu, dass Sie in Russland Fuß fassten?

Vor etwa 20 Jahren stellte mir mein Großvater – ein deutscher Professor mit guten Verbindungen nach Russland – eine Frage: ob ich Lust hätte, nach Russland zu gehen. Damals konnte ich mir das überhaupt nicht vorstellen. Ich sprach die Sprache nicht, ich kannte dort auch niemanden. Ich war an allen anderen Dingen interessiert, nur nicht an Russland. Und die Stereotypen und Assoziationen, die ich über Russland hatte, waren eher negativ.

Zum Beispiel?

Alles, was ich über Russland wusste, kam aus Filmen. Ich hatte immer die Bilder der Hollywood-Filme im Kopf. Zum Beispiel „Rocky IV“ mit dem guten amerikanischen Boxer und dem bösen Jungen aus Russland. Oder die Rambo-Filme. Oder die James-Bond-Filme. In diesen Filmen waren Russland und die Russen immer kalt, geheim oder gefährlich. Als mein Großvater mich also bat, nach Russland zu gehen, habe ich sofort abgelehnt. Wegen dieser Bilder. Aber dann kam ich ins Nachdenken: Waren all diese Gestalten aus den Filmen nicht auch super interessant? Ich wurde irgendwie aufgeregt, wollte etwas Neues sehen und beschloss, Russland eine Chance zu geben.

Und wie waren die ersten Erfahrungen?

Meine erste Reise nach Russland begann per Zug. Und ich fuhr nicht nach Moskau oder Sankt Petersburg, sondern nach Tambow. Eine typische russische Provinzstadt, den meisten Ausländern unbekannt und innerhalb Russlands bekannt nur für seine Wölfe und seinen Wodka.

Ich war sehr überrascht zu sehen, dass Russland viel besser ist als sein Ruf. Die Russen, die ich traf, waren alle sehr freundlich zu mir, ich fühlte mich immer sehr willkommen. Auch habe ich erkannt, dass es hier in allen Bereichen einen großen Bedarf an Reparaturen, Renovierungen und Modernisierungen gibt. Und dass westliche Waren und Unternehmen in Russland sehr beliebt sind. Dies ist eine sehr gute Kombination für Geschäfte. Meine Idee war geboren: ein internationales Beratungsunternehmen in Russland zu gründen, das internationale Unternehmen dabei unterstützt, Geschäfte in Russland zu machen.

Diese Idee wurde zu meinem Traum und motivierte mich mehrere Jahre lang, an der Universität und in der Praxis hart zu arbeiten, um alles Mögliche über Russland, seine Wirtschaft, die internationalen Beziehungen, die Sprache und natürlich über die Geschäftspraktiken zu erfahren.

Schließlich traf ich die Entscheidung, meinen guten Job in einem der weltweit größten Logistikunternehmen zu kündigen und meine eigene Beratungsfirma in Moskau zu gründen.

Rückblickend eine gute Entscheidung?

Es war die beste Erfahrung. Ich lernte, was es bedeutet, eine eigene Firma in Russland zu registrieren, die Arbeitserlaubnis, die Registrierungsadresse, eine ganze Reihe von steuerlichen und rechtlichen Fragen gleichzeitig zu organisieren und wie man administrative und bürokratische Hindernisse überwindet.

So erfuhr ich am eigenen Leib, wie es in Russland wirklich zugeht und was ausländische Firmen am meisten brauchen. Ich habe das Unternehmen alleine gestartet, aber ich habe sehr schnell gelernt, dass man die Hilfe von russischen Experten braucht. Also habe ich Schritt für Schritt ein Team aus russischen Anwälten, Steuerberatern, Buchhaltern, IT-Experten, Marktforschern und Unternehmensberatern zusammengestellt – sehr gute Experten, jeder auf seinem eigenen Gebiet. Aber alle vereint in einem Team, mit einer Mission und einem Ziel: Internationale Unternehmen bei ihren Geschäften in Russland zu unterstützen.

Rufil Russia Consulting:

Recht, Steuern und Unternehmensberatung in Russland

Philipp Rowe ist Gründer und Geschäftsführer von Rufil Russia Consulting. Die deutsche Unternehmensberatung existiert seit 2007, seitdem hat sie mehr als 200 Unternehmen aus der ganzen Welt bei der Gründung und in ihrem Russlandgeschäft unterstützt. Die Arbeitssprache ist Englisch, die Mitarbeiter sprechen Deutsch, Russisch und weitere Fremdsprachen. www.rufil-consulting.com

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Titelbild: Quelle: EvgenySHCH / Shutterstock.com

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