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Uljukajews Aussagen zur Wirtschaft im aktuellen FAZ-Interview

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat heute ein Interview mit dem russischen Minister für Wirtschaftsentwicklung, Alexej Uljukajew, veröffentlicht. Es ist offenbar im Rahmen des Deutschland-Besuchs des Ministers vergangene Woche entstanden. Wir haben hier die wesentlichen Aussagen im Bezug auf russische Wirtschaft und die deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen zusammengefasst.  

  • Die Sanktionen: Trafen am Anfang deutlich, jetzt nicht mehr.
  • Die russische Wirtschaft hat sich gefangen. Wachstum wird ab August erreicht, für das gesamte Jahr 2016 wird ein leichter BIP-Rückgang von 0,2 Prozent erwartet.
  • Importsubstitution: Zwischen Substitution und Gegensanktionen besteht kein klarer Zusammenhang.
  • Deutsche Investoren: Russland ist momentan besonders günstig und tut etwas für die Attraktivität.

Zugegeben, diese Aussage tanzt etwas aus der Reihe. Dennoch ist sie bemerkenswert:

  • Käse: Man kann guten Käse in Moskauer Geschäften kaufen.

Sanktionen: Nicht mehr mit großen Folgen

Die Sanktionen hätten keine großen makroökonomischen Folgen mehr, sagte Uljukajew im FAZ-Interview. Man sei dennoch nicht glücklich damit. Er begrüße daher die zunehmenden Forderungen in Deutschland, die Sanktionen zurückzufahren. „Wir freuen uns über jede vernünftige Idee, auch über diese. Lassen sie uns wieder gemeinsam den Weg zu einem besseren Verhältnis einschlagen.“

Zu einer Aufhebung der Gegensanktionen sagte er: „Wenn es auf der einen Seite guten Willen gibt, dann wird es den auch auf der anderen Seite geben.“

Insbesondere am Anfang hätten die Finanzmarkt-Einschränkungen durch die Sanktionen große Auswirkungen gehabt. „Das tat den Unternehmen weh, vor allem in den Jahren 2014 und Anfang 2015. Denn sie hatten, anders als der russische Staat, hohe Auslandsschulden. Die mussten bedient werden, ohne dass die Unternehmen sich am Kapitalmarkt refinanzieren konnten. Das Ergebnis war ein großer Kapitalabfluss von mehr als 150 Milliarden Dollar 2014 und nochmals 57 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr.“

Als Konsequenz habe das die Zahlungsbilanz beeinflusst. Mit einer ganzen Reihe von Schwierigkeiten: Abwertung des Rubels, Inflation, Budgetproblemen. Jetzt sei die Lage besser, auch wegen des steigenden Ölpreises. Die Zahlungsbilanz sei positiv, die Inflation deutlich gesunken.

Wirtschaftsentwicklung: Langsame aber positive Dynamik, Wachstum ab August, BIP 2016: -0,2 Prozent

Im Interview zeigt sich Uljukajew darüber hinaus optimistisch über die russische Wirtschaft: Der Tiefpunkt sei Mitte 2015 überwunden worden. Die Nulllinie werde im August 2016 erreicht. Dann kehre man zu Wachstum auf monatlicher Basis zurück.

Es sei eine „sehr langsame, aber positive Dynamik“. Auf das gesamte Jahr umgerechnet werde man wohl einen leichten Rückgang um 0,2 Prozent sehen – vielleicht lande man sogar knapp oberhalb der Null.

Importsubstitution: Kein klarer Zusammenhang zu Gegensanktionen

Uljukajew bestritt erstaunlicherweise, dass es einen deutlichen Zusammenhang zwischen Gegensanktionen und Importsubstitution gebe: „Die Substitution hat wenig mit den Gegensanktionen zu tun. Sie ist vor allem eine Folge der weltwirtschaftlichen Lage und der Rubel-Abwertung. Dadurch wurde die Einfuhr viel teurer, die Nachfrage verschob sich zu heimischen Gütern.“

Man helfe nun den russischen Unternehmen die Produktion anzukurbeln. Am Anfang sei eine Folge gewesen, dass die Lebensmittelpreise stark anzogen. Das sei inzwischen Geschichte.

Deutsche Investoren: Russland ist momentan besonders günstig und tut etwas für die Attraktivität

Sein Werben um deutsche Investoren begründete er damit, dass die Unternehmen in Russland derzeit wirklich preiswert sein. „Unsere Arbeitskosten sind niedriger als in China, die Aktienpreise sind gesunken, alles ist billig.“ Wenn man zu Niedrigpreisen kaufe, bedeute das, dass man große Gewinne machen könne. „Jeder investierte Euro wird sich in wenigen Jahren vervielfachen“, stellte er in Aussicht.

Russland profitiere davon, weil Technologie transferiert werde und die Belegschaften qualifiziert würden. „Aber wir tun etwas dazu: Wir haben in vielen Bereichen der Energie- und Transportinfrastruktur Kosten gedeckelt. Wir gehen gegen Bürokratie vor und bekämpfen die Korruption“, behauptete Uljukajew.

Insbesondere im Bereich der Infrastrukutur seien deutsche Unternehmen eingeladen zu investieren.

Käse: Man kann guten russischen Käse in Moskauer Geschäften kaufen

Auch auf das ewige Käse-Thema wurde Uljukajew angesprochen: Es sei nicht schwer, guten Käse in russischen Geschäften zu kaufen, wie oft in deutschen Zeitungen geschrieben werde, entgegnete Uljukajew. „Natürlich können mal Spezialitäten fehlen, wie Parmesan-Käse“, räumte er aber ein. Aber guten russischen Käse gebe es.

RBC war das sogar eine Meldung wert: „Uljukajew hat den Deutschen von „gutem Käse“ in Moskauer Geschäften erzählt“.

Titelbild

Quellen: Alexej Uljukajew, Bild von Kremlin.ru.

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