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Bericht: Die Rubelabwertung wirkt stärker auf russischen Lebensmittelmarkt als Sanktionen

Einem Bericht zufolge, der das russische Lebensmittel-Embargo für westliche Lebensmittel untersucht, hatte die Rubelabwertung eine größere Auswirkung auf den Lebensmittelmarkt als das Embargo. Die verschiedenen Märkte haben sich unterschiedlich angepasst. Die Importe konnten aber nicht vollständig ersetzt werden. 

Von Andrej Schmidt, Exportmanagement Schmidt & Schmidt


Laut dem Bericht  „Lebensmittel-Embargo: Die Ergebnisse des Jahres 2015“, der von der Analytischen Zentrum der Regierung der Russische Föderation vorbereitet wurde, hat die Rubelabwertung eine wesentlich stärkere negative Auswirkungen auf den russischen Lebensmittelmarkt, als das Lebensmittel-Embargo, das als Antwort auf die westlichen Sanktionen eingeführt wurde.

Aus dem Bericht geht hervor, dass die Abwertung des Rubels und der Rückgang der Realeinkommen der russischen Bürger die Attraktivität der importierten Waren für die russischen Verbraucher stark reduzierte und sich dadurch stark und negativ auf den gesamten Markt auswirkte. Der Einfluss des Lebensmittel-Embargos sei dabei hingegen relativ gering gewesen.

Das wurde im Bericht untersucht

Die Experten analysierten die Dynamik der Importe in Russland von Grundnahrungsmitteln, die von dem Embargo betroffen sind, die Veränderung der Struktur der Exportländer, den Ersatz von Nahrungsmittelimporte durch eigene Produktion, die Veränderung der Position der Großhändler auf dem russischen Lebensmittelmarkt und die Auswirkungen des Embargos auf die Exportländer.

Das stellte der Bericht fest

Die Einführung des Lebensmittelembargos habe zu einer Veränderung der Positionen der bestehenden Akteure auf dem Markt geführt. Einige ausländische Händler hätten den Markt verlassen oder reduzierten ihren Marktanteil. Es gab eine Konsolidierung auf dem Fleisch- und Fischmarkt und einige neue kleine ausländische Importeure entstanden – zum Beispiel auf dem Käsemarkt. Außerdem habe es ein Wachstum der Anteile der Eigenmarken der russischen Handelsketten gegeben (das sind meist die günstigsten Produkte).

Die Experten stellen fest, dass die Qualität der Verbrauchsgüter gesunken sei. Vor allem durch den Rückgang der Realeinkommen entschieden sich die Verbraucher öfter für den Kauf von billigeren oder sogar gefälschten Produkten. In der Struktur der Ausgaben der Bevölkerung nahm der Anteil der Nahrungsmittelausgaben stark zu.

Importe konnten nicht vollständig ersetzt werden

Zugleich konnte Russland die Nahrungsmittelimporte aus den Ländern, gegen die Russland Vergeltungssanktionen verhängt hat, nicht vollständig ersetzen.

Im Bericht heißt es: „In einem Großteil der Produktkategorien findet keine Substituierung statt, die Produkte werden weder durch die eigene Produktion noch durch Importe aus Drittländer ersetzt“.

Wie sich die unterschiedlichen Märkte angepasst haben

Die Märkte hätten sich auf die aktuelle Situation auf verschiedene Weise angepasst:

  • Der Fleischmarkt über ein Wachstum der heimischen Produktion.
  • Der Fischmarkt vor allem durch den Rückgang des Fischkonsums zugunsten von Fleisch sowie durch die Umverteilung des Marktes zugunsten anderer Exportländer und mit dem Wachstum der inländischen Produktion.
  • Der Markt für Milchprodukte über das Wachstum der heimischen Produktion und über eine Verstärkung der Position weißrussischer Produzenten.
  • Der Obst- und Gemüsemarkt durch das Wachstum der nicht-industriellen Produktion im eigenem Garten/auf der Datscha und teilweise durch Umstellung auf andere ausländische Anbieter.

Schaden in Höhe von 9,3 Milliarden Dollar

Im Bericht wird geschätzt, dass die Einführung des russischen Embargos für Lebensmittelexporte aus der EU und aus den Vereinigten Staaten Kosten in Höhe von 9,3 Milliarden US-Dollar für die Exportländer verursacht habe. Die größte Auswirkung hatte die erste Welle des Embargos im August 2014.

Erweiterung des Embargos im Jahr 2015 auf Island, Albanien, Montenegro und Liechtenstein habe zusätzlich einen Schaden von 241 Million Dollar verursacht.

Geschichte des Lebensmittel-Embargos

Am 7. August 2014 verhängte Russland, als Reaktion auf die Entscheidung der Europäischen Union, ein Lebensmittel-Embargo für ein Jahr. Es verbot Nahrungsmittelimporte aus Europa, den USA und anderen Ländern, die Sanktionen gegen Russland unterstützen.

Unter das Embargo fallen Obst, Gemüse, Fisch, Milch und Milchprodukte, Schweinefleisch, Rindfleisch und Geflügel.

Am 13. August 2015 verlängerte die russische Regierung das Embargo und erweiterte gegen die Länder, die anti-russische Sanktionen unterstützen: Montenegro, Albanien, Island, Liechtenstein, ab dem 30. November 2015 gegen der Türkei und ab 1. Januar 2016 – die Ukraine.


 

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