Philipp RoweVon

Podgorica – Die Regierung Montenegros und Chinesische Partner haben sich Ende 2014 über den Baubeginn des ersten Teilabschnitts der lange geplanten Nord-Süd-Autobahn geeinigt. Ein Infrastrukturprojekt in der Größe von 809,6 Millionen Euro mit einer Rückzahlungszeit von 20 Jahren und einer tilgungsfreien Zeit von sechs Jahren, so fasste Ivan Brajovic, Minister für Transport und Maritime Angelegenheiten, die wichtigsten finanziellen Punkte des Projekts zusammen.

„Der EXIM Bankkredit wird 85% der Kosten für Planung und Bau des ersten Abschnitts der Autobahn Smokovac-Uvac-Matesevo bereitstellen und die verbleibenden 15% werden von unserer Regierung besorgt. Die Rückzahlungsperiode beträgt 20 Jahre, die tilgungsfreie Zeit 6 Jahre und der Zins 2%. Ich glaube wahrhaftig, dass bei den aktuellen Entwicklungen am Kapitalmarkt, es nicht möglich sein würde, bessere Finanzierungskonditionen zu vereinbaren.“ So der Minister in einem Interview für das Magazin der Montenegro Airlines.

Pro Autobahnkilometer wurden 19,7 Millionen Euro veranschlagt. Warum ist diese Autobahn so teuer? Wer die Topografie Montenegros kennt, wer einmal durch dieses Land gefahren ist, wird sich diese Frage leicht selbst beantworten können. Eine Autobahn durch dieses Gelände von steilen Bergen und tiefen Schluchten zu bauen, ist eine echte Herausforderung.

Die Vertragsverhandlungen zwischen der Regierung Montenegros und den chinesischen Partnern seien sehr komplex und umfangreich gewesen. Von Seiten Montenegros habe ein Team von 50 Experten der verschiedensten Bereiche an den Verhandlungen teilgenommen. So der Minister weiter.

Die Autobahn wird in Nord-Süd-Richtung durch das Land verlaufen und die Hafenstadt Bar an der Adriaküste mit der Stadt Boljare an der Grenze zu Serbien verbinden. Sowohl, die Anbindung an Zentraleuropa, als auch die Verbindung zwischen den regionalen Zentren – z.B. den Haupstädten Bosniens-Herzegowinas, Albaniens und Mazedoniens werden dadurch deutlich verbessert und Montenegros einiziger Hafen wird vollständig an die anderen europäischen Transportkorridore angebunden.

Zwischen dem Ministerium für Transport und Maritime Angelegenheiten, der China Communications Construction Company Ltd. (CCCC) und der China Road and Bridge Cooperation (CRBC) wurde ein Vertrag über die Planung und Konstruktion des ersten Abschnitts (Smokovac-Uvac-Matesevo) unterzeichnet. Die Finanzierung ist in einem Vertrag zwischen dem Finanzministerium und der chinesischen EXIM Bank geregelt. Lokale Baufirmen sollen mit mindestens 30% vom gesamten Investitionsvolumen beteiligt werden.

Dieser erste Autobahnabschnitt, der von Smokovac nahe Podgorica über Uvac bis nach Matesovo führt, ist 41 km lang und überwindet dabei mehr als 1.000 Höhenmeter. Fast 60% der Route werden aus Tunneln, Brücken und Überführungen bestehen. Zwei der geplanten Superlative auf dieser Strecke sind die Moracica-Brücke (980 m lang mit Brückenpfeilern von bis zu 180 m Höhe) und der Vjeternik-Tunnel (ca. 3 km lang.).

Noch eine Frage am Schluss. Warum wird solch ein anspruchsvolles Projekt, welches die Peripherie Europas mit dem Rest Europas verbinden soll, von einem chinesischen und nicht von einem europäischen Konsortium finanziert und gebaut?

Quellen:

Luxury Inflight Magazine (Bordmagazin der Montenegro Airlines) Nr. 4, 2015, S. 14-16.

Wikipedia, http://de.wikipedia.org/wiki/Autoput_Bar%E2%80%93Boljare

Philipp Rowe
Über den Autor

Philipp Rowe ist Herausgeber und Gründer von Ostexperte.de. Seit 2007 lebt und arbeitet er als Unternehmensberater in Moskau und seit 2017 besucht er regelmäßig Shanghai und China. Zu seinen Hobbies und Interessen zählen Reisen, Lesen, Fremdsprachen, Surfen, Filmen und Business.

Seine Kunden sind in erster Linie deutsche und internationale Unternehmen, welche in Russland und China Geschäfte machen.

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