Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Rufil Russia Consulting

Thorsten GutmannVon

Wie Russland beim neuen Weltwirtschaftsforum-Ranking abschneidet

Seit Montag findet das 47. Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums in Davos statt. Der gestern veröffentlichte „Wachstums- und Entwicklungsbericht“ arbeitet mit einer Kennzahl zur Vermessung des Lebensstandards. Unter den Entwicklungsländern belegt Russland den 13. Platz. Gelobt werden die niedrige Armuts- und Arbeitslosenrate im Vergleich zu anderen Entwicklungsländern.

Der Inclusive Development Index (IDI) des Weltwirtschaftsforums basiert nicht nur auf dem Bruttosozialprodukt. Stattdessen verwendet er 12 Indikatoren, die in drei Gruppen unterteilt sind:

  1. Wachstum und Entwicklung umfasst BIP-Wachstum, Beschäftigung, Produktivität und Lebenserwartung.
  2. Inklusion umfasst Medianeinkommen, Armut sowie Verteilung von Einkommen und Vermögen.
  3. Generationengerechtigkeit und Nachhaltigkeit umfasst Sparquote, demographischernWandel, Staatsverschuldung und Umweltverschmutzung.

Kategorien des Weltwirtschaftsforums

Der Bericht unterscheidet zwischen vier Ländergruppen, deren Wirtschaftskraft auf Grundlage der „Standardized World Income Inequality Database“ (SWIID) bewertet wird:

  1. Fortgeschrittene Wirtschaft, z. B. USA, Deutschland, Schweiz.
  2. Land mit mittlerem Einkommen im oberen Bereich, z. B. Russland, Türkei Brasilien.
  3. Land mit mittlerem Einkommen im unteren Bereich, z. B. Thailand, Iran, Ukraine.
  4. Land mit geringem Einkommen, z. B. Burkina Faso, Mali, Tadschikistan.

Lebensstandard in Russland

Russland belegt in der Kategorie 2 („Upper-Middle Income Countries“) den 13. Rang. Aus dem Englischen übersetzt heißt es auf Seite 54 im Bericht:

Die Russische Föderation belegt Rang 13 im IDI der aufstrebenden Wirtschaften. Der durchschnittliche Lebensstandard ist hoch im Vergleich zu anderen Entwicklungsländern. Auch die Armutsrate ist niedrig im Hinblick auf Standards von Entwicklungsländern. Die Arbeitslosenrate ist vergleichsweise gering, obwohl die Jugendarbeitslosigkeit beachtlich ist. Viele Menschen sind gezwungen, im informellen Sektor zu arbeiten. Das Bildungssystem ist universell und fördert gerechte Ergebnisse. Allerdings muss die Qualität der Bildung verbessert werden, um sie mit der Realität einer wechselhaften Wirtschaft zu konfrontieren. Ein weiterer Bereich mit Verbesserungsbedarf ist die Finanzintermediation, vor allem bei der Finanzierung von klein- und mittelständischen Unternehmen. (…) Ein progressiver Steuerkodex und ein erweitertes Netz für soziale Sicherheit würde Russlands Fähigkeit verbessern, einen inklusiven Wachstumsprozess für seine Bürger zu ermöglichen.

Deutschland und Norwegen

Als Folge der Finanzkrise und Globalisierung haben sich die Lebensstandards in den führenden Industrienationen verschlechtert. Auch in Deutschland? Anscheinend nicht, wenn es nach dem neuen Bericht des Weltwirtschaftsforums geht. Deutschland konnte um mehrere Plätze auf Rang 13 aufrücken. Vor allem die geringe Arbeitslosigkeit wird als positives Merkmal der deutschen Wirtschaft hervorgehoben. Doch es gibt auch Probleme: Die Ungleichheit von Löhnen und Vermögen ist verhältnismäßig hoch. Auch die Lebenserwartung der Deutschen liegt nicht in der Spitzengruppe.

Beim Lebensstandard-Index liegt Norwegen ganz vorne. Der hohe Lebensstandard und die niedrige Ungleichheit gelten als herausragendes Merkmal der norwegischen Wirtschaft. Auf Rang 2 liegt Luxemburg, dicht gefolgt von der Schweiz. Aufgrund einer hohen Armutsquote belegen die Vereinigten Staaten nur Rang 23.

Titelbild

Quelle: U.S. Embassy Bern, Switzerland, World Economic Forum 2017, Size changed to 1040x585px., CC BY-SA 2.0 

Thorsten Gutmann
Über den Autor

Thorsten Gutmann war von September 2016 bis Dezember 2018 Chefredakteur der unabhängigen Nachrichtenseite Ostexperte.de in Moskau. Derzeit arbeitet er als Nachrichtenchef bei der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK). Bevor er zu Ostexperte.de kam, war er u. a. für die Moskauer Deutsche Zeitung und die Berliner Zeitung tätig. Im Jahr 2017 gründete er die RUSummit – Fachkonferenz zur Digitalwirtschaft in Russland mit dem Ziel, den deutsch-russischen Wirtschaftsdialog zu fördern.