Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Matthias DornfeldtVon

Das geplante AKW Ostrowez stärkt den weißrussischen Energiesektor

Trotz des Ausstiegs Deutschlands aus der Nuklearenergie bis zum Jahr 2022 gibt es nach wie vor Länder in Europa, die auf diese Form der Energieerzeugung setzen. Dazu gehören neben Frankreich, Großbritannien und Finnland auch die Republik Belarus.

Weißrussland plant die Inbetriebnahme des landesweit ersten Atomkraftwerks. Für den osteuropäischen Staat ist es wichtig, kostengünstig Energie aus eigener Produktion zu generieren, um den Industriesektor wettbewerbsfähig zu halten und die Importabhängigkeit von fossilen Energieträgern zu verringern. Zudem streben die Atomkraftwerksbetreiber sowie die Regierung in Minsk an, Strom in die Nachbarländer Polen, Ukraine sowie die baltischen Staaten zu exportieren. Gerade die Nord-Ukraine kann von diesem Projekt profitieren.

Inbetriebnahme des AKWs ist für 2019/20 geplant

Der Standort für das erste Atomkraftwerk in Belarus befindet sich in der Nähe der Stadt Ostrowez, Gebiet Grodno, im Nordwesten des Landes an der Grenze zu Litauen. Dort werden laut der Internationalen Atomenergiebehörde IAEO, die das AKW „Belarus“ nennt, seit 2013/2014 zwei Druckwasserreaktoren russischen Standards der Generation III + design AES 2006 mit einer Leistung von je 1.194 MW errichtet. Die Inbetriebnahme ist für 2019 beziehungsweise 2020 geplant. Eigentümer und Betreiber der Anlage ist das staatliche Einheitsunternehmen Belarussian Nuclear Power Plant. Mit dem Bau der beiden schlüsselfertigen Reaktoren hat Belarus am 11. Oktober 2011 die russische Firma Atomstroiexport JSC beauftragt, ein Tochterunternehmen von ROSATOM.

Sicherheitsvorkehrungen entsprechen europäischem Standard

Die European Nuclear Safety Regulators Group (ENSREG) hat die Sicherheitsvorkehrungen im nahe der litauischen Grenze gelegenen Kernkraftwerk Ostrowez als positiv bewertet. Die von der EU-Kommission ins Leben gerufene unabhängige Beratergruppe hatte im März d. J. eine umfassende Untersuchung vor Ort sowie einige „Stresstests“ durchgeführt.  Die Maßnahmen sollen sicherstellen, dass Kernkraftwerke die strengen Kriterien der IAEO erfüllen. Sie wurden von der EU-Kommission und ENSREG als direkte Reaktion auf die Atomkatastrophe im japanischen Fukushima im Jahr 2011 eingerichtet. Nuklearexperten lobten die belarussischen Behörden für die Zustimmung zur Überprüfung. Belarus ist dazu nicht verpflichtet, da es kein Mitglied der EU ist.

Als Ergebnis kam heraus, dass der Standort des AKW geeignet ist, da er sich resistent gegen Überschwemmungen, Erdbeben und andere extreme Naturkatastrophen darstellt. Positiv bewertet wurden auch das lokale Weiterbildungszentrum mit einem Trainingskontrollraum für Mitarbeiter, der die meisten Notsituationen simulieren kann, sowie die Werksfeuerwehr. Zudem wurde im Bericht auch die Qualität der Wärmeabfuhr-Sicherheitssysteme der Anlage positiv thematisiert, da sie auch über einen Zeitraum eines Tages passiv tätig sein können.

Mit dem Bericht wurde auch die Kritik der Regierung Litauens an diesem Energieprojekt internationaler Tragweite entkräftet, die sich in den vergangenen Jahren lautstark artikulierte, da der eigene Atommeiler in Ignalina durch den litauischen EU-Beitritt abgeschaltet wurde und zurückgebaut werden muss.

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Titelbild: 12923 / pixabay.com

Matthias Dornfeldt
Über den Autor

Geboren 1973, studierte Rechts- und Politikwissenschaften an der Freien Universität Berlin, der Universität Coimbra (Portugal) und der Universität Potsdam. Regionaler Schwerpunkt Westlicher Balkan, westliche GUS, Südkaukasus und Zentralasien. Seit 2003 Auswärtiges Amt, OSZE, Europarat, IOM und die Vereinten Nationen in Liberia. Ab 2007 Programmdirektor im Hauptbereich Internationale Politik der Körber-Stiftung Berlin.

2008 externer Berater, 2009 bis Ende 2011 Senior Program Officer und Leiter des Leadership Programmes des Aspen Institute Deutschland e.V. 2012 Politischer Berater der Kommunikationsagentur Fleishman Hillard Deutschland GmbH. Derzeit lehrt, forscht und publiziert er am Berlin Centre for Caspian Region Studies (BC CARE) der Freien Universität Berlin und am Lehrstuhl für vergleichende und internationale Politik der Universität Potsdam.