Thomas FasbenderVon

Die Zeiten, als Russen und Engländer politisch einander grün waren, liegen fünfhundert Jahre zurück. Schon im 19. Jahrhundert schrieb die Londoner Presse geringschätzig über das „despotische“ russische Reich – nicht viel anders als heute. Ins 19. Jahrhundert zurückversetzt fühlt man sich auch angesichts des jüngsten Wortwechsels der Spitzenmilitärs beider Länder. Als hätten nicht zwei Weltkriege uns eines Besseren gelehrt …

Gegenstand der Beharkung sind die Flugzeugträger, Flaggschiffe ihrer Nationen und Nachfolger der Linienschiffe verflossener Tage. In einem Interview mit dem Telegraph schwärmte der britische Verteidigungsminister Sir Michael Fallon von der kürzlich vom Stapel gelaufenen HMS Queen Elizabeth und verkniff sich nicht den Seitenhieb: „Wer die alte, runtergekommene Kusnezow vor ein paar Monaten im Kanal gesehen hat, versteht, warum die Russen jetzt wohl ein bisschen neidisch sind.“

In der Tat ist die Admiral Kusnezow kein Traumschiff. Umgeben von einer schwarzen Russwolke kreuzt sie seit gut 30 Jahren die Meere; die längst fällige Überholung wird immer wieder aufgeschoben. Wenn moderne Kampfflugzeuge von ihr abheben, so tunlichst ohne Bomben und Munition – mangels Katapult müssen die startenden Maschinen so leicht wie möglich sein.

Fallons Worte wurden in Moskau nicht überhört. Generalmajor Igor Konaschenkow, Sprecher des Verteidigungsministeriums, bezeichnete sie als „angeberische Behauptung“. Indem er die beiden Schiffe hinsichtlich ihrer Schönheit vergleiche, beweise der britische Verteidigungsminister lediglich seine „krasse Ignoranz der Marine-Wissenschaft“.

Schließlich nannte Konaschenkow die Queen Elizabeth ein „komfortables Schiffsziel“. Und erinnerte daran, dass der russische Träger – was bekannt ist – hinsichtlich seiner Bewaffnung allen vergleichbaren westlichen Schiffen überlegen ist: „Die Admiral Kusnezow steckt bis an die Zähne voll mit Anti-U-Boot- und Anti-Schiff-Raketen.“ Es sei daher im Interesse der Royal Navy, dass die Queen Elizabeth bei ihrer Schönheitstour einige hundert Meilen Abstand zur Kusnezow halte.

Das Machogetue der Militärs erinnert an das Gehabe rund um die monströsen Schlachtschiffe des frühen 20. Jahrhunderts. Als es zum Krieg kam, hatten die Riesen sich längst überlebt. Wenn erst in 10 oder 20 Jahren eine kinetische, aus dem Weltraum abgefeuerte chinesische Rakete einen US-Flugzeugträger versenkt, sagen wir im Krieg um das Südchinesische Meer, ist die Waffengattung nur noch für Schrotthändler interessant. Schnell vergeht der Glanz der Welt.

Thomas Fasbender
Über den Autor

ist freier Journalist und Publizist in Berlin. Von 1992 bis 2015 hat er in Moskau gelebt. 2014 erschien sein Buch „Freiheit statt Demokratie. Russlands Weg und die Illusionen des Westens“ im Manuscriptum Verlag.