Thorsten GutmannVon

USA bestätigen zweite Sanktionsrunde wegen Skripal-Affäre

Nach dem Giftattentat auf den russischen Ex-Doppelagenten Sergej Skripal in Großbritannien hätte Russland ab August 2018 drei Monate Zeit gehabt, um eine zweite Sanktionsrunde der USA zu vermeiden. Doch bisher hat der Kreml nicht auf das Ultimatum reagiert. Nun bestätigt Washington sein Vorhaben, die Sanktionen deutlich zu verschärfen.

Im Zusammenhang mit der illegalen Verwendung von Chemiewaffen muss Russland im November mit einer zweiten US-Sanktionsrunde rechnen. Die Trump-Administration werde entsprechende Maßnahmen mit dem Kongress beraten, erklärte Heather Nauert, die Sprecherin des US-Außenministeriums.

Bereits im August hatten die USA wegen der Skripal-Affäre neue Sanktionen gegen Russland verhängt. Sie beinhalten unter anderem den Stopp von Waffen- und Technologieexporten sowie ein Ende der Zahlung von Hilfsgeldern.

Ein US-Gesetz gegen Chemiewaffen aus dem Jahr 1991 sieht vor, dass nach Ablauf einer 90-Tage-Frist eine zweite Sanktionsrunde folgen muss. Die Strafmaßnahmen können nur verhindert werden, wenn Russland glaubhaft versichert, in Zukunft auf den Einsatz von Chemiewaffen zu verzichten. Dies sieht unter anderem die Inspektion russischer Labore durch amerikanische Experten vor. Doch die Regierung in Moskau hat das Ultimatum der USA verstreichen lassen.

Welche Sanktionen die USA verhängen könnten

Deshalb muss Russland im November mit weiteren US-Sanktionen rechnen. Die Trump-Administration muss drei von sechs möglichen Strafmaßnahmen auswählen. Laut Standard & Poor’s bestehen folgende Optionen:

  • Beschränkungen für die Einfuhr von russischem Öl in die USA
  • Verbot für den Export von US-Technologie- und -Nahrung nach Russland
  • Eingeschränkter Zugang für Russland auf internationale Finanzmärkte
  • Verbot für Kreditvergaben an die russische Regierung
  • Reduzierung der diplomatischen Beziehungen
  • Anflugverbote für russische Airlines in den USA

Hintergrund der Sanktionen ist der Giftanschlag auf Sergej Skripal in der britischen Stadt Salisbury im März 2018. Die Regierung in London sieht die Verantwortung für das Attentat bei Russland. Die Operation sei „fast sicher“ auf einer hohen Regierungsebene beauftragt worden, heißt es in einer offiziellen Erklärung. Das investigative britische Recherchenetzwerk Bellingcat soll aufgedeckt haben, dass die Tatverdächtigen beim russischen Militärgeheimdienst GRU angestellt seien. Die Verdächtigen selbst bestreiten ihre Schuld am Attentat und erklärten im TV-Interview mit Russia Today, als Touristen nach Großbritannien gereist zu sein.

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Thorsten Gutmann
Über den Autor

ist Chefredakteur der unabhängigen Nachrichtenseite Ostexperte.de mit Sitz im Stadtzentrum von Moskau.

Trotz Wirtschaftskrise und Sanktionen verlegte er seinen Lebensmittelpunkt 2016 nach Russland. Nun informiert er Leser im DACH-Raum über das Business in Russland, China und anderen Länder entlang der Neuen Seidenstraße. In Zeiten der politischen Grabenkämpfe bemüht er sich um ausgewogenen Journalismus und konstruktiven Dialog zwischen Ost und West.

Zudem ist er Co-Gründer der RUSummit – Konferenz zur Digitalwirtschaft in Russland. Die Veranstaltung hat am 21. September 2018 erstmals in Berlin stattgefunden und soll im Jahr 2019 fortgeführt werden. Zu den Speakern zählten führende Organisationen und Unternehmen wie Yandex, Mail.Ru Group, Deutsche Bahn, OTTO Group, Skolkovo Foundation und viele mehr.