Thorsten GutmannVon

USA setzen Visa-Vergabe in Russlands Regionen fort

Ab dem 11. Dezember beenden die US-Konsulate in Jekaterinburg, St. Petersburg und Wladiwostok ihre Einschränkungen bei der Ausstellung von Nichteinwanderungsvisa. Zudem hat die US-Botschaft in Moskau angekündigt, dass Russen weiterhin an der Green-Card-Lotterie teilnehmen dürfen. Dies geht aus einer Erklärung der US-Botschaft hervor. 

Die jüngste Ankündigung der US-Botschaft in Moskau hat eine lange Vorgeschichte. Zum einen gab es die Ereignisse rund um den Ukraine-Konflikt, zum anderen die mutmaßliche Manipulation des US-Wahlkampfs 2016 durch russische Hacker.

Nachdem das US-Repräsentantenhaus im diesjährigen Sommer als Reaktion auf die mutmaßlichen Cyberangriffe ein neues US-Sanktionsgesetz beschlossen hatte, reagierte der Kreml noch vor der Unterzeichnung durch US-Präsident Donald Trump mit Gegenmaßnahmen.

Ende Juli hatte das russische Außenministerium angekündigt, 755 US-Diplomaten des Landes zu verweisen. Die Verordnung traf Personal der US-Botschaft in Moskau sowie der Generalkonsulate in St. Petersburg, Jekaterinburg und Wladiwostok.

Als Reaktion auf die Entlassungen kündigte die US-Botschaft in Moskau an, die Ausstellung sogenannter Nichteinwanderungsvisa zum 23. August 2017 einzufrieren zu wollen.

Rund zwei Wochen später, am 1. September, durften Russen wieder Anträge auf US-Visa stellen – allerdings nur in der Botschaft in Moskau. Wer zuvor einen Antrag beim US-Konsulat in Wladiwostok stellen wollte, musste nun einen neunstündigen Flug in die russische Hauptstadt auf sich nehmen. Und selbst dann gab es keine Garantie, tatsächlich ein Visum zu erhalten. Diese Strapazen trafen vor allem junge Menschen, die ein Auslandsstudium geplant hatten.

Jon Huntsman will amerikanisch-russischen Dialog fördern

Laut US-Botschafter Jon Huntsman, den Donald Trump im Juli nach Moskau berufen hatte, sollen russische Staatsbürger die Möglichkeit erhalten, die amerikanische Kultur kennenzulernen, Geschäftsbeziehungen zu pflegen und in den USA zu studieren.

„Wir glauben, dass der Austausch unserer Völker und die amerikanisch-russischen Geschäftsbeziehungen die Grundlage für die Stabilität unserer bilateralen Beziehungen sind“, erklärte Huntsman. Deshalb sei die Entscheidung getroffen worden, die Tätigkeit der US-Konsulate in den russischen Regionen wiederaufzunehmen.

Jedoch fügte Huntsman hinzu, dass die Bearbeitung der Visa-Anträge nur im begrenzten Umfang stattfinden könne. Grund dafür sei die Reduzierung des US-Personals durch den Kreml.

Statement des US-Botschafters in Moskau (auf Russisch):


Fotoquelle

Jon Huntsman. Titelbild: Wikimedia / CC0

Thorsten Gutmann
Über den Autor

Thorsten Gutmann war von September 2016 bis Dezember 2018 Chefredakteur der unabhängigen Nachrichtenseite Ostexperte.de in Moskau. Derzeit arbeitet er als Nachrichtenchef bei der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK). Bevor er zu Ostexperte.de kam, war er u. a. für die Moskauer Deutsche Zeitung und die Berliner Zeitung tätig. Im Jahr 2017 gründete er die RUSummit – Fachkonferenz zur Digitalwirtschaft in Russland mit dem Ziel, den deutsch-russischen Wirtschaftsdialog zu fördern.