Diplomaten-Ausweisungen: USA zeigen sich enttäuscht

Fall Skripal: USA halten russische Diplomaten-Ausweisungen für „nicht gerechtfertigt“

Russland hat angekündigt, ebenso wie die USA 60 Diplomaten des Landes verweisen zu wollen. Washington zeigt sich empört über die Gegenmaßnahmen des Kreml und schließt eine eigene Reaktion nicht aus. Dies berichtet die Tagesschau.

Die USA haben sich empört über die Entscheidung Moskaus zur Ausweisung von 60 amerikanischen Diplomaten sowie der Schließung des US-Konsulats in St. Petersburg geäußert. Washington, das Russland für die Vergiftung des Ex-Spions Sergej Skripal verantwortlich macht, hatte vor einigen Tagen selbst 60 Diplomaten des Landes verwiesen und das russische Konsulat in Seattle geschlossen.

Lawrow: Russland hat unter „brutalem Druck“ gehandelt

Wie der US-Botschafter Jon Huntsman nun erklärte, seien die von Moskau erlassenen Gegenmaßnahmen jedoch „nicht gerechtfertigt“. Auch das US-Außenministerium zeigte sich enttäuscht: Es gebe keine Zweifel an der Schuld Russlands im Fall Skripal. Die Reaktion aus Moskau zeige, dass der Kreml derzeit keine Interesse an einer Normalisierung des russisch-amerikanischen Verhältnisses habe. „Russland isoliert sich mit diesem dreisten Chemieanschlag“, sagte die Sprecherin des Ministeriums Heather Nauert. Erneute Maßnahmen der USA in Reaktion auf die Ausweisungen seien nicht auszuschließen. „Wir schauen uns die Optionen an“, so Nauert.

Sarah Sanders, die Sprecherin des Weißen Hauses, erkannte ebenfalls eine „weitere Verschlechterung der Beziehungen zwischen den USA und Russland“. Die Antwort aus Moskau sei allerdings keine Überraschung gewesen. Tatsächlich hatte sich eine Reaktion nach dem Motto „wie du mir, so ich dir“ bereits angedeutet. Bei der jetzt erfolgten Verkündung der Gegenmaßnahmen behauptete der russische Außenminister Sergej Lawrow, dass man durch „brutalen Druck“ von den USA und Großbritannien zu seiner Entscheidung gezwungen worden sei. Die amerikanischen Diplomaten müssten das Land bis zum 5. April verlassen und das St. Petersburger Konsulat bis zum Samstag geräumt werden. Dies sei zunächst alles, so Lawrow.

Guterres verlangt nach „Kommunikationsmechanismen“

UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich angesichts der mittlerweile dramatisch gesunkenen Stimmung zwischen Washington und Moskau besorgt. Der Welt drohe eine Art neuer Kalter Krieg, mahnte Guterres in New York. Es benötige „Kommunikationsmechanismen und Kontrolle, um Eskalation zu verhindern und sicherzustellen, dass die Dinge nicht außer Kontrolle geraten, wenn die Spannungen zunehmen“.

Rund 150 russische Diplomaten wurden in den letzten Tagen als Reaktion auf den Skripal-Anschlag aus 26 Ländern und zuletzt auch der Nato ausgeschlossen. Einige Staaten, darunter Österreich, Luxemburg und Griechenland, hatten sich an den Maßnahmen jedoch nicht beteiligt und auf die geringe Beweislage verwiesen. Laut den britischen Behörden arbeiten derzeit mehr als 250 Ermittler an der Aufklärung des Skripal-Attentats vom 4. März, bei dem das aus sowjetischer Produktion bekannte Nervengift Nowitschok zum Einsatz gekommen sein soll.