Thorsten GutmannVon

Umfrage: Russische Top-Manager fürchten neue US-Sanktionen

86% aller großen Unternehmen in Russland haben laut einer Umfrage Angst vor einer neuen US-Sanktionsrunde. Dies berichtet das russische Wirtschaftsportal RBC.

Eine mögliche Erweiterung der US-Sanktionen im November sorgt bei großen Firmen in Russland für Unsicherheit. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage des Management-Beratungsunternehmens Adizes Institute. Laut Eigenangaben wurden 1.015 Eigentümer und CEOs befragt. 38% der befragten Unternehmen sind im Industriesektor angesiedelt, 17% im Bauwesen, 16% im Transportbereich, 14% im Finanzsektor, 9% in der IT und 6% in der Medizin.

Bereits im April hatte Washington weitere Strafmaßnahmen verhängt, darunter gegen die Oligarchen Oleg Deripaska und Wiktor Wekselberg. Im August erhöhten die USA im Zuge der Affäre um den vergifteten Ex-Doppelagenten Sergej Skripal erneut den Druck auf Russland. Die Sanktionen beinhalten den Stopp von Waffen- und Technologieexporten sowie ein Ende der Zahlung von Hilfsgeldern. Zudem wurde der Export „sicherheitsrelevanter“ Waren untersagt.

Neue Sanktionsrunde wegen Skripal-Affäre

Im Zusammenhang mit der Skripal-Affäre könnte im November eine zweite US-Sanktionsrunde folgen. Das amerikanische Gesetz sieht entsprechende Sanktionen gegen Länder vor, die illegale Chemiewaffen eingesetzt haben. In diesem Fall geht es um das Nervengift Nowitschok, das bei dem Attentat auf Skripal eingesetzt worden sei. Um die Sanktionen zu vermeiden, müsste Russland binnen 90 Tagen zuverlässig versichern, künftig auf den Einsatz von C-Waffen zu verzichten – und zudem die russischen Labore für amerikanische Inspektionen öffnen.

Bisher hat Russland nicht auf die Forderungen der US-Regierung reagiert. Im Anschluss an die Midterm-Wahlen in den USA könnten im November deshalb weitere Sanktionen folgen. Möglich wären tiefgreifende Export- und Importverbote für den Handel zwischen Russland und den USA sowie ein Anflugverbot für russische Airlines, was vor allem Aeroflot schwer treffen könnte.

Sanktionen gegen Russlands Finanzsektor

Darüber hinaus haben US-Senatoren weitere Sanktionen entwickelt, die vor allem den russischen Finanzsektor betreffen. Die Vorschläge umfassen ein Verbot für den Erwerb russischer Staatsanleihen sowie ein Verbot für die Ausführung von Dollar-Transaktionen durch russische Kreditinstitute. Die Moskauer Rating-Agentur ACRA warnt vor den möglichen Auswirkungen. Im schlimmsten Fall könnte Russlands Wirtschaft bereits 2019 erneut in eine Rezession rutschen.

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Thorsten Gutmann
Über den Autor

ist Chefredakteur der unabhängigen Nachrichtenseite Ostexperte.de mit Sitz im Stadtzentrum von Moskau.

Trotz Wirtschaftskrise und Sanktionen verlegte er seinen Lebensmittelpunkt 2016 nach Russland. Nun informiert er Leser im DACH-Raum über das Business in Russland, China und anderen Länder entlang der Neuen Seidenstraße. In Zeiten der politischen Grabenkämpfe bemüht er sich um ausgewogenen Journalismus und konstruktiven Dialog zwischen Ost und West.

Zudem ist er Co-Gründer der RUSummit – Konferenz zur Digitalwirtschaft in Russland. Die Veranstaltung hat am 21. September 2018 erstmals in Berlin stattgefunden und soll im Jahr 2019 fortgeführt werden. Zu den Speakern zählten führende Organisationen und Unternehmen wie Yandex, Mail.Ru Group, Deutsche Bahn, OTTO Group, Skolkovo Foundation und viele mehr.