Simon SchüttVon

Umstrittener Umbau: Die Automassen fließen wieder über die Twerskaja, doch das Wasser fließt nicht ab

Wenn Sie einmal in Moskau waren, kennen Sie sicher die Twerskaja Ulitsa, die große mehrspurige Prachtstraße, die auf den Roten Platz zuführt. Sie wurde in den vergangenen Monaten umgebaut – wie momentan auch viele weitere Straßen der russischen Hauptstadt.

Wurde – denn der Umbau des Hauptteils der Twerskaja, der zum Roten Platz führt, ist seit Montag, dem 25. Juli abgeschlossen. Am Wochenende war die Hauptverkehrsstraße dafür sogar vollständig gesperrt, damit der neue Asphalt auf die Straße kam (siehe das Zeitraffer-Video unten).

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Am Sonntag walzten noch einige Baufahrzeuge über den Boulevard, später spazierten Menschen über die sonst von Autos gefüllte Straße.

Twerskaja-Umbau vollendet

„Leerskaja“ statt der sonstigen Automassen am vergangenen Sonntag.

 

Am Montag fuhren dann wieder Automassen über den neuen Untergrund. Nur an den Bürgersteigen wurde noch gesäubert und leichte Arbeiten durchgeführt.

Twerskaja Aufräumarbeiten

Hier wird bereits gereinigt, an anderen Stellen wurden noch Laternen angestrichen und einige letzte Arbeiten am Bürgersteig erledigt.

Der Umbau hatte unter anderem dazu gedient, den überirdisch verlaufenden Kabelsalat unter die Erde zu verbannen.

Bei den Moskauern umstrittener Umbau

Moskau ist über die Bewertung des Umbaus zerstritten. Zwischen Geldverschwendung, Verschlimmerung, verpasster Gelegenheit und einer Verschönerung der Stadt gibt es dazu so ziemlich jede Meinung.

Die Bürger beschwerten sich auch darüber, dass der Umbau überall gleichzeitig stattfindet – und äußern in den Sozialnetzwerken ihren Unmut über den Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin.

Bauschutt verstopfte Abflüsse und sorgte für Überschwemmungen

Manche sehen die Arbeiten sogar als Ursache von Naturkatastrophen: Zeitungsberichten zufolge (Kommersant, RBC), hat der Dreck, der durch die Bauarbeiten entstand, auch die starken Überschwemmungen in Moskau vor wenigen Tagen (22. Juli) verursacht, weil dadurch das Wasser schlecht ablaufen konnte.

Die Überflutungen seien vor allem an den Orten aufgetreten, an denen gerade Umbauten im Rahmen des „My Street“-Programms stattgefunden hätten, heißt es in den Berichten.

Dass die Sommerregen in Moskau teilweise sehr heftig auffallen und sich auch schon einmal riesige Pfützen bilden, ist nicht neu. Normalerweise ist es dann aber nach rund einer Stunde abgelaufen. Diesmal jedoch sei das nicht geschehen, sagte ein Mitarbeiter der Organisation „Moswodostok“, die für die Regen-Kanalisation der Stadt verantwortlich ist, gegenüber dem Kommersant.

„Ob Sobjanin heute eine Sitzung mit den Worten einberuft: Was habt ihr da gebaut? Der Kreml säuft schon ab!“

„Napoleon brannte Moskau ab, Sobjanin setzte es unter Wasser.“

Fast alle russischen Medien griffen am Montag das Ende der Umbauarbeiten und die Überschwemmungen auf, zeigten Spaziergänger auf der autoleeren Verkehrsachse, Bulldozer oder die neuen Fußwege.

Gefundenes Fressen für das RuNet

Es kursieren, wie eigentlich immer bei derartigen Ereignissen, humorvolle Bilder dazu im RuNet. Einige davon haben wir oben schon gezeigt.

Passend zum „Unter die Erde verbannen“ der Kabel ist auch diese Montage eines Grabstein mit der Aufschrift: „Hier ruht das Budget der Stadt Moskau 2015-2016“.

Zum Abschluss sehen Sie hier noch das Video eines Drohnenflugs über die umgebaute Twerskaja, das momentan tausendfach im russischen Internet geteilt wird:

Titelbild

Quelle: Fotos von Simon Schütt

Simon Schütt
Über den Autor

war von September 2015 bis September 2016 Chefredakteur bei Ostexperte.de.

Derzeit arbeitet er bei der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer. Bevor er zu Ostexperte.de kam, war er Redakteur der Moskauer Deutschen Zeitung. Dort schrieb er vor allem für das Wirtschafts-, das Digital- und das Moskau-Ressort.

Der Berliner hat in Wien Publizistik- und Kommunikationswissenschaft studiert und dort bei der Österreich-Ausgabe des Werbe-, Marketing- und Medien-Fachmagazins Horizont gearbeitet.