Patrick VolknantVon

Türkei erschwert Import russischer Lebensmittel

Wie die US-Nachrichtenseite Bloomberg meldet, hat die türkische Regierung ihre Kontrollmaßnahmen für den Import bestimmter Lebensmittel aus Russland verschärft. Dabei hatten sich beide Länder zuletzt weiter angenähert.

Vertreter des russischen Landwirtschaftsministeriums bestätigten, dass die Türkei neue Importregelungen für die Versorgung mit Lebensmitteln aus Russland erlassen hat. Die russische Handelskommission in der Türkei soll entsprechende Informationen von der türkischen Botschaft in Moskau erhalten haben.

Bloomberg berichtet unter Berufung auf einen Brief von der türkischen Regierung, demzufolge man künftig die Lieferanten für einige Lebensmittel aus Russland selbst auswählen wolle. Hierbei handele es sich um eine Reaktion auf die Maßnahme der russischen Regierung, lediglich neun türkische Firmen für den Import von Lebensmitteln aus der Türkei zuzulassen. Dabei befinden sich beide Länder derzeit in Gesprächen, die zu einer Aufhebung des russischen Importverbots für türkische Tomaten führen sollen.

Wirtschaftskonflikt mit Folgen für weltweiten Weizenhandel

Die Einschränkungen zur Einführung russischer Lebensmittel betreffen vornehmlich Sonnenblumenerzeugnisse, trockene Erbsen, Rohreis und Hartweizen. Laut der russischen Tageszeitung Wedomosti zählen auch Maisprodukte zur Liste. Die Maßnahmen der türkischen Handelsmission seien am neunten Oktober in Kraft getreten. Im Einzelnen gestalteten sich die neuen Maßnahmen so, dass bei entsprechenden Lieferungen dem örtlichen Zolldienst eine vom türkischen Konsulat in Russland bescheinigte Rechnung vorgelegt werden müsse. Durch den Prozess fielen zusätzliche Gebühren an und zudem verzögere er die Handelsabwicklung.

Ein neuer Handelskonflikt zwischen Russland und der Türkei könnte unter anderem bedeutende Folgen für den weltweiten Weizenhandel haben: Die Türkei ist der weltweit führende Exporteur für Mehl und ist für die Herstellung zu großen Teilen auf russisches Korn angewiesen. Das Land ist einer der insgesamt größten Abnehmer russischer Lebensmittelprodukte. Russland benötigt die türkischen Käufer, um seine derzeit reichlich gefüllten Weizenvorräte abzustoßen.

Keine Bestätigung durch türkische Regierung

Der Bloomberg-Meldung zufolge liegen bisher keine Äußerungen des türkischen Wirtschaftsministeriums zu den neuen Importregelungen vor. Auch die Anfragen der Wedomosti-Journalisten wurden von unterschiedlichen Regierungs- und Handelsstellen der Türkei zurückgewiesen.

Nachdem die türkische Luftwaffe ein russisches Kampfflugzeug im November 2015 abgeschossen hatte, war ein Streit zwischen beiden Ländern ausgebrochen. Ankara und Moskau überzogen sich im Verlauf desselben gegenseitig mit diversen Handelssanktionen. Im Frühling 2017 vereinbarten beide Regierungen jedoch, die Zusammenarbeit weitestgehend wiederaufzunehmen. Erst zwei Wochen ist es her, dass der russische Staatschef Wladimir Putin seinen türkischen Kollegen Erdogan in Ankara besuchte.


FotoquelleKremlin.ru

Patrick Volknant
Über den Autor

ist Autor bei Ostexperte.de.

Der freie Journalist studierte Germanistik und Philosophie in Freiburg und Leipzig.

 

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