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Verhaltenstipps für Russland

Lukas ReichensteinVon

Wer nach Russland kommt, sollte unbedingt einige Regeln beachten, um nicht Gefahr zu laufen, in das ein oder andere Fettnäpfchen zu treten. Deshalb sind hier einige Hinweise, welches Verhalten in Russland vermieden werden sollte:

 

1)      Niemals mit leeren Händen erscheinen!

Wenn man zu einem Abendessen eingeladen wird oder auch nur zu einem Kurzbesuch vorbeikommen soll, ist es nicht ratsam ohne ein kleines Mitbringsel anzukommen. Dabei ist nicht so wichtig, was man mitbringt. Es reichen bereits Schokolade oder Blumen, jedoch keine gerade Anzahl, denn dies soll Unglück bringen. Auch ein Spielzeug für die Kleinen ist besser, als mit völlig leeren Händen zu erscheinen.

Der Hintergrund ist folgender: In Russland serviert der Gastgeber seinen Gästen meist besondere Gerichte, die gewöhnlich nicht auf dem Speiseplan stehen. Wer nun also mit leeren Händen erscheint, zeigt damit, dass er die Gastfreundschaft seines Gastgebers nicht wertschätzt.

2)      Die Rechnung wird nicht geteilt!

Auch hier gibt es zwischen Russland und dem „Westen“ große Unterschiede: Obwohl sich heutzutage vieles ändert, sind die Traditionen des miteinander Ausgehens in Russland weitgehend stabil. Wenn man sich mit einer Dame zum Abendessen trifft, sollte man als Mann nicht erwarten, dass die Rechnung geteilt wird (wie das vielleicht in Deutschland häufiger der Fall ist) und die Frau für sich selbst bezahlt. Manche Frauen bieten eventuell an, die Rechnung zu teilen, jedoch sollte man dies nicht erwarten. Viele bringen zu solchen Verabredungen nicht einmal ihr eigenes Geld mit. Wenn man die Dame also noch einmal wiedersehen möchte, dann sollte man die Rechnung als Mann stets übernehmen.

3)      Immer schön die Schuhe ausziehen!

Diese Regel gilt sowohl für russische als auch für asiatische Haushalte. In vielen russischen Wohnungen findet man häufig Teppiche nicht nur auf dem Fußboden, sondern auch an den Wänden. Diese sind oftmals keine gewöhnlichen Teppiche, sondern  reich verzierte persische. Weil man diese nicht einfach mit einem Staubsauger reinigen kann, werden den Gästen für gewöhnlich Hausschuhe (sogenannte „Tapochki“) angeboten. Zu manchen Feiern bringen Frauen sogar ein paar extra Schuhe mit, die sie ausschließlich in der Wohnung tragen.

Auch wenn es meist nicht direkt angesprochen wird, so ist diese Tradition doch stark verbreitet. Daher sollte immer darauf geachtet werden, seine Schuhe auszuziehen. Es könnte sonst seltsam anmuten oder gar als Unhöflichkeit aufgefasst werden, der einzige bei einer Feier zu sein, der mit schneebedeckten Schuhen in der Wohnung sitzt.

4)      Der informelle Dress Code ist ungewöhnlich

Die Russen sind bekannt dafür, sich für verschiedenste Veranstaltungen sehr adrett zu kleiden. Ob ein Spaziergang im Park oder ein Essen mit Freunden: nette Kleidung, High Heels, Anzüge und Krawatten sind dabei ein häufig gesehener Begleiter. Es ist weithin üblich, dass man über das Tragen seiner besten Kleidung Respekt vermittelt.

Ob bei einem Abendessen mit Freunden, einem Besuch im Ballett oder im Theater – man sollte sich stets angemessen kleiden und dies auch von den anderen erwarten. Besonders das Abendessen wird häufig als ein besonderer Anlass gesehen. Deshalb bleiben legere Jeans und T-Shirts besser im Schrank hängen.

Verhaltenstipps für Russland

Foto: Cognac. cyclonebill. 27.01.2008, flickr.com (Größe angepasst): Link (CC BY-SA 2.0)

5)      „Na Zdorov’ye“ ist falsch!

Bevor man einen Toast bei einem Abendessen oder beim traditionellen Wodkatrinken ausspricht, sollte man die richtigen Toastsprüche verinnerlicht haben. Die Regeln der russischen Toasts unterscheiden sich erheblich voneinander. Noch stärker ist dies zwischen den Nationen des ehemaligen Ostblocks der Fall. Die Traditionen des Anstoßens in Russland, der Ukraine, Georgien, Polen oder Moldawien ähneln sich zwar in vielerlei Hinsicht, sind jedoch teilweise auch sehr unterschiedlich.

Das bekannte „Na Zdorov’ye“ etwa (übersetzt „auf deine Gesundheit“), ist ein polnischer Toast und passt in Russland nicht. Stattdessen ist „Za Vas“ („Für euch“) die bessere Variante. Wer jedoch auf die Gesundheit anstoßen möchte, sollte dies mit „Za Zdoro‘ye“ (die russische Variante für „auf deine Gesundheit“) tun.

6)      Keine Witze über die Verwandtschaft

Auch wenn viele Witze, die man in Russland oder den GUS-Staaten hört, nicht immer politisch korrekt sein mögen, sollte man sich an eine wichtige Regel halten: niemals Witze über die Verwandtschaft reißen!

Witze über die Verwandtschaft gelten als Tabu und als äußerst riskant. Man kann sich über Ethnien, das Aussehen oder das Geschlecht amüsieren, doch wenn man die Mutter oder den Vater eines anderen beleidigt, wird es nicht immer als Witz verstanden und könnte üble Konsequenzen nach sich ziehen …

Verhaltenstipps für Russland

 Foto: my dream bag. Original: Yvette Ilagan. 06.07.2006. flickr.com: Link (Lizenz). Modifications: Background replacement. Completed handle. by Jorgebarrios. 06.12.2008. wikipedia.com: CC BY 2.0.

7)      Eine Frau trägt ihr Gepäck nicht selbst!

Einer Frau, die ihr Gepäck alleine die Treppe herunter trägt oder am Flughafen abgabebereit macht, sollte stets Hilfe angeboten werden. Zum einen aus Höflichkeit und zum anderen, weil von einem Mann erwartet wird, in solchen Situationen hilfsbereit zu sein. Das sieht man bereits, wenn man in ein Taxi steigt – die Fahrer assistieren für gewöhnlich beim Einladen. Eine Regel für den Alltag: Sei stets hilfsbereit.

8)      Respekt gegenüber Älteren und Frauen

Wer in Russland in einen Bus oder in die Metro steigt, wird schnell bemerken, dass gerade die jüngeren Fahrgäste den Älteren, Frauen oder Kleinkindern einen Sitzplatz anbieten. Es ist eine Norm, die zwar auch andernorts weit verbreitet ist, jedoch nicht überall so üblich erscheint wie in Russland. Während in manchen Ländern Menschen, denen diese Geste angeboten wird, empört reagieren könnten, wird es in Russland als Zeichen großen Respekts verstanden. Vor allem gegenüber Älteren oder Schwangeren!

Verhaltenstipps für Russland

Foto: Hand. Biswarup Ganguly. 20.04.2011, wikimedia.org : Link (Lizenz CC BY3.0)

9)      Niemals „das letzte Hemd“ nehmen!

Eine bekannte russische, wie auch deutsche Phrase besagt: „das letzte Hemd geben“. Dieses sollte man jedoch nicht immer nehmen. Um es einfacher auszudrücken: Man sollte nicht immer schlichtweg alles nehmen, was einem angeboten wird, sondern auch etwas dafür zurückgeben.

Wer in Russland lebt und irgendwann einmal zu Besuch bei russischen Freunden oder Bekannten ist, kann es erleben, dass einige von ihnen, sogar wenn sie nicht viel besitzen, aus Höflichkeit alles anbieten, was sie irgendwie entbehren könnten. Dies kann zum Beispiel der Wein für besondere Anlässe sein.

Jedoch ist dies nicht nur auf Getränke oder Speisen beschränkt. Es kann sich auch um Fotos oder andere persönliche Gegenstände handeln. Deswegen sollte man vermeiden, seinem Gegenüber einfach „das letzte Hemd“ zu nehmen, sondern erst einmal dankend ablehnen. Die Russen geben nicht, um loszuwerden, sondern als Akt des Respekts und der Warmherzigkeit.

Auch wenn so alles Mögliche an sich genommen werden könnte, sollte man doch einen gewissen Respekt vor der russische Kultur haben und verstehen, dass man Geschenke auch dann bescheiden ablehnen kann, wenn die Freunde darauf bestehen. Es empfiehlt sich, nur Dinge anzunehmen, die eine persönliche Bedeutung besitzen und die man mit seinen Freunden verbindet. Außerdem sollte man immer versuchen, bei nächster Gelegenheit etwas zurückzugeben.

Verhaltenstipps für Russland

Foto: Hand. Benjamin Thorne, pixelio.de

10)   Kein Händedruck über der Türschwelle!

Russen gelten gemeinhin als sehr abergläubisch. Wenn man sich näher mit der russischen Kultur auseinandersetzen möchte, empfiehlt sich, dieses Thema nicht auszusparen. In diesem Zusammenhang gilt es als unhöflich, in Handschuhen jemandem die Hand zu schütteln. Die Handschuhe sollten vorher immer ausgezogen werden. Außerdem soll es Unglück bringen, jemandem über der Türschwelle die Hand zu schütteln. Somit sollte man sich auch die Begrüßung durch Händedruck für drinnen aufheben. Und dabei nicht vergessen an Regel 2 zu denken: Die Schuhe vorher ausziehen!

11)   Körperfunktionen sind verdeckt zu halten!

Aufstoßen oder ähnliches gilt als äußerst unhöflich. Man sollte nicht stolz darauf sein, denn ein lautes Aufstoßen wird in der Regel nicht mit Humor aufgenommen. Wenn es also passiert, sollte keine große Sache daraus gemacht werden. Die Behauptung mancher, das man sich dafür nicht entschuldigen müsse, kann getrost ignoriert werden. Es wäre kein besonders positiver Eindruck, den man auf diese Weise hinterlassen würde. Deshalb sollte man sich diesen Hinweis immer vergegenwärtigen und seine Körperfunktionen für sich behalten.

 

Wer diese 11 Tipps beherzigt, kann ohne Angst vor eventuellen interkulturell bedingten Peinlichkeiten nach Russland reisen. Also los gehts!

 

Dies ist eine abgeänderte Übersetzung von Lukas Reichenstein. Originaltext: Trevor: 11 Russian Taboos (13.07.2013), in: Go Abroad Thrive Abroad (Blog), http://www.trevorabroad.com/russian-taboo.html, letzter Zugriff: 14.11.2013.

Lukas Reichenstein
Über den Autor

Ich heiße Lukas Reichenstein und wohne und studiere in Potsdam. An der Universität Potsdam studiere ich seit 2010 Interdisziplinäre Russlandstudien und befinde mich im siebten Semester. Die Interdisziplinären Russlandstudien sind ein neuer vierjähriger Bachelorstudiengang, eine Kombination aus Wirtschaft, Politik und der russischen Sprache. Das vierte Studienjahr sieht einen einjährigen Russlandaufenthalt vor, der ein Semester an einer russischen Hochschule und ein Praktikum beinhaltet. Das Studium soll junge Fachleute für die Aufnahme von Schlüsselpositionen in NGO’s und Unternehmen heranbilden, die mit Russland zusammenarbeiten. Seit drei Jahren lerne ich nun schon aktiv die russische Sprache und durfte bereits viele interessante Bekanntschaften schließen sowie unvergessliche Momente erleben, im größten Land der Welt.