Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

Anzeige
Rufil Russia Consulting

Simon SchüttVon

Ob der neue Mobilfunkanbieter Tele2 eine Alternative zu MTS, Beeline und Megafon ist.

Bislang gab es bei der Wahl eines Mobilfunkanbieters in Moskau die Wahl zwischen MTS (Russisch: МТС), VimpelCom (Marke: Beeline) und Megafon. Doch mit dem 22. Oktober gibt es einen weiteren Konkurrenten: Tele2. Hier lesen Sie, was der Eintritt des Neuen für den Moskauer Mobilfunkmarkt heißt und ob er nun eine günstige Alternative für Russlandreisende oder Expats darstellt.

Logo Tele2Aus den großen Drei auf dem Moskauer Mobilfunkmarkt werden nun vier. Tele2 stößt in Moskau am Donnerstag, den 22. Oktober zu MTS, VimpelCom und Megafon. Der Neue am Moskauer Netz ist ein Discounter. Am Mittwoch stellte er seine Tarife vor. Laut dem Marketing Direktor von Tele2, Roman Volodin, seien die Angebote um 40 Prozent günstiger als die der drei Konkurrenten, zitierte ihn die russische Zeitung Vedomosti am Mittwoch.

Kunden profitieren vom Konkurrenzkampf

Im „Orange“-Tarif zahlt man einen Rubel (1,5 Cent) für alle Anrufe in Russland – bei den sonst oft deutlich höheren Roaming-Gebühren im größten Land der Welt ist das ein günstiges Angebot und auch für Russlandreisende eine Option, die oft in mehrere Regionen telefonieren müssen. Die „Tschornyj“-Tarife (dt. schwarz) sehen monatliche Pakete zu 99, 299 („sehr schwarz“) oder 599 Rubel („am schwärzesten“) vor. 99 Rubel (rund 1,5 Euro) sei etwa die Hälfte dessen, was die Einsteigerpakete der Konkurrenz bisher kosteten, hieß es bei der Vorstellung der neuen Tarife am 21. Oktober.

Mobilfunktarife Tele2 in Moskau

Das sind einige der Tarife von Tele2 in Moskau: orange, schwarz oder sehr schwarz.

Bereits im Vorfeld des Tele2-Launchs in Moskau am Donnerstag passten die drei etablierten Betreiber allerdings ihre Angebote an und warben mit günstigeren Konditionen geworben. Die Zeitung „Kommersant“ zitiert einen anonymen Top-Manager bei einem der drei Anbieter: man sei bereit, die Preise der Tarife nach dem Tele2-Start um bis zu 30 Prozent zu senken. Die Kunden dürften daher sehr vom Konkurrenzkampf der Anbieter profitieren.

Megafon veröffentlichte zum Beispiel am 20. Oktober eine Mitteilung, in der das Unternehmen unter anderem ankündigte, seine Smartphone-Tarife so zu überarbeiten, dass Megafon-Nutzer ab 2. November andere Megafon-Kunden in ganz Russland kostenlos anrufen könnten. Bislang sind netzinterne Anrufe nur innerhalb der selben Region kostenlos. Auch die Datenvolumen wurden erhöht.

Tele2 ist bereits aus den anderen russischen Regionen bekannt

Wirklich neu ist Tele2 nur im Moskauer Gebiet, nicht aber im übrigen Russland. Wer schon in anderen russischen Regionen unterwegs war, wird dem weißen Schriftzug womöglich schon begegnet sein. In über 60 russischen Regionen ist Tele2 bereits vertreten.

Tele2 ist eigentlich ein schwedischer Anbieter und seit 2003 auf dem russischen Markt. Doch die Schweden verkauften Tele2 Russia 2013 für 2,4 Milliarden US-Dollar an die russische VTB Group. Tele2 Russia sei danach mit der Mobilfunk-Sparte der staatlichen Rostelekom zur T2 RTK Holding zusammengeführt worden, heißt es auf der Tele2-Website. Rostelekom besaß die nötigen Sendelizenzen bereits, die nun Tele2 nutzt.

Laut der Nachrichtenagentur RBC hat Tele2 im Vorfeld rund 10 Milliarden Rubel in Netz, Infrastruktur und Werbung investiert. Marketing Direktor Volodin sprach von bereits 30.000 Vorbestellungen.

Ein Netz nur für Smartphone-Nutzer

Website Tele2 Moskau

Die Webpräsenz für Tele2 in Moskau.

Bemerkenswert ist, dass Tele2 nur das 3G- und das 4G-Netz verwenden wird. Dadurch ist es nur mit Smartphones zu verwenden – alte Telefone, die per GSM-Signal senden, können nicht per Tele2 telefonieren. Auch sind die schnelleren Netze nicht überall in Moskau verfügbar. Die Wettbewerber sehen darin einen großen Nachteil des Neuen. Für Expats oder Reisende, die sicher sein wollen, überall Empfang zu haben oder kein Smartphone nutzen, ist daher der Neue noch die unsicherste Variante.

Außerdem muss sich noch zeigen, ob Tele2 auf dem sehr gesättigten Moskauer Mobilfunkmarkt noch große Marktanteile an sich reißen kann. Die Moskauer nutzen laut der russischen Nachrichtenagentur Interfax ohnehin bereits 2,17 aktive Sim-Karten pro Bewohner. Dual-Sim-Smartphones sind in Russland sehr gefragt.

Andererseits liegt im Mobilfunkmarkt in Moskau viel Geld. Die Region Moskau hat 25 Millionen Bewohner. Sie machen laut der Einrichtung „Advanced Communications & Media“ rund ein Viertel des gesamten russischen Mobilfunkmarktes aus und sorgen für einen Umsatz von 230 Milliarden Rubel.

Mobilfunkpreise in Russland sind im internationalen Vergleich günstig

Die Kosten für Mobilfunk in Moskau und insbesondere für mobiles Internet sind ohnehin im Vergleich zu Deutschland bereits sehr günstig. Auch im internationalen Vergleich gehört Russland zu den Ländern mit den geringsten Kosten für mobiles Internet – in den Ballungsräumen auch mit sehr guten Netzgeschwindigkeiten. Nur im Iran (0,2 Dollar) und in Pakistan (1 Dollar) sind die Kosten für einen Gigabyte mobile Daten günstiger als in Russland (1,7 Dollar pro Gigabyte), sagt eine Studie der russischen Agentur Content Review (hier bei RBTH aufbereitet). In Deutschland zahlt man demnach 11,8 Dollar pro Gigabyte.

Fazit

Durch den vierten Betreiber ist Bewegung auf dem Moskauer Mobilfunkmarkt entstanden. Die Kunden werden von den weiter sinkenden Preisen durch den Preiskampf profitieren. Für Expats und Russlandreisende empfehlen sich vorerst die etablierten Betreiber, da ihr Netz besser ausgebaut ist. Außerdem funkt Tele2 nur über 3G und 4G-Netz und funktioniert daher nur mit Smartphones. Auch der Empfang ist so nicht flächendeckend gegeben. In einigen Monaten wird sich zeigen, was der Neue kann. Bis dahin genießen Sie die vergleichsweise günstigen Preise für das schnelle mobile Internet in Russland.


Bei welchem Moskauer Anbieter sind Sie? Planen Sie, zu Tele2 zu wechseln? Teilen Sie Ihre Erfahrungen über die Moskauer Mobilfunkanbieter mit uns. Schreiben Sie dazu unten einen Kommentar oder berichten Sie uns auf Facebook oder Twitter von Ihren Erlebnissen!

Quellen:

Tele2 Russia

Bloomberg

RBTH

Fotoquelle

Quelle:

Titelbild von Simon Schütt

Screenshots von Tele2.ru

 

Simon Schütt
Über den Autor

war von September 2015 bis September 2016 Chefredakteur bei Ostexperte.de.

Derzeit arbeitet er bei der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer. Bevor er zu Ostexperte.de kam, war er Redakteur der Moskauer Deutschen Zeitung. Dort schrieb er vor allem für das Wirtschafts-, das Digital- und das Moskau-Ressort.

Der Berliner hat in Wien Publizistik- und Kommunikationswissenschaft studiert und dort bei der Österreich-Ausgabe des Werbe-, Marketing- und Medien-Fachmagazins Horizont gearbeitet.