Tagesübersicht Russlandgeschäft: 11.03.2016

Zahl der Russen, die 2015 ins Ausland reisten, um 31,3 Prozent zurückgegangen, EZB-Leitzinssenkung wirkt sich auf den Rubel aus

Willkommen zur Tagesübersicht Russlandgeschäft an diesem Freitag, den 11. März 2016. Das sind heute unsere Themen für Sie:

Wir wünschen Ihnen ein angenehmes Wochenende!


EZB-Leitzinssenkung wirkt sich auf den Rubel aus

Auch in Russland wird die gestrige Leitzinssenkung der Europäische Zentralbank (EZB) auf 0 Prozent diskutiert. Damit hatten wenige Experten gerechnet. Das traf auch den Rubelwechselkurs, der sich in den letzten Wochen mit steigendem Ölpreis wieder stabilisiert hatte. EZB schwächt Rubel“, schrieb etwa der „Kommersant“. Ein Euro war gestern zeitweise wieder über 80 Rubel wert. Heute erholte sich der Rubel deutlich auf rund 77 Rubel für einen Euro.


2015 reisten deutlich weniger Russen ins Ausland

Gestern berichteten wir, dass der eingehende Tourismus nach Russland zugenommen habe. Heute ist der ausgehende Tourismus dran. Hier zeigt sich eine entgegengesetzte Entwicklung.

2015 sind laut dem dem Verband der russischen Tourismusindustrie 31,3 Prozent weniger Russen ins Ausland gereist als im Vorjahr. Das sei der größte Abfall der Touristenzahlen seit 1998, also seit 18 Jahren. 2014 hatte die Zahl der ausgehenden Touristen bereist um vier Prozent abgenommen.

Insgesamt hätten die Russen 2015 12 Millionen internationale Reisen gemacht, sagte Irina Tjurina gegenüber Interfax (auf Englisch bei der Moscow Times). Dabei berief sie sich auf Daten der Statistikbehörde Rosstat.
2015 sei das schwierigste Jahr in der Geschichte des privaten Tourismusgeschäfts in Russland gewesen.

Genau wie der schwache Rubel für den Zuwachs ausländischer Touristen, die nach Russland kommen, verantwortlich war, so habe er auch für die sinkenden Reisen ins Ausland gesorgt. Daneben hätten die Flugverbote nach Ägypten und in die Türkei einen negativen Einfluss gehabt.

Die größten Einbrüche russischer Touristen verzeichnete Indonesien mit 96,6 Prozent weniger Besuchern, Tunesien mit 83 Prozent Rückgang und die Dominikanische Republik mit 82,5 Prozent weniger russischen Touristen. In Europa musste Griechenland mit 48 Prozent die größten Verluste hinnehmen.


Claas: Treffen mit Wirtschaftsminister Manturow zur Vorbereitung eines Sonderinvestitionsvertrags

Der deutsche Landmaschinen-Hersteller Claas hat sich gestern mit dem russischen Minister für Industrie und Handel, Denis Manturow getroffen. Bei den Gesprächen ging es laut der Pressemeldung des Ministeriums darum, einen Sonderinvestitionsvertrag mit Claas vorzubereiten. Projektdetails seien besprochen worden.

Сегодня министр промышленности и торговли РФ Денис Мантуров встретился с собственником немецкой сельхозмашиностроительно…

Posted by Министерство промышленности и торговли Российской Федерации on Donnerstag, 10. März 2016

Eine entsprechendes Memorandum war mit Claas im November 2015 am Rande der „Agritechnika“-Messe vereinbart worden.

Manturow wies darauf hin, dass auf dem Binnenmarkt der Eurasischen Wirtschaftsunion Bedarf nach geschätzt 8.000 Landwirtschaftsmaschinen herrsche und warb für das Instrument des Vertrags.

Am Ende des Treffens bekräftigte Denis Manturov die prinzipielle Bereitschaft des Ministeriums für Industrie und Handel, einen Sonderinvestitionsvertrag mit der Firma zu schließen.

GTAI: Russische Milcherzeuger investieren in Käsefabriken

Einem Bericht von Germany Trade and Invest zufolge kapselt sich Russland bei Milchprodukten zunehmend vom Außenhandel ab. Etwa 82 Prozent des Käses seien 2015 im Inland hergestellt und nur noch 18 Prozent importiert worden (2013: 45 Prozent). Dafür entwickelten sich Käsemolkereien vor Ort. Doch die Kaufkraft der russischen Konsumenten sinke in der Krise. Als Ersatz für echte Milch käme in Käseproduktion russischer Hersteller deshalb oft billiges Palmöl zum Einsatz. In vielen Käsepackungen sei kein Gramm Milch enthalten, schreibt GTAI.

Die Hersteller reagierten aber auf den Trend zur Produktion im Inland und investierten in Fabriken. Der Konzern Danone investiere 930 Millionen Rubel in St. Petersburg, der deutsche Hersteller Hochland wolle seine Kapazitäten in Belgorod ausbauen. Oft werde auch die produzierte Milch veredelt und vertrieben – wie bei der russisch-deutsche Firma Ekoniva des Geschäftsmanns Stefan Dürr.  Im März 2016 will Ekoniva neben der bestehenden Molkerei in Nowosibirsk eine zweite in der Region Woronesch eröffnen.