Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Rufil Russia Consulting

Simon SchüttVon

Willkommen zur Tagesübersicht Russlandgeschäft an diesem Freitag, den 9. September 2016. Das sind unsere Themen zum Wochenende:


Russisches Finanzministerium schlägt vor, die Militärausgaben um 6 Prozent zu senken

Wird im Kampf um den Haushalt für 2017-2019 eine heilige Kuh geschlachtet? Einem Bericht von Wedomosti zufolge, ist eine Senkung der Verteidigungsausgaben im Gespräch. Trotz der Wirtschaftskrise blieben die Militär- und Rüstungsausgaben bislang von Kürzungen verschont. Die Verteidigungsausgaben betragen 2016 vier Prozent des BIP.

Drei Beamte sagten nun der Zeitung, dass die Ausgaben in einem Zeitraum von drei Jahren um sechs Prozent geringer als in diesem Jahr ausfallen sollen. Für 2016 sind 3,157 Billionen Rubel eingeplant. Sechs Prozent entsprächen daher rund 190 Milliarden Rubel im Jahr 2017.


Lohnrückstand in Russland bei insgesamt 3,5 Milliarden Rubel

Russlands Premierminister Dmitri Medwedew hat Verzögerungen bei der Zahlung von Gehältern in Russland scharf kritisiert und kündigte an, dass das Problem stärker von der Staatsanwaltschaft kontrolliert werden solle.

„Das ist ein Skandal! Solche Fälle sollte es überhaupt nicht geben“, sagte er bei einem Treffen über Arbeitsschutz am Freitag, den 9. September laut Interfax.

Zum 1. August summierten sich die Lohnrückstände in Russland insgesamt auf 3,5 Milliarden Rubel (rund 48 Millionen Euro), erklärte Medwedew.

Die Situation sei allerdings von Region zu Region verschieden. In fast allen Fällen sei der Grund für die Verzögerungen die fehlenden Mittel der Organisationen.


Morgen Moskau-Tag und Eröffnung des neuen „Moskauer Zentralen Rings“

Morgen wird in Moskau am Moskau-Tag der Stadtgeburtstag ausgiebig gefeiert. Wie jedes Jahr auch mit Straßenfesten und einem Feuerwerk.

Zusätzlich wird am 10. September in diesem Jahr auch ein neues Transportmittel offiziell eröffnet: der „Zentrale Moskauer Ring“, eine S-Bahn, die die Metro entlasten soll (Ostexperte.de berichtete). Darüber berichten heute auch verschiedene russische Medien (ausführlich z.B. beim Kommersant).


Sberbank-Chef Gref: Künstliche Intelligenz könnte 2021 80 Prozent aller Entscheidungen treffen

Laut Sberbank-CEO German Gref könnte künstliche Intelligenz bis 2021 80 Prozent aller Entscheidungen für die größte russische Bank treffen, sagte er am gestrigen Donnerstag bei einer Veranstaltung bei der Moskauer Higher School of Economics. Das berichtet die Moscow Times.

Viele Entschlüsse bei der Bank würden schon jetzt „ohne menschliche Einwirkung“ gefällt. „Rund 50 Prozent der Entscheidungen, die vor fünf Jahren noch von Menschen getroffen wurden, werden heute von Computern gemacht. Wir glauben, dass in etwa fünf Jahren 80 Prozent aller Entscheidungen mittels künstlicher Intelligenz getroffen werden“, so Gref.

Dadurch werde der Entscheidungsprozess eine „signifikant bessere Qualität haben“, jedoch könnten dadurch auch Zehntausende ihre Arbeitsplätze verlieren, fügte er hinzu.

Die Sberbank hat bereits mehrere Schritte in Richtung technischer Neuerungen wie Gesichts- und Stimmerkennung für seine Kunden 2017 angekündigt.


Medwedew: Nötig, KMU zu entwickeln

Russlands Premierminister Dmitri Medwedew betonte am 7. September in der bujatischen Hauptstadt Ulan-Ude, dass es nötig sei, kleinere und mittlere Unternehmen zu entwickeln, sodass ihr Beitrag zur Wirtschaftsleistung deutlich größer als bisher werde. Ihre Präsenz „stabilisiere die Wirtschaft“, sagte er bei einem Treffen mit Wirtschaftsvertretern laut TASS.

KMU stellten derzeit rund 20 Millionen Arbeitsplätze. „Diese Zahl ist nicht klein, aber auf der anderen Seite auch nicht sehr groß.“ Er stelle fest, dass in den meisten europäischen Ländern kleine Unternehmen einen deutlich größeren Anteil ausmachten.


Gestern 75. Jahrestag des Beginns der „Blockade von Leningrad“

Gestern vor 75 Jahren begann die grausame „Blockade von Leningrad„. Die grausame Belagerung der Stadt von 8. September 1941 bis 27. Januar 1944 durch die deutsche Wehrmacht, ist ein traumatisches Ereignis und fest im kollektiven Gedächtnis der Russen verankert. In Deutschland hingegen wird das Thema – aus unserer Sicht vollkommen unverständlich – vergleichsweise wenig behandelt. Im deutschen Geschichtsunterricht ist die Blockade nur sehr selten ein Thema.

Bei der Belagerung kamen über eine Million Leningrader ums Leben – die meisten Menschen verhungerten oder erfroren, viele starben durch Bomben und Artilleriebeschuss.

Wir empfehlen auch diesen Artikel von den Kollegen von dekoder.org zu den „Blokadniki“, den Überlebenden.


Lesetipp zum Wochenende: Russland für die Westentasche

Zum Wochenende wollen wir Ihnen einen längeren Text als Lektüre empfehlen. Diese Woche ist auf Perspective Daily ein Gastbeitrag von dekoder-Herausgeber Martin Krohs erschienen. Darin entwirft er ein vereinfachtes Modell, das helfen soll, die russische Gesellschaft zu verstehen.

Das Modell besteht aus den drei Teilen Macht, Volk und Intelligenzija und ihrem Zusammenspiel. Ein interessanter und lesenswerter Denkanstoß.

Simon Schütt
Über den Autor

war von September 2015 bis September 2016 Chefredakteur bei Ostexperte.de.

Derzeit arbeitet er bei der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer. Bevor er zu Ostexperte.de kam, war er Redakteur der Moskauer Deutschen Zeitung. Dort schrieb er vor allem für das Wirtschafts-, das Digital- und das Moskau-Ressort.

Der Berliner hat in Wien Publizistik- und Kommunikationswissenschaft studiert und dort bei der Österreich-Ausgabe des Werbe-, Marketing- und Medien-Fachmagazins Horizont gearbeitet.