Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Ostexperte.deVon

Neuer Anti-Krisenplan der russischen Regierung von 420 Milliarden Rubel, Atempause bei Ölpreis und Rubelkurs, Linde Group erhält Zuschlag für Gazprom-Deal, Alkohol-Import Russlands zurückgegangen.

Willkommen zu unserer heute sehr umfangreichen Tagesübersicht Russlandgeschäft für Freitag, den 22. Januar 2016.

Wir wünschen Ihnen ein angenehmes und erholsames Wochenende!


Regierung offenbar mit neuem Anti-Krisenplan von über 400 Milliarden Rubel

Ein neues Paket mit Anti-Krisen-Maßnahmen für das Jahr 2016 der russische Regierung könne 420 Milliarden Rubel kosten, berichtet RBC. Das seien Maßnahmen, um die Bevölkerung und die Industrie in der Krise zu unterstützen. Sie würden Russlands Präsident Wladimir Putin am nächsten Mittwoch, den 27. Januar vorgestellt werden. RBC beruft sich bei ihren Informationen auf zwei Quellen in der Regierung.

Ende 2015 hieß es noch, dass man 2016 ohne einen solchen Plan auskommen werde. Aber ein weiterer Zusammenbruch der Ölpreise und die Abwertung des Rubels auf historische Tiefstände habe die Beamten dazu gezwungen, besondere Maßnahmen zur Unterstützung der Wirtschaft vorzubereiten, heißt es in dem Artikel.

Es gebe zwei Teile des Krisenplans: einen regulären Krisenplan in Höhe von 200 Milliarden Rubel (rund 2,2 Milliarden Dollar bei einem Wechselkurs von 87 Rubel/Euro – das kann sich aber schnell ändern) und weitere 220 Milliarden Rubel um bestimmte Wirtschaftsbereiche (etwa die Autoindustrie) zu unterstützen. Das Problem: Das Finanzministerium erachte das als zu teuer. In die kürzlich aufgekommene Diskussion um dringend nötige Budget-Kürzungen will ein solch umfangreiches Paket nicht so recht passen.


Zentralbank-Chefin sagt Davos-Gipfel ab

Die Chefin der russischen Zentralbank, Elvira Nabiullina, hat ihren Besuch beim World Economic Forum im Schweizerischen Davos abgesagt. Das teilten die Repräsentanten des Forums der Nachrichtenagentur TASS mit. „Vor einer Stunde haben wir erfahren, dass Elvira Nabiullina ihren Besuch beim Forum abgesagt hat“, hieß es. Die Absage hängt wohl mit dem zuletzt drastischen Rubelverfall am Mittwoch und Donnerstag zusammen. Bestätigt ist das aber bislang nicht.


Verschnaufpause: Ölpreis wieder gestiegen

Aufatmen. Der Ölpreis stieg heute auf über 31 Dollar pro Barrel Brent. Entsprechend erholte sich auch der Rubel bei Eröffnung wieder und lag bei (noch immer hohen) 87 Rubel zum Euro. Nach den vergangenen zwei Tagen mit jeweils deutlichem Verfalls der Währung können die Börsen heute aber wieder etwas durchatmen.


Moskauer Einkaufszentren mit Leerstandsrate von 8,3 Prozent

Moskauer Einkaufszentren hatten im vergangenen Jahr laut einem Bericht der Immobilienberatung Jones Lang LaSalle (JLL) einen Leerstand von 8,3 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr seien die freien Flächen um 2,3 Prozent gewachsen.

JLL zufolge seien die Mietpreise in den Zentren im dritten Quartal 2015 um 15 Prozent gefallen. Die durchschnittliche Monatsmiete pro Quadratmeter liege derzeit zwischen 300 und 1.200 Dollar pro Quadratmeter. Für 2016 erwartet das Unternehmen, könne der Leerstand zehn Prozent erreichen und sich damit dem Rekord von 2010 mit elf Prozent nähern.


Linde Group für Gazprom-Projekt ausgewählt

Der Müncher Technologiekonzern Linde Group wurde von Gazprom für das Amur-GPP-Projekt (Amur Gas Processing Plant) im Osten Russlands ausgewählt. Das teilte das Unternehmen gestern in einer Pressemitteilung mit. Linde wird dabei für das Engineering und die Beschaffung von Anlagen zur Extraktion von Ethan und Flüssiggasbestandteilen und zur Abscheidung von Stickstoff sowie für eine Heliumgewinnungs- und –verflüssigungsanlage zuständig sein.

Die Anlage, die in fünf Phasen bis 2024 errichtet werden soll, wird Teil des Power of Siberia genannten Pipeline-Projekts sein, das die Erdgasfelder in Ostsibirien mit Nordostchina verbinden wird. Der Vertrag sei schon Ende Dezember 2015 zwischen Linde und NIPIgas (Generalunternehmer von Gazprom Pererabotka Blagoweschtschensk) über das Engineering und die Beschaffung der genannten Komponenten für alle fünf Projektphasen geschlossen worden. Nach Fertigstellung werde Amur GPP mit einer Verarbeitungskapazität von bis zu 49 Milliarden Kubikmetern Erdgas pro Jahr eines der weltweit größten Gasverarbeitungsprojekte sein, heißt es in der Mitteilung.

Der Vorstandschef der Linde Group, Wolfgang Büchele, ist seit Jahresbeginn auch Vorsitzender des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft.

„Wir freuen uns, dass wir unsere erfolgreiche Geschäftsbeziehung mit Gazprom deutlich ausbauen können“, sagte Büchele zu dem Projekt. „Mit Amur GPP entsteht eine der weltweit größten Erdgasaufbereitungsanlagen.“ Linde ist mit einem Umsatz von über 17 Milliarden Euro im Jahr 2014 das größte Gase- und Engineeringunternehmen der Welt.


 

Moody’s kündigte heute an, die Ratings von 32 Unternehmen im Ölsektor in Bezug auf Abstufungen zu untersuchen

Die internationale Rating-Agentur Moody’s will die Bewertungen von 32 Öl-Explorations- und Produktions- sowie Ölfeld-Service-Unternehmen in Bezug auf ein Downgrade untersuchen. Das teilte die Agentur am Freitag mit. Davon betroffen sollen Lukoil, Bashneft, Rosneft, Tatneft, Gazprom, Gazprom Neft, Novatek sowie Nord Gold, MMK, Metalloinvest, Alrosa und Uranium One sein.


Russlands Alkohol-Import zurückgegangen

2015 sei der Alkohol-Import Russlands deutlich gefallen, meldete gestern die russische Wirtschaftszeitung Kommersant. Das sei die Folge des schwachen Rubels und der nachlassenden Kaufkraft der Bürger.

Der Import von Whiskey, dem wichtigsten Alkohol-Importgut, sei um 22,3 Prozent auf 33,59 Millionen Liter gefallen. Rum sei gar um 35 Prozent auf 4,76 Millionen Liter gefallen, beruft sich das Blatt auf Zoll-Statistiken. Die Wein-Einfuhr sank um 32,6 Prozent und Schaumweine kamen im Vergleich zu 2014 33,7 Prozent weniger ins Land.

Der Wodka-Import lag im vergangenen Jahr bei 4,39 Millionen Liter, was etwa viermal weniger ist als noch 2014. Dieser deutliche Rückgang sei auf die fast vollständige Einstellung der Lieferungen aus der Ukraine zurückzuführen, das 2014 noch 70,4% am Gesamtvolumen der Importe hatte.


Sonntag: Deutschland gegen Russland bei der Handball-EM

Wir wünschen Ihnen ein angenehmes Wochenende. Am Sonntag spielen übrigens Deutschland und Russland in Polen bei der Handball-Europameisterschaft gegeneinander.

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