Nachrichten zur Wirtschaft in Russland

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Rufil Russia Consulting

Ostexperte.deVon

Am Freitag, den 4. Dezember 2015 in der Tagesübersicht Russlandgeschäft haben wir zum Wochenende diese Themen für Sie:

  • Moody’s ändert Ausblick Russlands auf stabil,
  • Putin äußert sich in Rede an die Nation zur Wirtschaft des Landes,
  • Besitzer des Moskauer Café Pushkin: Es kommen weniger Ausländer, 
  • Gespräche zu Turkish Stream doch gestoppt,
  • Deutsche Maschinenbauer gegen Verlängerung der Sanktionen. 

Moody’s sieht Russland als „stabil“

Zum Wochenende eine gute Nachricht: Die Ratingagentur Moody’s hat Russlands Ausblick bei der Kreditbewertung von „Negative“ auf „Stable“ angehoben, berichtet Bloomberg. Moody’s nannte als Gründe dafür eine Stabilisierung externer Finanzen und eine verringerte Wahrscheinlichkeit eines weiteren „intensiven Schocks“ der Wirtschaft in den nächsten 12 bis 18 Monaten.

Moody’s sagte, der negative Effekt der Sanktionen und der niedrigen Ölpreise auf die Fremdwährungsreserven in diesem Jahr sei geringer ausgefallen als erwartet. Dafür seien insbesondere politische Maßnahmen wie der Float der Währung und die Rubelabwertung verantwortlich. Sie hätten geholfen, „die Schocks abzufedern“. Das Ratingunternehmen sagte ebenfalls, dass die relative Beruhigung in der Ostukraine eine niedrigere Wahrscheinlichkeit darstelle, dass die Sanktionen verschärft wurden.

Obwohl die russische Regierung schätzungsweise rund 38 Milliarden Dollar seiner Reserve für ihr Budget-Defizit aufwenden werde, seien diese Abzüge fast ausschließlich in lokaler Währung erfolgt. „Während die Einlagen der Regierung schrumpfen, bleiben die offiziellen Währungsreserven zum Großteil intakt“, sagten die Experten der Agentur laut Bloomberg.

„Moody’s bestätigt damit etwas, worüber der Markt schon seit Wochen redet – die Situation in Russland ist, wie sich zeigt, nicht so schlecht wie viele erwartet haben“, sagte Brian Jacobsen, Chief Portfolio Strategist bei Wells Fargo Advantage Funds aus den USA.

Damit bleibt Russlands Bewertung bei Ba1 – das liegt einen Schritt unter der Investment-Empfehlung. Die Abstufung auf dieses Niveau war im Februar erfolgt.


Putin äußert sich in Rede an die Nation zur Wirtschaft des Landes

Russlands Präsident Wladimir Putin hat in seiner gestrigen Rede an die Nation vor der Föderations-Versammlung auch die russische Wirtschaft erwähnt. Russland.ru hat diesen Teil ins Deutsche übersetzt.

Darin analysiert Putin zunächst, dass das Land im vergangenen Jahr ernsten wirtschaftlichen Herausforderungen gegenübergestanden habe. Öl und andere Produkte, die Russland für den Export anbiete, seien im Preis gefallen. Außerdem sei der Zugang zu den globalen Finanzmärkten beschränkt.

Der Zustand sei herausfordernd aber nicht kritisch. Man könne bereits einige positive Tendenzen sehen. „Die Industrieproduktion und Landeswährung sind allgemein unverändert. Es gibt einen geringen Niedergang in der Inflation. Wir sehen eine deutlich niedrigere Kapitalflucht verglichen mit 2014“, sagte Putin in seiner Rede.

Man dürfe sich aber nun nicht hinsetzen und auf steigende Ölpreise warten. Die Diversifizierung der Wirtschaft solle die höchste Priorität der Wirtschaftsentwicklung haben. Es sei wichtig, dass Russland erfolgreiche Unternehmen in der Industrie, Landwirtschaft habe und auch kleinere mittlere Unternehmen. „Unsere Aufgabe ist es, dass die Zahl solcher Unternehmen schneller und in allen Gebieten wächst. Unsere Importsubstitution, Exportunterstützung, Produktionsverbesserung und professionelle Ausbildungsprogramme sollten darauf abzielen, das zu erreichen“, sagte der Präsident, wie auch TASS schreibt. Er sehe außerdem die Unternehmensfreiheit als wichtiges ökonomisches und soziales Thema.

Seine Rede, wie auch der Teil darin zur russischen Wirtschaft, sorgte für Kritik. So schrieb Julian Hans, Moskau-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung, auf Twitter:

In einem kritischen Kommentar schrieb auch Bloomberg: „Die Rede zeigt, dass Putin keine Ideen hat, was er tun muss, um Russland aus seinem ökonomischen Sumpf herauszuziehen.“ Die Analyse treffe teilweise zu, die Lösungen fehlten aber.


Besitzer des Moskauer Café Pushkin: Es kommen weniger Ausländer

Andrey Dellos, der Besitzer des berühmten und bei vielen Expats beliebten Moskauer Café Pushkin am Puschkinplatz im Zentrum Moskaus, hat dem Handelsblatt ein Interview gegeben. Der Ausländeranteil im Café Pushkin sei gesunken. Dennoch expandiere er in vielen anderen Ländern. New York, London und Paris gebe es schon. Auch Berlin und München ständen auf seiner Liste, sagt er.

Hier ein kleiner Auszug aus dem Interview:

Das Verhältnis des Westens zu Russland ist stark angespannt. Spüren Sie das?
Es berührt mein Herz, was derzeit geschieht. In zehn bis 15 Jahren werden die Leute sagen: Was für riesige Fehler wurden damals gemacht. Die Eliten bekämpfen sich, die normalen Leute leiden.

Sind Ihre Restaurants betroffen?
In Russland ist der Anteil der Ausländer gesunken. Die russischen Gäste haben vorher meist keinen Platz bekommen, weil sie ungern vorher reservieren.


Gespräche zu Turkish Stream doch gestoppt

Zurzeit seien die Gespräche zum Gasprojekt „Turkish Stream“ gestoppt, sagte der russische Energieminister Alexander Novak gestern gegenüber Journalisten. Zwar ist das Projekt nicht in der am Dienstag vorgestellten Sanktionsliste enthalten, aber dort sei erwähnt, dass die Tätigkeit der russisch-türkischen Regierungskommision zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit eingestellt wurde. In diesem Zusammenhang sei auch die Arbeit an den Vereinbarungen zum „Turkish-Stream“-Projekt auf Eis gelegt worden, erklärte Nowak.

Nachdem bereits das Projekt „South Stream“ gestoppt wurde, galt „Turkish Stream“ als Pipeline-Alternative zur Gasversorgung Europas über die Türkei. Auch das Projekt „Nord Stream-2“, das durch die Ostsee führen soll, stockt momentan.


Deutsche Maschinenbauer gegen Verlängerung der Sanktionen

Die deutschen Maschinenbauer sprechen sich deutlich gegen eine Verlängerung der Russland-Sanktionen aus (siehe Tagesübersicht Russlandgeschäft am 3. Dezember). Das meldete die DPA gestern. Die Sanktionen führten zu spürbaren Konsequenzen für den deutschen Export von Maschinen und Anlagen nach Russland, erklärte Thilo Brodtmann, der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands VDMA, am Donnerstag in Frankfurt. „In den ersten neun Monaten 2015 fielen die Maschinenexporte um knapp 27 Prozent auf 3,58 Milliarden Euro.“

Damit würden in diesem Jahr voraussichtlich nur noch Maschinen und Anlagen im Wert von rund fünf Milliarden Euro nach Russland exportiert, schätzt Brodtmann. „Das wären fast drei Milliarden Euro weniger als noch vor zwei Jahren.“ Die Maschinenausfuhren nach Russland waren 2014 bereits um 17 Prozent gesunken.

Nur sehr wenige Maschinenbau-Unternehmen könnten zurzeit in Russland Gewinne schreiben, erklärte der Verbandschef. Insgesamt fiel das Land in den vergangenen zwei Jahren im Ranking der wichtigsten Exportmärkte der deutschen Maschinenbauer von Platz 4 auf Platz 10 zurück.

Aus Sicht der Maschinenbauer wäre die inzwischen deutlich ruhigere Lage ein Grund gewesen, ein Zeichen für die Wirtschaft zu setzen. Zumal sich selbst eine baldige spürbare Lockerung der Sanktionen erst mit einiger zeitlicher Verzögerung bemerkbar machen würde. Aktuell sei für 2016 jedenfalls kein „signifikanter Aufschwung“ der Maschinenexporte nach Russland zu erwarten.


Mit dieser Tagesübersicht Russlandgeschäft wünschen wir Ihnen ein angenehmes Wochenende. Wir würden uns sehr über Kommentare oder Ihr Feedback freuen. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! 

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